Was wäre die Zeit „zwischen den Jahren“ ohne Theater? Es würde vielen sicher etwas fehlen. Die inzwischen rar gewordene Tradition pflegt der Bodensee Medley Chor unverdrossen. Ein harter Kern, der dank des Theaterverantwortlichen Andreas Lang immer wieder um neue Schauspieler ergänzt und bereichert und das Theaterspiel so am Leben gehalten wird, nimmt sich in der hektischen Vorweihnachtszeit Zeit für intensive Proben und trifft sich dazu zwei- bis dreimal pro Woche, um den Besuchern vergnügliche Stunden zu bereiten. 

Proben-Szene (von links): Monika Schneider, Angela Jüngel, Sacha Bochenek und Jeanette Schmidmeister in Aktion.
Proben-Szene (von links): Monika Schneider, Angela Jüngel, Sacha Bochenek und Jeanette Schmidmeister in Aktion. | Bild: Christiane Keutner

Verwechslungskomödie von Winnie Abel geschrieben

Natürlich handelt es sich wieder um ein amüsantes Lustspiel. „Das Beste bisher“, meinen einige Akteure und lachen sich selbst schon halb schief bei den Proben für die von Winnie Abel geschriebene Verwechslungskomödie „Ein Hof voller Narren“: Der schwule Jungbauer Jonathan Dippelmann (gespielt von Sacha Bochenek), steckt in der Patsche. Wenn er nicht schnellstmöglich eine Frau vor den Altar bekommt, geht sein elterlicher Hof an seine zynische Schwester (Jeanette Schmidmeister). Doch Jonathans schräger Partner Detlef (Andreas Lang) ist sicherlich nicht das, was die strenge Mutter Ruth (Monika Schneider) sich als Schwiegertochter vorstellt.

Scheinehe soll die Rettung bringen

Deshalb geht Jonathan kurzerhand eine Scheinehe mit der polnischen Pflegekraft (Angela Jüngel) seines schwerhörigen Opas (Andreas Krug) ein. Doch immer mehr unvorhergesehene Zwischenfälle bringen ihn in Schwulitäten. Sein Partner Detlef muss sich in Frauenkleider werfen und die polnische Schwiegermutter mimen, die frisch Vermählte wird mit dem Knecht (Martin Lunnebach) im Heu erwischt und dann steht auch noch plötzlich die echte Mutter aus Polen in der Tür. Wird Jonathan es dennoch schaffen, seine Scheinehe und den Hof zu retten?

Dreiakter mit reichlich Spaß-Potenzial

Der Dreiakter birgt viel Spaß-Potenzial, den auch die Schauspieler am Set haben. Die Rollen sitzen, nur hier und da muss Souffleuse Sandra Traub ein Wörtchen vorflüstern oder mit einem Fingerzeig den Einsatz weisen. „Das Stück ist total lustig, es ist verwirrend, es gibt extrem viele Dialoge und man muss sich schon sehr auf sein Gegenüber konzentrieren und textsicher sein, damit es passt“, urteilt Monika Schneider, die zum zweiten Mal dabei ist. Was so vermeintlich leicht von der Zunge geht und lebhaft mimisch und gestisch präsentiert wird, ist in Wahrheit hart erarbeitet.

Video: Christiane Keutner

Ab und zu verflusen sich die Akteure und bei allzu viel Gelächter und Geschnatter und Geknabber der mitgebrachten Schleckereien müssen die Regisseure mitunter ein klein wenig Disziplin anmahnen. Etwas schwierig ist es, einen Termin mit allen für eine weitere Probe am Wochenende zu finden, damit wirklich alles sitzt, wenn am 3. Januar der Vorhang für die Premiere geöffnet wird.

Zwei Neue auf der Bühne

Morris Jandt geht in der Rolle des Beamten des Ausländeramtes auf.
Morris Jandt geht in der Rolle des Beamten des Ausländeramtes auf. | Bild: Christiane Keutner

Morris Jandt und Alexia König sind neue Darsteller. „Du gehörst auf die Bühne“ hatten Andi Lang und sein nun verstorbener Schwiegervater Paul Siebenhaller dem Neuling Morris Jandt (41) gesagt, nachdem er 2018 einen Mini-Bühnenauftritt hatte. Seit 2017 war er für die Kulissen verantwortlich, nun steht er vor ihnen, freut sich, da die Truppe toll und lustig ist. Für die aufwändigen Proben stellt der 41-Jährige seine Hobbys Fußball und Motorradfahren hintan und fiebert jeden Tag ein bisschen aufgeregter den Auftritten entgegen.

Alexia König überzeugt als Mutter der polnischen Pflegekraft.
Alexia König überzeugt als Mutter der polnischen Pflegekraft. | Bild: Christiane Keutner

Der Job als Maskenbildnerin kam Alexia König entgegen, da sie selbst beruflich unter andere mit Kosmetik zu tun hat. Ihr leichtsinniger Spruch „Nächstes Jahr spiel ich auch mit“ verhallte nicht ungehört: Nun schlüpft sie zusätzlich in die Rolle der Mutter der Pflegekraft und steht erstmals in ihrem Leben auf der Bühne: „Das ist einfach mal etwas Neues, die Gruppe ist interessant, alle sind sehr unterschiedlich und trotzdem passen alle zusammen“, schwärmt sie und sieht den Zeitaufwand als Aufgabe zwischen Job und Familie.

Bodensee Medley Chor in Gastgeberrolle

Weitere Aufführungen sind am 4. und 5. Januar, jeweils um 19 Uhr. Musikalisch umrahmt werden die Abende vom Gastgeber, Bodensee Medley Chor, unter Dirigentin Galina Eberhard. Der Eintritt kostet 9 Euro. Vorverkauf im Gasthof Linde in Hepbach, Telefon 0 75 44/45 29, und in Lunnes Lädele in Markdorf, Telefon 0 75 44/5 06 82 40; für kurzfristig Entschlossene an der Abendkasse.

Die Verantwortlichen

Die Theaterleitung liegt in den Händen von Andreas Lang, Regie führen er und Sacha Bochenek, Souffleuse ist Sandra Traub, für die Maske sind Sylwia und Zanetá Galysa und Alexia König verantwortlich, für den Bühnenbau Morris Jandt, für die Bühnengestaltung Linda Butschan.

Die Darsteller

Sacha Bochenek, Jeanette Schmidmeister, Monika Schneider, Andreas Krug, Andreas Lang, Angela Jüngel, Alexia König, Martin Lunnebach, Morris Jandt.

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