2600 Familien haben sich in den vergangenen 25 Jahren an die interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle in Markdorf gewandt. Leiterin Sylvia Unseld schätzt, dass rund 1850 Kinder regelmäßige Förderungen erhalten haben, entweder über einen Zeitraum von einigen Monaten oder von mehreren Jahren.

Ein 14-köpfiges Team aus Spezialisten, unter anderem aus den Bereichen Heilpädagogik, Psychologie, Ergotherapie und Logopädie, kümmert sich um die Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen. Jana Krummel, seit 14 Jahren dabei, erklärt: "Uns ist es wichtig, das Kind in seiner Individualität zu sehen". Im Kollegenkreis tausche man sich aus und steht sich mit Rat und Tat zur Seite, so die Logopädin.

Auch Psychologe Hubert Gärtner lobt die Zusammenarbeit. Seit 21 Jahren fördert er gezielt Kinder und stellt wichtige Weichen, die Folgen früher Entwicklungsprobleme abzuwenden oder zu mildern. Träger der Frühförderstelle ist die Liebenau Teilhabe, vormals St. Gallus-Hilfe."Hier wird unser Weg unterstützt und dafür sind wir sehr dankbar", sagt Sylvia Unseld.

Durch gezielte Förderungen mit Logopädie und Heilpädagogik hat Jonas große Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Heilpädagogin Hildegard Stumm hilft ihm dabei.
Durch gezielte Förderungen mit Logopädie und Heilpädagogik hat Jonas große Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Heilpädagogin Hildegard Stumm hilft ihm dabei. | Bild: Ruppert, Vera

2010 Umzug in den Waldseer Hof

Seit 2010 ist die Frühförderstelle im Waldseer Hof in der Spitalstraße untergebracht. Unseld, Krummel und Gärtner waren bei der Ausgestaltung der Räumlichkeiten dabei – nur wenige Jahre später sind sie an den Kapazitätsgrenzen angekommen. Im Schnitt kommen jährlich 235 Kinder zur regelmäßigen Therapie. Sie lernen, ihre Fähigkeiten besser und differenzierter zu entwickeln und so ihre Handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten zu vergrößern.

"Aktuell versorgen wir 173 Kinder mit ein bis zwei Terminen in der Woche und ihre Eltern mit Beratung in den Räumen in Markdorf, der Außenstelle in Meckenbeuren oder durch mobile Angebote als Hausbesuch oder in Kindertagesstätten", sagt Sylvia Unseld im Gespräch.

Gerade hinsichtlich der Mobilität habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. "Viele Eltern sind berufstätig und können vormittags oder mittags keine Termine bei uns wahrnehmen", erklärt Unseld, die seit der Eröffnung 1993 – nach zweijähriger Vorbereitungsphase – die Frühförderstelle leitet. Damals arbeiteten sie in der Ravensburger Straße zu dritt, aber bereits im Folgejahr kam es zum personellen Ausbau, da sich hoher Bedarf zeigte. 1996 erfolgte der Umzug in die Stettiner Straße aufgrund Mehrbedarf an Therapieräumen.

1997 dann die Erweiterung der Disziplinen durch Logopädie und 2001 die Einrichtung der Außenstelle. "Das wir die einzige Frühförderstelle im Bodenseekreis ist, wollte man der Nachfrage entsprechen", so Unseld. Aber auch in Markdorf wurde der Raum knapp, 2010 erfolgte dann nach zweijähriger Umbau- und Sanierungsphase des denkmalgeschützten Gebäudes der Umzug, 2015 kam die Ergotherapie hinzu.

Physiotherapeutin Kerstin Bixenmann trainiert mit Max spielerisch Sprache, Motorik, Sozialverhalten, Wahrnehmung und Kognition.
Physiotherapeutin Kerstin Bixenmann trainiert mit Max spielerisch Sprache, Motorik, Sozialverhalten, Wahrnehmung und Kognition. | Bild: Ruppert, Vera

Bedarf an Arbeit bleibt hoch

"Hier fühlen wir uns sehr wohl", spricht Hubert Gärtner für das gesamte Team. Nach all den Jahren könne er immer noch sagen, dass er einen schönen Beruf habe. Jana Krummel wünscht sich, dass sie weiterhin auf jedes Kind neugierig bleibe und stets ein offenes Ohr habe.

Dass der Bedarf an ihrer Arbeit hoch bleibe, habe verschiedene Gründe. "Ich denke, dass einfach eine höhere Aufmerksamkeit vorhanden ist", so Gärtner, der auch eine größere Unsicherheit bei Eltern in Erziehungsfragen feststelle. Sylvia Unseld hat beobachtet, dass die Frühförderstelle mehr kleinere Kinder aufnimmt – manche kommen direkt von der Kinderklinik. Das liegt zum einen an der guten Vernetzung und zum anderen daran, dass das Team sehr gute Arbeit leistet und in der Region einen ausgezeichneten Ruf hat.

Ein Familienfest für geladene Familien findet am Samstag, 16. Juni, statt. Die Gäste erwartet ein buntes Programm mit Puppentheater, einem Jongleur und vielen Aktionen. Im November gibt es einen offiziellen Festakt.