Herr Bender, Sie sind leidenschaftlicher Segelflieger. Wann sind Sie zum ersten Mal geflogen?

Ich war etwa zehn Jahre alt und mit einem Bekannten meines Vaters bei einem kleinen Flugtag im Nachbardorf. Dort gab es eine Tombola, bei der man einen Freiflug gewinnen konnte. Ich habe zwei Lose von meinem Taschengeld gekauft, aber leider nicht gewonnen. Der Bekannte, mit dem ich unterwegs war, wusste, dass ich unbedingt fliegen wollte und hat mir einen Freiflug geschenkt. Da bin ich dann das erste Mal mit einem Segelflugzeug geflogen.

Welche Erinnerungen haben Sie an diesen ersten Flug?

Das war ganz toll. Es schien mir nur ein bisschen kurz. Es waren nur etwa sieben Minuten. Aber es war schon damals ziemlich beeindruckend für mich.

Wie verlief Ihre weitere Fluglaufbahn?

Als ich etwa 14 Jahre alt war, ist ein Segelflugzeug bei uns in der Nähe auf dem Acker gelandet. Da bin ich gleich hin, habe geschaut und geholfen. Als die Freunde des Fliegers kamen und ihn abgeholt haben, durfte ich mitfahren. Als wir auf dem Flugplatz waren, habe ich mich umgehört und wollte eigentlich direkt anfangen. Aber mein Vater hat gesagt, ich soll erst die Schule und Lehre fertigmachen. Mit 21 Jahren bin ich dann in einen Segelflugverein eingetreten und habe dort meine Flugausbildung gemacht.

Seit wann sind Sie Mitglied in der Segelfliegergruppe Markdorf?

Später bin ich beruflich an den Bodensee gekommen und bin dann vor ziemlich genau 50 Jahren – im April 1969 – in der Segelfliegergruppe Markdorf eingetreten. Momentan bin ich das älteste aktive Vereinsmitglied.

Wettkämpfe gehörten jahrelang zu ihrem Fliegeralltag. Wann sind Sie ihren letzten Wettbewerb geflogen?

Ich bin 2017 meinen letzten Wettbewerb geflogen. Damals war ich einer der wenigen Alten, die mitgeflogen sind. Insgesamt waren es etwa 50 Wettbewerbe, bei denen ich dabei war. Mal gab es einen ersten, mal einen zweiten Platz und sehr oft bin ich im Mittelfeld gelandet. Abgesehen von Wettkämpfen fliege ich aber immer noch viel Überland. Ich nutze die Möglichkeiten, dass ich den Flieger auch wochentags benutzen kann. So bin ich im vergangenen Jahr auf 17 Überlandflüge und mehr als 100 Flugstunden gekommen.

Was war rückblickend Ihr bisher schönstes Erlebnis in der Luft?

Wunderschön ist es immer, in etwa 2 000 Metern unter den Wolken, mit den Vögeln zu fliegen – egal ob das jetzt Störche, Bussarde oder Milane sind. Oft trifft man auch große Schwärme von Mauerseglern an. Als Segelflieger orientiert man sich häufig am Kreisen der Vögel. Da weiß man genau, wo man den Aufwind findet. Ansonsten ist es jedes Mal schön, wenn man über neue Fleckchen der Erde fliegt. Wenn ich etwas Schönes entdecke, merke ich mir den Ort und nehme mir vor, einmal mit dem Auto dorthin zu fahren.

Wie beschreiben Sie das Vereinsleben in der Segelfliegergruppe?

Ich habe das Gefühl, dass sich jeder im Verein sehr wohl fühlt. Es gibt keine festzementierte hierarchische Strukturen, wie es früher in solchen Vereinen war. Wir haben jeden Monat eine Versammlung, bei der alle Anliegen besprochen werden. Ansonsten organisieren wir während der Saison jeden Monat einen Grillabend. Da sitzen wir dann in geselliger Runde noch ein paar Stunden nach dem Flugbetrieb zusammen. Meistens wird noch ein Lagerfeuer gemacht. Diese Abende werden von den Mitgliedern sehr geschätzt. Außerdem geht der Verein jedes Jahr für neun Tage aufs Fluglager. Auch da hockt man abends oft gemütlich zusammen und spricht über die Erlebnisse in der Luft.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?

Nachwuchs haben wir eigentlich immer ganz ordentlich. Dieses Jahr sind vier Schüler in der Ausbildung. Wir sind aber auch jederzeit in der Lage, die doppelte Anzahl von Schülern bei uns auszubilden. Was Fluglehrer betrifft, sind wir gut aufgestellt: wir haben gerade fünf Lehrer im Verein und einen in Ausbildung. Der Verein steht da sehr dahinter, möglichst viele in der Fluglehrerausbildung zu unterstützen. Zum einen ist es ein gewisser finanzieller Aufwand, zum anderen ist die Ausbildung auch sehr zeitintensiv.

Angenommen, ich möchte Segelfliegen lernen. Wie komme ich zur ersten Flugstunde? Und wie alt muss ich sein?

Im Prinzip kann man mit 14 Jahren anfangen. Bevor es in die Luft geht sollte man eine fliegerärztliche Untersuchung machen lassen. Dafür gibt es spezielle Fliegerärzte, der nächste sitzt in Friedrichshafen am Flugplatz. Die Untersuchung ist nicht zwingend am Anfang des Flugunterrichts notwendig, aber spätestens zur Prüfung muss das Attest vorliegen. Diese Untersuchung muss in jungen Jahren alle fünf Jahre wiederholt werden, wenn man älter wird alle zwei Jahre und ab 60 Jahren meistens sogar jährlich – je nach Flugklasse.

Wie teuer sind Flugstunden?

Bei uns werden die Kosten pro Start gerechnet, nicht pro Stunde. Ein Start kostet für Jugendliche 3,75 Euro, für Erwachsene 7,50 Euro. In der Regel bekommt ein Flugschüler etwa drei Starts an einem Flugtag. Dazu kommt noch die einmalige Eintrittsgebühr in den Verein und die jährliche Mitgliedsgebühr. Wie lange ein Schüler braucht, bis er seinen Flugschein machen kann, hängt ganz davon ab, wie geschickt er sich anstellt – das ist ähnlich wie beim Autoführerschein.

Was macht der Verein den Winter über?

Unsere Saison geht immer etwa von März bis Oktober. Im Winter werden die kompletten Fluggeräte überholt. Kleine Schäden am Kunststoffflieger – zum Beispiel Kratzer im Rupfboden – werden beseitigt und teilweise neu lackiert. Die Flieger werden so durchgesehen, dass jeder Flieger im Frühjahr von einem unabhängigen Prüfer vom Landesverband abgenommen werden kann. Das ist vergleichbar wie der TÜV beim Auto, nur dass diese Kontrolle jedes Jahr stattfindet. Das dauert bei uns meistens zwei Tage, weil wir sehr viele Flieger haben.

Wie viele Flieger denn genau?

Wir haben neun Segelflugzeuge und einen neuen Ultraleichtflieger. Den haben wir erst im vergangenen Jahr bekommen. Er kam im August zu uns und hat jetzt schon mehr als 100 Stunden Flugzeit hinter sich.

Sie sind jetzt 76 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch fliegen?

So lange, wie es Spaß mir macht und ich fit bin. Dafür mache ich aber einiges: zum Beispiel täglich 45 Minuten Sport. Und meine geistige Fitness halte ich durch regelmäßiges Lesen auf Trab. Ansonsten gibt es noch das ärztliche Attest, dass mir verbieten kann zu fliegen. Sagen wir es mal so: Ich habe nicht vor, zeitnah mit dem Fliegen aufzuhören.