Nichts sei seltener, so hat einmal ein sehr gescheiter Kopf behauptet, als eine schöne Komödie. Gleiches gilt wohl fürs Kabarett. Auch da wird‘s überaus eng, wenn‘s wirklich gut sein soll. So gut etwa wie bei Jürgen Beckers neuem Programm „Volksbegehren“, mit dem der aus Rundfunk, Fernsehen und Verlagswelt wohlbekannte Kabarettist aus Köln nun im Markdorfer Theaterstadel aufgetreten ist. Wobei, das sei ausdrücklich angemerkt, solche Medien-Bekanntheit durchaus kaum als Qualitätskriterium taugt. Bei Becker dann wohl aber doch. Und um ein Bild aus „Volksbegehren“, wie sein jüngstes Programm ziemlich missverständlich heißt, aufzugreifen: Er ist „das eine glückliche Spermium“. Er ist der eine, die große Ausnahme unter ganz, ganz vielen. Der, dem‘s gelingt, nicht die Eizelle sondern die Hirne seines Publikums zu befruchten.

Spitze Bermerkungen zur Fortpflanzung

Ja, er steigt in die Biologie ein. Was bisweilen auch etwas biologielehrerhaft wirkt. Wenn Jürgen Becker zum Bespiel zeigt, an welcher Stelle der Erdgeschichte der Mensch auftaucht – und wie viele Abermillionen Jahre zuvor sich Lebewesen weiter und weiter fortgepflanzt haben, ohne auch nur einen winzigen Gedanken an Sex verschwenden zu müssen, weil sie sich eingeschlechtlich fortzupflanzen wussten. Als Kölner, als Katholik sehr wahrscheinlich, kann sich Becker in diesem Thema, dem der Parthenogenese, der Jungfrauengeburt, ein paar spitze Bemerkungen zu Maria und der Rolle von Josef natürlich nicht verkneifen. Wie überhaupt die Kirche ihr Fett abkriegt in Beckers Programm.

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Köln klingt immer durch, alleine schon sprachlich

Apropos Köln. Es klingt immerzu durch – schon rein sprachlich. Becker hört sich an wie jener gemütlich-joviale Spielfilm-Lehrer, der die Dampfmaschine erklären will. Nur dass Becker sehr, sehr viel bissiger ist. Besonders intensiv benagt er den Knochen AfD und außer politischem auch männlichen Chauvinismus, wie er den bei etlichen Staatsmännern ausmacht, die vor lauter Potenzgehabe kaum noch hinter ihre Schreibtische passen. So entlarvter Machttrieb treibt hier ausnahmsweise mal zum Lachen – das auch reichlich. Außerdem bekommt das Publikum ganz auf die Schnelle und wie nebenbei einen Einblick in die Rolle des Sexualtriebs in der Kunstgeschichte und in bundesdeutschen Ehebetten.