Am Ende der Straße in Wirrensegel taucht man zuerst in eine kleine Oase von mit vielen Sommerblumen und bunt bewachsenen Pflanzkästen ein, die das Landhaus über die gesamte Front einbetten. Erst der Blick auf die andere Hofseite macht klar, dass hier ein Landwirt lebt, der in diesem Jahr trotz Hitze und Trockenheit eine sehr erträgliche Kürbisernte eingefahren hat.

Das liegt an den moorigen Böden, die nicht nur Bruno Stotz, sondern vor allem seine Kürbisse mögen. "Moorige Böden sind schon von Haus aus etwas feuchter und weicher, sodass die Kürbisse in ihrer nur dreimonatigen Vegetationsphase schnell viele Wurzeln bilden können, um sich aller Nährstoffe des Bodens zu bedienen", erklärt der Landwirt.

Nach der Ernte brauchen Felder zwei Jahre Erholung

Allerdings kann ein Feld nur ein Jahr mit Kürbissen bepflanzt werden. Dann braucht es zwei Jahre, um sich zu regenerieren, bevor die großen Halloweengeister wieder in der Qualität wachsen können, die sich der 25-jährige Bruno Stotz vorstellt. Bei hohen Temperaturen, wie sie diesen Sommer herrschten, wird auch ein mooriger Boden irgendwann trocken. Solche Felder ständig zu bewässern, sei fast unmöglich, sagt Bruno Stotz. Deshalb arbeitet er mit seinem Team nach einer alten Gärtnerweisheit: "Einmal gehackt ist besser als dreimal gegossen." So habe der Boden eine viel bessere Chance, Wasser zu speichern, erklärt Stotz.

Verkaufsstände zwischen Friedrichshafen und Pfullendorf

An den Verkaufsständen bietet Bruno Stotz eine bunte Vielfalt von Kürbissorten. Erklärungen zu deren Verwendung und Rezepte runden das Angebot ab.
An den Verkaufsständen bietet Bruno Stotz eine bunte Vielfalt von Kürbissorten. Erklärungen zu deren Verwendung und Rezepte runden das Angebot ab. | Bild: Kerstin Oettle

Mit der Ernte kann Stotz täglich die Verkaufsstände an den Straßen von Friedrichshafen bis Pfullendorf bestücken. Die Stotz-Kürbisstände präsentieren sich seit zwei Jahren im neuen Design, das Lust auf den Kürbis machen und auch jene Menschen ansprechen will, die vielleicht bisher nicht die großen Fans waren oder sich nicht so richtig an dieses Gemüse herantrauten.

"Leute werden immer experimentierfreudiger"

"Die Nachfrage steigt von Jahr zu Jahr und die Leute werden immer experimentierfreudiger", freut sich der Landwirt. Das bestätigt ihn in seiner Konzeption. "Es macht Spaß zu erkennen, dass durch eigene Kreativität wie Design, Rezepte oder Vermarktung die Konsumenten offen für neue Sorten und Verarbeitungen sind."

Was mit der Kartoffel geht, geht auch mit dem Kürbis

Der Kürbis sei eine echte Alternative in der Küche und nicht nur sehr gesund, sondern lasste sich auch ausgezeichnet in den Low-Carb-Trend integrieren. Der Hobbykoch versichert: "Alles, was man mit einer Kartoffel machen kann, lässt sich auch mit dem Kürbis umsetzen." Sein Favorit sei die "von meiner Oma kreierte Kürbispizza oder in Öl gebratene Butternutscheiben". Von der Gastronomie würden hauptsächlich Hokkaido oder Muskatkürbisse angefragt, weil sie von der Verarbeitung her am einfachsten seien.

Über 100 Sorten im Anbau

Auf dem Hof Stotz in Wirrensegel liegen Kürbisse, so weit das Auge reicht. Über 100 Sorten baut der 25-jährige Landwirt Bruno Stotz an und bestückt damit unter anderem Verkaufsstände an Straßen zwischen Pfullendorf und Friedrichshafen.
Auf dem Hof Stotz in Wirrensegel liegen Kürbisse, so weit das Auge reicht. Über 100 Sorten baut der 25-jährige Landwirt Bruno Stotz an und bestückt damit unter anderem Verkaufsstände an Straßen zwischen Pfullendorf und Friedrichshafen. | Bild: Kerstin Oettle

Doch Bruno Stotz ist breit aufgestellt und baut über 100 verschiedene Kürbissorten an. Sie tragen Namen wie Blue Hubbard, Acorn oder Permanent. Neue Sorten findet der Kürbisbauer beispielsweise auf dem Feldtag der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen.

Bei der Ernte müssen alle mit anpacken

Die Erntezeit ist für Bruno Stotz wie für jeden Landwirt Knochenarbeit und auf dem Hof müssen alle mit anpacken. "Gemeinsam an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten war für uns schon immer Qualitytime", lächelt Stotz. Damit das auch in Zukunft so bleibe, sei es sehr wichtig, dass jeder seine Auszeiten habe. "Meine Mutter geht zum Beispiel jeden Abend zum Schwimmen an den Bodensee und ich mache im Winter, wenn es etwas ruhiger ist, einen längeren Urlaub, so wie vorletztes Jahr in Neuseeland."

Bruno Stotz ist seit eineinhalb Jahren selbstständig und freut sich auf die Herausforderungen, die sein Hof und die Landwirtschaft im Einklang mit der Natur mit sich bringen. Sein Ziel ist es, durch die Transparenz seiner Arbeit den Kürbis noch beliebter werden zu lassen.