Mit dem „Walzerkönig“ Johann Strauss ist es so eine Sache. Seine Kompositionen genossen ungeahnte Popularität – und da sind auch heute noch keinerlei Abstriche zu machen. Aber wie soll man solche Stücke spielen? Volkstümlich – mit „angeknipsten“ Glanzlichtern gewissermaßen – oder doch lieber ein bisschen spröde, verhalten, auf Distanz?

Urtümliche Heurigen-Traulichkeit

Die 85 Musiker der Jungen Philharmonie Oberschwaben schlugen am Sonntagabend unter der Leitung von Alban Beikircher einen dritten Weg ein bei ihrem Konzert in der Markdorfer Stadthalle. Ein Kompromiss war es nicht. Denn weder Strauss‚ Kaiserwalzer noch seine „Geschichten aus dem Wienerwald“ tönten zu irgendeinem Zeitpunkt nach Abstrichen, nach Zurücknahme, nach Gebrochenheit. Insbesondere bei den Wienerwald-Geschichten klang urtümliche Heurigen-Traulichkeit an, jene volkstümliche Behaglichkeit, die man mit Straussens Wien verbinden.

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Musiker spielten mit gelösten Bremsen

Und doch war da auch etwas ganz Anderes im Spiel: eine Straffheit, Gespanntheit und Dynamik, die beiden Strauss-Stücken gut zu Gesicht stand. Beikircher ließ seine jungen Musiker mit gelösten Bremsen spielen, in der Gewissheit, dass satt-warmer Streicherklang und wohldisponierte Bläser alles abfedern – selbst die bisweilen von ihm eingestreute Emphase.

Musiker zwischen zwölf und 22 Jahren

Da wunderte die Souveränität eines so jungen Orchesters – die Musiker sind zwischen zwölf und 22 Jahren – schon lange nicht mehr. Den Auftakt, die Sinfonie in B-Dur von Ernest Chausson, hatte das Orchester trefflich gemeistert. Ganz sachte, eher zart entfaltete sich die Komposition, um zum Teil recht wuchtig, zu keinem Zeitpunkt aber überwältigend daherzukommen.

E-Gitarrist Emanuel Abanto spielt den Solopart in der Passeggiata für E-Gitarre und Orchester.
E-Gitarrist Emanuel Abanto spielt den Solopart in der Passeggiata für E-Gitarre und Orchester. | Bild: Jörg Büsche

Gleiches gilt für das zeitgenössische Stück von Alexander Krampe, der „Passeggiata“, aus dem Emanuel Abanto, der kurzfristig eingesprungene E-Gitarrist, tatsächlich einen Spaziergang machte. Wiederholen durfte er einzelne Passagen in einer der Zugaben als Dank für den begeisterten Beifall des Publikums.