Technische Hochschulen ringen um Studentinnen, denn nicht nur in der Lehre, auch in der Wirtschaft hat man längst bemerkt, dass Frauen und Technik nicht auf Kriegsfuß stehen. Die Herausforderung dabei ist, Mädchen für technische Studiengänge oder Ausbildungsberufe überhaupt erst zu begeistern.

Wie hier Anreize geschaffen werden können, zeigt das Projekt „Zukunft, Werkstatt, Gestalten“ des Mehrgenerationenhauses Markdorf (MGH).

Kabel, Platinen und Akkus

Eine Säule des Projekts ist das Mädchen-Technik-Lab, das in Kooperation mit der Toolbox Bodensee, einem gemeinnützigen Maker- und Hackspace in Markdorf, umgesetzt wird. Im ersten Stock in der Bergheimer Straße 6, der räumlichen Heimat der Toolbox, sitzt eine Gruppe Mädchen über einem vermeintlichen Wirrwarr aus Kabeln, Platinen und Akkus gebeugt. Bewaffnet mit Lötkolben sind die Zehn- bis 16-Jährigen eifrig dabei, dünne Kabel an die richtige Stelle zu löten.

Mit viel Fingerspitzengefühl wird hier die Stromversorgung an den Ein- und Ausschalter der Funkfernbedienung des Copters gelötet.
Mit viel Fingerspitzengefühl wird hier die Stromversorgung an den Ein- und Ausschalter der Funkfernbedienung des Copters gelötet. | Bild: Gabriele Münzer

Geschäftiges Treiben ist an dem rechteckigen Tisch zu beobachten – und beste Laune. Das, woran die Teenager konzentriert arbeiten, ist das Herzstück eines Quadrocopters, einer Drohne mit vier Propellern, der laut Planung demnächst in die Lüfte abheben soll.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt durch Mittel der Stiftung Kinderland von der Baden-Württemberg-Stiftung, die die Anschaffungskosten der benötigten Teile, wie Platinen, Mikrocontroller, Sender oder Kabel, übernommen hat.

Mentoren unterstützen im Mädchen-Technik-Lab

Den größten Anteil am Erfolg des Copterbauprojektes haben jedoch die Mentoren Alexander Binzberger aus Friedrichshafen und Philipp Schönberger aus Immenstaad. Beide sind Informatiker und Mitglieder der Toolbox und engagieren sich ehrenamtlich für das Projekt.

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Seit etwa einem halben Jahr sammelt die Gruppe jeden Donnerstag Erfahrungen mit Motoren, Propellern, Akkus oder Lötkolben und wird dabei kräftig unterstützt von ihren Mentoren. Angela Pittermann vom MGH erklärt: „Wir möchten mit diesem Copter-Modul speziell Mädchen an technische Berufe und Themen heranführen, die keinen technischen Hintergrund in der Familie haben.“

Arbeit fördert eigene Wertschätzung

Kinder würden heute wenig mit den Händen machen und die Feinarbeit beim Copter-Bau, beispielsweise beim Löten von Kabeln, fördere die Feinmotorik. Hinzu käme die eigene Wertschätzung, dadurch, dass man selbst etwas geschaffen habe.

Noch sind ein paar Feinarbeiten zu erledigen, aber bald kann der Quadrocopter abheben.
Noch sind ein paar Feinarbeiten zu erledigen, aber bald kann der Quadrocopter abheben. | Bild: Gabriele Münzer

Marleen Maler kommt jede Woche aus Salem nach Markdorf, um an ihrem Copter zu bauen. „Ich fand das Projekt einfach spannend. Man muss sich wirklich konzentrieren, um die Kabel an die richtige Stelle zu löten“, sagt sie. Um das Löten richtig zu erlernen, wurde vom Team fleißig geübt und auf Weihnachten sogar ein kleiner LED-Weihnachtsbaum gefertigt.

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Durch die intensive Unterstützung seitens der Mentoren hat es die Gruppe zwischenzeitlich fast geschafft, aus den Einzelteilen einen flugfähigen Copter nebst Fernbedienung herzustellen. Noch sind kleinere Arbeiten nötig, aber schon bald können die Quadrocopter abheben und die Mädchen beweisen, dass „Frauen und Technik“ eben kein Widerspruch ist.