Er habe gesucht, sagt er. Christian Springer heißt der Mann auf der Bühne des Markdorfer Theaterstadels. Er trägt Jeans, hellblaues Hemd, ein graues Jackett und drunter eine karierte Weste. Mit einer Suchmaschine ging diese Suche. Eingegeben habe er die Kombination "CSU" und "Demut" – 70 000 Treffer habe das gegeben. Anschließend habe er erneut gesucht. Wieder mit CSU, aber dieses Mal mit "Macht" als zweitem Stichwort. Und das Ergebnis – genüssliche Kunstpause – elf Millionen Treffer.

Mit grantelnder Unschuld

Das Feld ist abgesteckt. In seinem neuen Programm blickt Christian Springer, Kabarettist aus München, in die Sphären der Politik und befasst sich dabei vor allem mit deren Machern. Nicht um sonst heißt der Abend denn auch: "Alle machen, keiner tut was."

Zeigt die Wundmale vom Kruzifix-Söder: Christian Springer in seinem neuen Kabarett-Programm.
Zeigt die Wundmale vom Kruzifix-Söder: Christian Springer in seinem neuen Kabarett-Programm. | Bild: Jörg Büsche

Jens Spahn zum Beispiel, ein veritabler Bundesminister, mithin angekommen, ganz oben, auf der höchsten Sprosse der Karriereleiter, "drüber geht nimmer, nur Kanzlerin, aber die ist ja eine Frau", erklärt Kabarettist Springer mit grantelnder Unschuld. Eben dieser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn behauptet, Hartz-IV-Empfänger seien nicht arm. Und er erntet prompt den empörten Widerspruch seitens etlicher Hartz-IV-Empfänger. Was also machen? Sich von der menschelnden Seite zeigen! Spahn beschließt, sich von einer streitbaren Hartz-IV-Empfängerin einladen zu lassen – nach Hause, in deren Hartz-IV-Empfängerinnen-Haushalt.

Fragwürdige Lösungsansätze

Allein bis hierhin ist die Angelegenheit ja schon reichlich grotesk, quasi kabarett-reif. Christian Springer macht sie noch bunter. Indem er sie mit einem jener orientalischen Märchen vergleicht, die er in seiner Kindheit so gerne gelesen habe. Die Geschichte: Der Kalif schlüpft – mit der Assistenz seines Wesirs – in die Rolle eines Bettlers, besucht den Basar, dann eine arme Familie und nimmt deren schöne Tochter mit nach Hause.

Springer springt zurück zu Spahn. Der – genauer dessen Entourage – ist vor das schier unlösbare Problem gestellt: Was mitbringen, wenn man zu Hartz-IV-lern kommt? Kuchen, aber wie viele Stücke? Fragen über Fragen. Es gibt fragwürdige Lösungsansätze, auch demütigende. Der politische Apparat ist restlos überfordert. Was, wenn er vor einem wirklichen Problem stünde? So lautet die Grundfrage in Springers begeisterndem Programm.