Soziale Netzwerke gibt es wie Sand am Meer. Der 23-jährige Johannes Sträßle entwickelte dennoch eine neue Plattform namens „Univy“ und ist von seiner Idee überzeugt. „Ich mache das nicht, weil ich selbst ein großer Social Media-Fan bin, sondern weil mich bei bestehenden Sozialen Netzwerken bestimmte Dinge stören“, sagt er über seinen Antrieb.

Wissenshungrig und voller Leidenschaft

Für das Programmieren hat sich Johannes Sträßle „schon immer interessiert“. Der junge Gründer erklärt: „Ich habe mir verschiedene Hochsprachen selbst beigebracht. Es macht mir Spaß, Neues zu schaffen und auch mich weiterzuentwickeln.“

Das könnte Sie auch interessieren

Zusammen mit einem Geschäftspartner gründete er eine Firma. Aus dem spanischen Valencia arbeitet ein externes Entwicklerteam zu. „Die ersten 15.000 bis 20.000 Zeilen habe ich in drei Monaten selbst geschrieben. Neben der Arbeit wurde das aber ziemlich viel, also nahmen wir jemanden dazu. Circa 80 Prozent der App habe ich entwickelt, 20 Prozent kamen aus Spanien“, berichtet Sträßle.

Add-on statt Konkurrenz-App

Laut dem Markdorfer ist die App nicht als Konkurrenz zu erfolgreichen Social Media-Riesen wie Facebook oder Instagram zu verstehen, sondern vielmehr als Ergänzung. „Univy ist ein nichtanonymes, standortbasiertes Netzwerk, das Funktionen von bereits bestehenden miteinander verschmelzen lässt“, schildert Sträßle. Damit meint er beispielsweise standortbasierte Dating-Apps wie Tinder. Auch bei „Univy“ könne der Nutzer einen Umkreis von bis zu 100 Kilometern einstellen. Liken und Kommentieren wie bei Facebook sei ebenfalls möglich, zudem gebe es die Möglichkeit des Dislikens.

„Univy ist ein nichtanonymes, standortbasiertes Netzwerk, das Funktionen von bereits bestehenden wie Facebook, Dating-Apps oder Jodel miteinander verschmelzen lässt.“ Johannes Sträßle, Entwickler und Gründer des Sozialen Netzwerks „Univy“
„Univy ist ein nichtanonymes, standortbasiertes Netzwerk, das Funktionen von bereits bestehenden wie Facebook, Dating-Apps oder Jodel miteinander verschmelzen lässt.“ Johannes Sträßle, Entwickler und Gründer des Sozialen Netzwerks „Univy“ | Bild: Singler, Julian

Die Nutzung von „Univy“ ist Johannes Sträßle zufolge ganz einfach: App öffnen und sofort die neuesten Beiträge aus der Umgebung angezeigt bekommen – und das ganz ohne Freundesliste oder Follower. Ein eigenes Profil kann der User dennoch pflegen und mit Bildern oder Videos aufhübschen. „Zudem haben wir ein Ranking verankert, was bedeutet, dass ein Beitrag bei einer gewissen Anzahl von Dislikes automatisch von der Plattform gelöscht wird. Das geschieht dank eines selbstregulierenden Systems“, so Sträßle.

Wie der Markdorfer weiter berichtet, gibt es noch eine andere Besonderheit bei „Univy“. So zeigt es bei der Suchfunktion zuerst einmal alle Menschen in der Umgebung an. Die Möglichkeit eines privaten Chats sorgt alles in allem für einen „riesigen Funktionsumfang“, sagt der 23-Jährige.

Gründer wollen keine Anonymität

„Die App ist am ehesten mit Jodel zu vergleichen, nur dass wir den Leuten ein Gesicht geben und aus der Anonymität herauskommen“, erläutert Johannes Sträßle. Jodel ist eine mobile Social Media-Plattform, auf der Beiträge anonym verfasst werden können. Der Gründer ergänzt: „Wir wollten keine Anonymität, denn je mehr es davon gibt, desto mehr Mist ist in den Beiträgen zu lesen. Wenn man mit Name und Profilbild einstehen muss, überlegt man sich zweimal, was gepostet wird.“ Dadurch soll bei „Univy“ beispielsweise der Verbreitung von Fake News und Gerüchten vorgebeugt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf Freundeslisten und Follower verzichtet „Univy“ laut Johannes Sträßle bewusst. „Wir wollen weg davon und auch unabhängig von Influencern sein, die die angezeigten Beiträge auf anderen Sozialen Netzwerken dominieren und beeinflussen“, sagt er. Weil es in seiner App zudem auch keine Werbung gibt, steht der User im Mittelpunkt. „Meistens bestimmen Influencer, was angezeigt wird, und Algorithmen die Timeline, aber bei uns nicht. Jeder Mensch hat in unserer Community ein Mitspracherecht. Wir müssen Nutzer wieder dazu bringen, nicht mehr nur Konsument von Sozialen Netzwerken zu sein und lediglich zu Liken, sondern auch Content-Creater.“ Momentan würden Nutzer kaum mehr selber Beiträge verfassen, weil sie dächten, es werde wegen den Massen an Influencern ohnehin nicht wirklich von anderen gesehen.

„Univy“ verbindet Funktionen von klassischen Sozialen Netzwerken wie Facebook mit denen von Dating-Apps oder Plattformen wie Jodel. Wichtig ist Johannes Sträßle, dass Beiträge nicht anonymisiert verfasst werden.
„Univy“ verbindet Funktionen von klassischen Sozialen Netzwerken wie Facebook mit denen von Dating-Apps oder Plattformen wie Jodel. Wichtig ist Johannes Sträßle, dass Beiträge nicht anonymisiert verfasst werden. | Bild: Singler, Julian

Was wohl den meisten Nutzern, die auf einer Social Media-Plattform unterwegs sind, wichtig ist, ist das Thema Datenschutz. Hierfür hat „Univy“ einen Datenschutzbeauftragten im Team. „Wir tun alles, um die Daten klein zu halten, schließlich kosten die Server auch sehr viel Geld. Da wir ein standortbasiertes Netzwerk anbieten, arbeiten wir viel mit Standortdaten“, erklärt Johannes Sträßle, der aber ergänzt: „In unserer Datenbank haben wir nur einen Standortpfad, den wir nach jedem Login des Nutzers überschreiben. Das heißt, dass keine Geo-Daten gesammelt werden und wir nicht speichern, wo der User überall war.“

Das könnte Sie auch interessieren

Einen kommerziellen Zweck verfolgt Johannes Sträßle mit „Univy“ zumindest anfangs nicht. „Primär geht es um den Mehrwert für die Nutzer: keine Werbung und kein Bezahlen. Jetzt wollen wir die Nutzerzahlen steigern“, sagt er. Mit der Entwicklung seit dem Launch Ende Mai sind Sträßle und sein Geschäftspartner zufrieden. „Es läuft gut an. Durch verschiedene Marketingmaßnahmen konnten wir die Nutzerzahlen in die Höhe schrauben, pro Tag aktuell um circa 100 bis 200 Prozent.“

Angestellter oder Selbstständigkeit?

Um von der Selbstständigkeit, die immer ein enormes Risiko birgt, leben zu können, braucht es nach Ansicht von Johannes Sträßle mindestens 100 000 User. Aktuell ist der Markdorfer nicht vollzeitselbstständig. Er kümmert sich neben seinem Beruf um „Univy“ – ein Riesenaufwand, wie Sträßle sagt. „Langfristig gesehen wird diese Dauerbelastung nicht funktionieren, dann muss ich mich entscheiden“, ist er sicher. Dabei kommt es auf den Erfolg seiner neuen Social Media-Plattform „Univy“ an.

Informationen im Internet:
http://www.univy.de