Wenn er vom vergangenen Sonntagmorgen erzählt, leuchten seine Augen noch immer. „So viele Kinder!“ freut sich Jozef Kozuchowski, „so viele Ministranten!“ Überhaupt habe es ihn gewundert, dass sich so zahlreiche Besucher beim Gottesdienst in der St.-Nikolaus-Kirche eingefunden haben, erklärt der polnische Pfarrer. Seit Anfang August vertritt er Ulrich Hund, den Leiter der Seelsorgeeinheit.

Noch bis zum 26. August leistet er alle priesterlichen Dienste in Markdorf. Dann muss der Seelsorger bereits wieder zurück, seine eigenen Pfarrkinder in Kmiecin, dem ehemaligen Fürstenau bei Danzig, betreuen.

Am Priesterseminar von Elbing unterrichtet er Philosophie

Es sind keineswegs seine rein priesterlichen Pflichten, die den 65-Jährigen zurück in seine polnische Heimat ziehen. Kozuchowski hat Lehraufträge zu erfüllen. Am Priesterseminar von Elbing unterrichtet er Philosophie – ebenso an der Universität. „Mein Thema sind die deutschen Philosophen“, erklärt der Priester und Hochschullehrer.

Es sind aber weder Kant noch Hegel, zu denen er liest. Josef Kozuchowski befasst sich mit den Vertretern der neuesten Philosophie. Da sind Namen wie Josef Pieper oder Robert Spaemann zu nennen, ebenso Karl Jaspers. Namen von Denkern, die sich mit Fragen der Ethik, der philosophischen Anthropologie, aber auch der Religions- und Kulturphilosophie befasst haben.

Was für viele zunächst abgehoben und theoretisch klingen mag, hat für Josef Kozuchowski, der sich mit einer Arbeit über Spaemann habilitiert hat, einen ziemlich direkten Bezug zur Lebenswelt, zum Alltag der Menschen. Das macht der Priester am Beispiel seiner Doktorarbeit deutlich. „Darin habe ich die Liebe untersucht“, so Kozuchowski. Mithilfe psychologischer Experimente hat er sich an dieses Grundgefühl, an dieses Kernmoment zwischenmenschlicher Beziehungen angenähert.

„Mein Ausgangspunkt war unter anderem zu fragen: Wie denkt die Jugend? Was wünscht sie sich? Auf der einen Seite und auf der anderen Seite, wie sollte es sein mit der Liebe?“ Gefühlswelt, Gefühlsvorstellungen vor der Perspektive der philosophischen Ethik betrachtet. Herausgekommen sind bei dieser vor inzwischen 30 Jahren verfassten Arbeit auch Orientierungshilfen für die praktische Jugendarbeit – in der Kirche gleichermaßen wie für Pädagogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Blickt Pfarrer Kozuchowski zurück auf jene Jahre, in denen sich der Eiserne Vorhang, das klare Gegeneinander der politisch-wirtschaftlichen Systeme zwischen West und Ost, aufgelöst hat, dann stellt er zur Jugend fest, „das es die Kirche vor der Wende leichter gehabt hat mit den jungen Menschen“. Auch in Polen seien die kirchlichen Angebote so ziemlich die einzigen Freiräume gewesen, die Jugendlichen offen standen, in denen sie unkontrolliert geblieben sind – jenseits ideologischer Zwänge.

„Heute gibt es viel mehr Angebote, sehr viel mehr sogar als früher“, erklärt Jozef Kozuchowski. Was die Jugendarbeit schon erheblich schwieriger mache. „Aber ich will mich gar nicht beklagen“, sagt der Priester. Nach wie vor engagieren sich auch in seiner Heimat die jungen Menschen – für die Gemeinde, im Gottesdienst, selbst in seiner eigenen, kleinen Vorstadt-Pfarrei.

Er bewarb sich um die Reise nach Deutschland

Eigentlich mache er ja nie richtigen Urlaub, erklärt der Priester aus Polen. Denn gerade in der Ferienzeit gelte es, sich um Kinder und Jugendliche zu kümmern. Um die Reise nach Deutschland habe er sich dennoch beworben. Biete ihm die Urlaubsvertretung in der Seelsorgeeinheit Markdorf doch auch die Möglichkeit, Abstecher nach Freiburg zu machen, ans Collegium Borromaeum dort oder an die Universität.

Nicht nur, dass die Philosophie ihren Bezug zur Alltagswirklichkeit behält, scheint Kozuchowski wichtig zu sein. Spricht er über das, was er sich für die Gläubigen wünscht, dann wird nämlich bald klar, dass er einen solchen engen Bezug auch für die Theologie wünscht. Kernpunkt für ihn sei die Eucharistie, das gemeinsame Feiern des Abendmahls. „Erkennen die Menschen, woran sie da teilnehmen, spüren sie die Anwesenheit von Jesus, dann löst sich manches andere Problem sehr viel leichter auf.“