Die Klagen der Landwirte über die Dürre der vergangenen Wochen werden in diesen Tagen immer lauter. Und die positiven Stimmen jener Obstbauern, die sich nach mehreren Ernteperioden mit geringen Erträgen in diesem Jahr erstmals wieder über eine bessere Ernte freuen dürfen, ertönen immer verhaltener. Nicht überall sind die Landwirte von der Hitzeperiode gleich betroffen. Doch scheint es, als hätten Milchvieh- und Getreidebauern die größten Probleme.

Verbände rufen zu finanzieller Unterstützung auf

Von den Verbänden kommt bereits der Ruf nach finanzieller Unterstützung für die Landwirte. Denn viele Betriebe seien aufgrund der drohenden Produktionsausfälle mittlerweile in ihrer Existenz bedroht.

Wie unterschiedlich die Produzenten in der Region betroffen sind, zeigt eine Umfrage unter den Händlern auf dem Markdorfer Wochenmarkt. "Schwierig", sagt Dieter Frick zur momentanen Lage der Kartoffel-Bauern. Der Landwirt aus Kleinstadelhofen bei Pfullendorf geht davon aus, dass die Branche ein Dürrejahr wie dieses durchaus verschmerzen könne. "Sollten mehrere Jahre mit ähnlicher Trockenheit und ebenso großer Hitze aufeinander folgen", sagt Dieter Frick, "dann würde es natürlich eng." Aber das seien dann Probleme, die aus Sicht des Landwirts die gesamte Nahrungsmittelproduktion beträfen.

Bislang war der Donnerstag der einzige Markttag in Markdorf. Nun wird es auch samstags einen Markt im Schlosshof geben.
Die Händler auf dem Markdorfer Wochenmarkt sind durchaus unterschiedlich von Hitze und Trockenheit der letzten Wochen betroffen. | Bild: Jörg Büsche

Nur kleine Knollen an hitzegestressten Kartoffelpflanzen

Nach wochenlanger Hitze und viel zu geringen Niederschlägen kündigte der Deutsche Bauernverband erst kürzlich Ernteausfälle bei Getreide und Raps an. Und der Bundesverband der kartoffelverarbeitenden Industrie befürchtet gar eine Missernte. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die hitzegestressten Kartoffelpflanzen das Knollenwachstum frühzeitig reduzieren, sodass es an den großen Exemplaren mangelt, die in der Pommes-Frites-Produktion gebraucht werden.

Noch größer klingen im Vergleich dazu die Sorgen, die die anhaltende Trockenheit den Viehhaltern aktuell bereitet. Futter für ihre Tier ist knapp. Deshalb haben sie den Tieren teilweise bereits jetzt das ursprünglich für den Winter vorgesehene Futter gegeben. Dann müssen sie Futter teuer zukaufen. Viele dieser Landwirte erwägen daher nun, einen Teil ihrer Tiere zu schlachten.

"Kartoffeln kommen heiß aus der Erde"

Dieter Frick, Kartoffel-Bauer aus Kleinstadelhofen bei Pfullendorf
Dieter Frick, Kartoffel-Bauer aus Kleinstadelhofen bei Pfullendorf

Dieter Frick, Kartoffelbauer aus Kleinstadelhofen bei Pfullendorf: Den Kartoffeln fehlt es jetzt an Größenwachstum. Die Pflanzen schützen sich selber vor der Hitze, indem sie klein bleiben. In der Phase des Knollenansatzes vor einigen Wochen hat es noch ausreichend geregnet. Die Trockenheit ist erst zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten. Bleibt es so heiß, könnte das bei der Ernte zu Problemen führen. Unter Umständen müssen wir die Kartoffeln dann künstlich abkühlen. Derzeit kommen sie beinahe so heiß wie Pellkartoffeln aus der Erde. Das ist nicht gut für die Haltbarkeit der Kartoffeln. Sorgen mache ich mir schon um das Klima. Denn so extrem wie in den vergangenen paar Jahren waren die Wetterausschläge, solange ich mich erinnern kann, bestimmt nicht.

"Seit sechs Wochen müssen wir schon Winterfutter füttern"

Gerhard Lippner, Schafzüchter aus Taisersdorf
Gerhard Lippner, Schafzüchter aus Taisersdorf

Gerhard Lippner, Schafzüchter aus Taisersdorf: Es ist schlimm. Unsere Wiesen sind trocken – alles braun. Die Heuernte ist wirklich sehr, sehr schlecht ausgefallen. Und die Schafe finden deshalb nicht mehr genug zum Fressen. Seit jetzt sechs Wochen gehen wir an unser Winterfutter. Doch wollen wir nicht jammern, sondern gucken, wie es trotz der Dürre weitergehen kann. Auf unsere Preise können wir die nun steigenden Kosten jedenfalls nicht umlegen. Aber wir müssen vermutlich einige Tiere schlachten, weil wir nicht mehr genug Futter für sie haben. Sorgen um den Klimawandel mache ich mich schon. Vor allem, weil viel darüber geredet, aber wenig dagegen getan wird. Langfristig erwarte ich, dass wir uns mit unseren Pflanzen an die sich verändernden Verhältnisse anpassen müssen.

"Auf den Wiesen nicht genug zum Fressen fürs Vieh"

Alf Meuser vom Hofgut Rimpertsweiler bei Salem
Alf Meuser vom Hofgut Rimpertsweiler bei Salem

Alf Meuser, Hofgut Rimpertsweiler zwischen Grünwangen und Bermatingen: Die anhaltende Trockenheit bereitet schon Probleme. Weil auf den Wiesen nicht genug zum Fressen wächst fürs Vieh, müssen wir ans Winterfutter gehen. Bei der Getreideernte hatten wir Glück. Da gibt es keine großen Einbußen. Das Wetter fällt regional sehr unterschiedlich aus, ist ein paar Kilometer weiter ganz anders. Bei uns gab es Niederschläge, woanders sind die ausgeblieben. Im Rückblick kann ich mich nicht erinnern, dass es anhaltend so trocken gewesen ist. Gefühlt hat es in meiner Kindheit im Sommer viel öfter geregnet. Aber das sind natürlich subjektive Eindrücke. Wir müssen darauf achten, dass wir dem Klimawandel mit nachhaltigen Lösungen und nicht mit kurzsichtigem Aktionismus begegnen.

"Tomaten werden dieses Jahr alle gleichzeitig reif"

Obstbauer Andreas Nusser aus Ostrach
Obstbauer Andreas Nusser aus Ostrach

Andreas Nusser, Gemüsebauer aus Ostrach: Alles, was wir bei diesen Temperaturen und der derzeitigen Trockenheit für die Pflanzen tun können, ist viel gießen. Zum Glück haben wir auf dem Hof einen eigenen Brunnen. Aber es zeichnet sich jetzt schon ab, dass der Blumenkohl und der Brokkoli in diesem Jahr ziemlich klein bleiben werden. Und die Tomaten reifen nicht nach und nach wie sonst, sondern werden alle gleichzeitig reif. Insgesamt wird die Ernte wohl etwas geringer ausfallen als in anderen Jahren. Doch wollen wir deshalb nicht die Preise aufschlagen. Obwohl die Preise für Lebensmittel bei uns in der Bundesrepublik allgemein immer noch recht niedrig sind. Ob sich das Klima verändert? Extreme hat es schon immer gegeben, aber zurzeit häufen sie sich.