Apps, Digitalisierung und Vernetzung sind Bestandteile des Alltags und werden in den nächsten Jahren an Bedeutung zunehmen. Die Menschen leben in einer digitalisierten Welt, man spricht vom digitalen Zeitalter. Gemeint ist damit der durch die Digitalisierung und Computer ausgelöste Umbruch, der seit Ende des 20. Jahrhunderts neben einem Wandel der Technik auch in fast alle Lebensbereiche hineinwirkt. E-Mail, Online-Shopping und die Vernetzung im Socialmedia-Bereich gehören auch für die Menschen in Markdorf längst zum Alltag und es ist klar, dass sich diese Trends in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen werden. Dabei gilt es zu differenzieren. In Deutschland und somit auch in Markdorf sind die Menschen besonders im Bereich Familie und Freunde vernetzt: Die Studie "Life 1" von der Deutschen Telekom und der Gartner-Report 2015 besagen, dass für rund 57¦Prozent der deutschen Internetnutzer Digitalisierung und Vernetzung unverzichtbar sind, um mit Familien und Freunden Kontakt zu halten. Sei es durch das Teilen von Fotos im Internet oder via E-Mail.

Monica Bravo-Granström ist gebürtige Schwedin, Mutter von zwei Kindern und lebt in Markdorf. Die studierte Sprachwissenschaftlerin arbeitet an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und sie ist Chefredakteurin der auf Schwedisch erscheinenden Online-Zeitschrift "Magasinet SMUL".

Eva Bravo-Granström ist eine klare Befürworterin der Digitalisierung. Die Vorteile Familie und berufliche Verwirklichung unter einen Hut zu bekommen überwiegen für sie klar.
Eva Bravo-Granström ist eine klare Befürworterin der Digitalisierung. Die Vorteile Familie und berufliche Verwirklichung unter einen Hut zu bekommen überwiegen für sie klar. | Bild: Jan Manuel Heß

Für sie ist die Digitalisierung eine Erleichterung: "Es ist für mich einfacher, Beruf und Familie zu vereinbaren, ich bin nicht ortsgebunden." Das Internet und seine Kommunikationsmöglichkeiten, wie etwa E-Mail oder Videokonferenzen, erlauben ihr, sich in einer Form beruflich zu verwirklichen, wie sie es ohne diese technischen Möglichkeiten wohl nicht hätte machen können. "Magasinet SMUL ist ein gutes Beispiel. Während ich hier in Markdorf sitze und Texte redigiere, werden die Grafiken von meiner Kollegin in Italien bearbeitet und unsere Herausgeberin sitzt in Kanada", erläutert sie. Gemeinsame Besprechungen finden per Videokonferenz statt: "Es geht einfach, ist schnell und zudem ist es günstig."

Die Digitalisierung nimmt in allen Lebensbereichen zu

Natürlich hat diese schöne neue Welt auch ihre Schattenseiten. Bravo-Granström ist sich der Gefahren bewusst: "Vieles geht zu schnell und man wird dadurch zu abhängig. Die totale Erreichbarkeit ist nicht gesund. Man muss lernen auszuschalten." Was heißt das für die Zukunft? Studien gehen davon aus, dass der Grad der Digitalisierung und Vernetzung in allen Lebensbereichen noch weiter zunehmen wird. Besonders im Bereich der Freizeitaktivitäten müsse man von einer noch stärkeren Prägung ausgehen. Die Freizeitgestaltung wird künftig wohl kaum ohne Digitalisierung und Vernetzung auskommen, Musik und Radio über das Internet zu hören, jederzeit auf Videos zuzugreifen oder Wartezeiten an der Bushaltestelle oder beim Arzt durch Apps und kleine Spiele auf dem Smart-Phone oder Tablet zu überbrücken. Was passiert dann mit der direkten zwischenmenschlichen Kommunikation? Werden Gespräche künftig ausschließlich über das Smart-Phone geführt? Bravo-Granström hat da eine klare Meinung: "Die Digitalisierung kann und darf den menschlichen Kontakt untereinander nicht ersetzen."

Die neuen Möglichkeiten müsse man als eine hilfreiche und sinnvolle Erweiterung verstehen und nicht als eine neue Form, die die alte ablöst. Digitale Technologien sollen dabei helfen, zu mehr Zeit, so genannter Qualitätszeit, innerhalb des Familienlebens zu führen. Wenn digitale Technologien derzeit in privaten Haushalten eingesetzt werden, dann um sich zu informieren oder mit Freunden auszutauschen, weniger um smarte Haushaltsangebote wie Rasenmähen, Energie-Management oder die Hausüberwachung zu nutzen. "Also, wir leisten uns zumindest einen Rasenroboter, das ist wirklich eine Erleichterung im Alltag", sagt Bravo-Granström. Mittels einer App kann man jederzeit den Status des Roboters abrufen. Doch auch dem Rasenroboter sind Grenzen gesetzt: "Wenn er umfällt oder sich festfährt, dann hilft da keine App. Da muss man selber Handanlegen", erzählt sie.

Das Smart-Home wird kommen. Noch steht diese Entwicklung erst am Anfang, doch das wird sich in den kommenden vier Jahren ändern. Schon heute gibt es digitale Techniklösungen, mit denen sich einzelne Bereiche im Haushalt steuern lassen. Intelligente Steckdosen messen den Stromverbrauch und über das Smartphone kann man sie ansteuern und so angeschlossene Geräte an- und ausschalten. Ebenso lassen sich die Thermostate von Heizungen bereits heute aus der Ferne regeln und programmieren. Die digitale Zukunft wird auch in und um den Gehrenberg Einzug halten. Inwieweit die Markdorfer sich von ihr bestimmen lassen oder sie zu ihrem Nutzen einsetzen, wird von ihnen selbst abhängen.

 

Wie das Zuhause der Zukunft funktioniert

  • Smart Home heißt Digitalisierung und Vernetzung im privaten Wohnraum. Dazu gehören folgende Aspekte: Zum Einen gehört die Automatisierung klassischer Gebäudefunktionen dazu, wie Licht, Verschattung und Heizung. Zum Anderen steht Smart Home für die Vernetzung von Geräten aus den Bereichen Multimedia, Haushalt und Komfort sowohl mit dem Smartphone als auch unter den elektrischen Geräten. Kaffeemaschine, Kühlschrank, Toaster, Zahnbürste, Deckenleuchte, Musikanlage, Fernseher und Auto können schon heute untereinander kommunizieren. Sie sind mit dem Internet verbunden und senden Signale, um dann eine Handlung auszuführen. Zum Beispiel sendet die Zahnbürste statistische Daten über Dauer, Intensität und Effektivität des morgendlichen Zähneputzens an das Smart-Phone. Das Internet der Dinge, so nennt man die eigenständige Kommunikation der Geräte, ist ein wesentlicher Baustein in der künftigen Digitalisierung des Alltags. Marktforscher prognostizieren ein rasantes Wachstum in diesem Bereich. Demnach sollen bis 2020 rund 20 Milliarden vernetzte Geräte weltweit in Nutzung sein. 2015 waren es gerade 4,9¦Milliarden Geräte.
  • App ist eine Computer- oder Mobile-Anwendungen-Software, die eine bestimmte Funktion für den Benutzer erfüllt. Es ist die Kurzform von Application und heißt übersetzt Anwendung. Im Englischen steht der Begriff für Application Software und umfasst alle Arten von Anwendungssoftware. Hierzulande sind Apps als Software bekannt, die meist auf mobilen Endgeräten, wie Smart-Phone und Tablet, zum Einsatz kommt. Bekannt wurde der Begriff durch das I-phone. In den App-Stores von Apple und Google (für das Android-Betriebssystem) werden eine Vielzahl von Apps zur Verfügung gestellt. Neben dem hohen Unterhaltungscharakter im Spiele- und Musikbereich werden Apps in Zukunft bei der Steuerung verschiedenster Dinge im Alltag eine immer größere Rolle spielen. Über sie werden die vernetzten Haushaltsgeräte und Heizungen gesteuert. Noch kommuniziert im gewöhnlichen Haushalt jedes Gerät meist für sich, doch die Entwicklung geht dahin, dass vom Wecker über die Kaffeemaschine bis hin zum Kühlschrank die Geräte alle miteinander vernetzt sein werden und miteinander kommunizieren.