„Wieso wollen wir Jugendlichen mitreden?“, fragte der 19-jährige Moritz Vorast bei seinem Vortrag in der Sitzung des Gemeinderates. „Weil das eine gewisse Solidarität der Jugendlichen gegenüber der Politik zeigt“, so Vorast, der ein Konzept zu einer offenen Beteiligungsform in Markdorf vorstellte: Das Jugendforum beziehungsweise die Jugendkonferenz. „Wir wollen mitreden und junge Ideen in den Gemeinderat bringen“, sagte Vorast.

Zuvor hatten Schüler und Schülerinnen des Bildungszentrums Ideen und Themen präsentiert, die ihnen bei der Beteiligungswerkstatt in der Stadthalle im November besonders wichtig erschienen waren und die sie in Arbeitsgruppen weiter ausgearbeitet hatten. Jakob Vahlensieck sprach als einen Wunsch der Jugendlichen „Sitzmöglichkeiten“ an. „So wie am Proma, nur außerhalb, damit es zu keinen Ruhestörungen kommt“, so der 15-Jährige. Des Weiteren steht die Instandsetzung und Verbesserung des Bolzplatzes ganz oben auf der Wunschliste. Simon Dötterl und Dennis Riegal möchten im Bildungszentrum eine Veranstaltung zum Thema „Flüchtlinge“ organisieren und suchen Ansprechpartner, die sich mit den Jugendlichen unterhalten und aufklären können. Die Schulleitung unterstützt das Vorhaben. Rayann Urban berichtete, wie ein Jugendtreff aussehen sollte und die Gruppe um Cherylene Thümler, Narges Kohistani, Deniz Franzen und Florian Stritzke kümmerten sich um das Thema „Mobilität“.

Die beiden Jungs kritisierten die schlechte Busverbindung zwischen Oberteuringen und Markdorf und die „voll gestopften“ Busse zur Schulzeit.

Susanne Sträßle (CDU) sagte, dass man sich auf die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen freue, Arnold Holstein (FW) wies darauf hin, dass man sich nicht nur auf schulische Veranstaltungen beschränken, sondern auch Auszubildende mit ins Boot holen sollte. Benno Sandkühler (Umweltgruppe) war begeistert, welch große Resonanz die Jugendbeteiligung erfahre. „Der Jugendtreff ist eine größere Aufgabe, über die wir ausführlicher reden müssen“, so Uwe Achilles (SPD).

Der Gemeinderat stimmte der offenen Beteiligungsform mit einer Jugendkonferenz zu. Berater Udo Wenzl betonte, dass man sich nicht auf eine Form festlegen muss. „Ihnen ist das Votum der jungen Leute wichtig. Da müssen Sie sich methodisch nicht fixieren.“ Vielmehr gelte es, das Modell immer wieder auf den Prüfstein zu stellen und gegebenenfalls Weiterentwicklungen vorzunehmen. Die neue Jugendbeauftragte Simone Carl wird nun den von Wenzl eingeschlagenen Weg fortführen. Als nächster Schritt ist geplant, mit Vertretern des Gemeinderates die vorhandenen Jugendräume zu besichtigen. Bürgermeister Georg Riedmann versprach, dass man sich auch den Bolzplatz anschauen und Verbesserungen vornehmen werde. „Das bekommen wir hin“, so Riedmann.
 

Jugendforum

Das Jugendforum bietet Jugendlichen die Möglichkeit zur Mitsprache, Mitgestaltung und Mitentscheidung. Es dient als Interessenvertretung der Jugendlichen in Markdorf gegenüber Politik und der Stadtverwaltung. Das Jugendforum besteht aus den Elementen Jugendkonferenz, Themen- und Arbeitsgruppen sowie Jugendsprecher.

Die Jugendkonferenz, die einmal im Jahr verbindlich stattfinden werden soll, ist der Ort, an dem die Jugendlichen zusammenkommen, sich austauschen und Arbeitsgruppen zu aktuellen Themen bilden. Außerdem werden die Jugendsprecher gewählt. Die Jugendkonferenz,zu der Bürgermeister und Gemeinderat einladen, findet mit mindestens einem Klassensprecher einer Jahrgangsstufe statt. Darüber hinaus werden alle 14- bis 20-Jährigen der Stadt eingeladen.