70 Menschen, die sich bewegen, darunter fünf Männer? Richtig: Hier wird getanzt. Was sich ohne den männlichen Part meist schwierig gestaltet, ist in diesem Fall kein Problem. In der Stadthalle weist Silvia Filip in Linedance ein – und den kann frau/man(n) solo tanzen – sieht aber in der Gruppe am besten aus und macht in dieser auch am meisten Spaß.

Mit so vielen Teilnehmern hatte Silvia Filip nicht gerechnet

Zum Sommerworkshop in der vereinstanzfreien Zeit hatte die 62-Jährige eingeladen, die ansonsten im Verein im zweiten Jahr eine Fortgeschrittenengruppe mit rund 15 Mitgliedern und seit Herbst 2018 eine Anfänger-Gruppe unterrichtet. Hier waren es anfänglich über 70, rund 60 sind bei der Stange geblieben. Die Mindestteilnehmerzahl für einen Kurs, den sie den Damen mitgeteilt hatte, die im Paartanz unterwegs sind und sich auch für Linedance interessierten, wurde um ein Mehrfaches überschritten.

Eine weitere Variante beim Linedance, bei der auch mal paarweise getanzt wird.
Eine weitere Variante beim Linedance, bei der auch mal paarweise getanzt wird. | Bild: Keutner, Christiane (Extern)

Schritte üben mit Youtube-Video

„Ich dachte, mich trifft der Schlag“, sagte Silvia Filip, als die vielen Tanzbegeisterten in die Halle strömten. „Linedance ist ein Boom.“ Zwischendurch kämen immer wieder Leute, die sich nach einem Beginnerkurs erkundigten. Weil es so viele Anfragen gab, hatte sie in diesem Sommer den Anfänger-Workshop angeboten, zu dem zehn neue dazugekommen sind. „Ihnen wollte ich die Möglichkeit zum Einsteigen geben, wobei das nicht einfach ist. Wenn sich jemand wirklich integrieren will, muss er etwas dafür tun.“ Sprich: die Schritte einüben mithilfe der Lernvideos auf Youtube. Dort sind die Tänze nach den Choreografen zu suchen. Auf ein Lied kann beispielsweise dreimal mit unterschiedlichen Schrittfolgen getanzt werden. Auch sogenannte Dance-Sheets sind hilfreich. Hier wird genau beschrieben, wie man welchen Fuß wohin setzen muss. Zweimal pro Woche sollte man trainieren, damit sich die Schrittfolgen einprägen und man sie automatisch tanzt.

Auch zu Boogie lässt sich Linedance prima tanzen

Linedance boomt. „Weil die Leute, fast nur Frauen, alle jammern, dass ihre Männer nicht tanzen. Hier kann man sich alleine bewegen und seinen eigenen Ausdruck reinbringen. Der ganze Körper sollte in Bewegung sein, man kann dazu noch klatschen oder schnippen“, sagt Silvia Filip.

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Die ideale Musik ist Country oder Cha-Cha, auch zu Boogie lässt sich Linedance prima tanzen. Aber auch Walzer, Tango, Jive, Samba und Rumba seien geeignet, erklärt Silvia Filip. Und was allgemein fürs Tanzen gilt, entfaltet auch hier seine Wirkung: Linedance vermindert das Demenzrisiko – dazu gebe es eine Studie. „Man muss sich Rechts-Links-Koordination, die Schritte und englischen Schritt-Namen merken und im Takt sein.“

Übungsleiterin Silvia Filip ist selbst begeisterte Linedancerin.
Übungsleiterin Silvia Filip ist selbst begeisterte Linedancerin. | Bild: Keutner, Christiane (Extern)

Der Tanz ist für jedes Alter geeignet

Übungsleiterin Silvia Filip tanzt selbst seit 2013 in der Linedance-Gruppe „Flash-Boots“. Weil es die Akteure ehemals „schwierig hatten“, hatte sie im Verein eine Stunde zum gemeinsamen Üben abgezwackt. Will man dabei bleiben, ist eine Vereinsmitgliedschaft zwingend. Die Workshops gibt es zusätzlich.

Der Tanz ist für jedes Alter geeignet, doch je älter man ist, desto mühsamer wird das Lernen. Viele kämen nur in die Stunden, andere tanzten aktiv bei Veranstaltungen. Die Tänze sind weltweit die gleichen, man kann sie in Amerika genauso mittanzen wie in Asien.

Hier benötigt man keinen Tanzpartner

Unter den Neulingen ist Bettina Weber aus Ravensburg. „Ich sehe Linedace immer öfter auf Party und Festen, es wird immer populärer. Jetzt wollte ich mal schauen, wie das ist“, sagt die 40-Jährige. Darinka Frank, 31, findet gut, dass man dafür keinen Tanzpartner benötigt. Die Zwillinge Birgit Braun und Martina Purucker, 38, haben Linedance schon jahrelang getanzt und wollen es gemeinsam wieder aufnehmen, nachdem ihre Kinder aus dem Gröbsten raus sind und die Ehemänner kein Interesse am Tanzen haben. Zudem ist Country-Musik ihr Ding und sie mögen Bewegung.

Bettina Herman aus Markdorf tanzt leidenschaftlich gern und das sieht man auch.
Bettina Herman aus Markdorf tanzt leidenschaftlich gern und das sieht man auch. | Bild: Keutner, Christiane (Extern)

„Faszinierend war, dass 18- bis 80-Jährige Discolinedance getanzt haben“, berichtet ein 40-jähriger Markdorfer. Als Newcomer findet er den Einstieg allerdings ein bisschen schwierig. Benita Waggershauser tanzt Linedace seit sechs Jahren: „Ich kann zu 100 Prozent abschalten, ich mag die Musik und ich schätze das Miteinander“, sagte die Salemerin. „Tanzen hält wirklich jung und es hält den Geist frisch, weil man sich viele Schritte merken muss“, bestätigt die 70-jährige Monika Feder aus Bürgermoss. Rund 20 Tänze hat sie im Repertoire. „Es gibt viele gleiche Schritte, aber immer in anderer Kombination.“

Bewegung und Konzentration

Probierfreudig war Harald Jäger, 57, nachdem seine Frau und ein Kumpel Linedance schön länger machten. Jetzt gefällt‘s ihm auch: „Man hat Bewegung, muss sich konzentrieren und hält sich dadurch fit.“ Seit sechs Jahren tanzt auch Bettina Herman aus Markdorf. Die 46-Jährige besucht gerne Countryfestivals wie das in Mühlhofen und schätzt auch die Geselligkeit nach den Stunden. „Früher hab‘ ich Paartanz gemacht. Das hat aber nicht so funktioniert. Jetzt tanzt jeder für sich und es klappt wunderbar!“