Die Abiturienten des Jahrgangs 2019 schreiben am 30. April ihre erste Klausur, im Fach Deutsch – wenige Tage später, am 3., 8. und 10. Mai, folgen die Klausuren in Mathematik, Englisch und Französisch. Erstmals werden die Prüfungsaufgaben für diese vier Fächer den baden-württembergischen Gymnasien nicht in gedruckter Form vorgelegt. Sie kommen als Datei, die auf einem USB-Stick gespeichert ist.

Diana Amann: "Zusätzlicher Organisationsaufwand"

„Für uns bedeutet das zusätzlichen Organisationsaufwand“, erklärt Diana Amann, die Direktorin des Gymnasiums am Markdorfer Bildungszentrum (BZM). Denn der Datenspeicher mit den Aufgaben für die 67 BZM-Abiturienten treffe in der letzten Woche der Osterferien ein. „Irgendjemand muss ihn dann entgegennehmen und im Tresor verschließen“, erklärt die Schulleiterin. Und dann müssen die Aufgaben auf dem Stick am Morgen der Prüfung für die Abiturienten ausgedruckt werden.

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Schulleiterin begrüßt zusätzliche Sicherheit

Diana Amman begrüßt ausdrücklich die zusätzliche Sicherheit, die das neue Verfahren für die Abiturklausuren verspricht. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Pannen gekommen, weil in Schulen eingebrochen wurde, dort die Panzerschränke geöffnet – und teils die eingeschlossenen Klausuren für die Abiprüfung mitgenommen wurden. Das wirkte sich teils verheerend aus, weil in den vergangenen beiden Jahren Aufgaben oder Teilaufgaben aus dem bundesweiten Aufgabenpool der Kultusministerkonferenz betroffen waren.

Ministerium: Testlauf zeigte, dass Zeit reicht

Auch um das „Sicherheitsrisiko zu minimieren“, wie es in einer Pressemitteilung aus dem Stuttgarter Bildungsministerium heißt, wurde das neue Aufgaben-Verteilverfahren eingeführt. Ein erster Testlauf habe gezeigt, dass die Zeit ausreiche, um am Morgen des Abiturs die Aufgaben auf dem Stick auszudrucken, die durch ein Kennwort gesichert sind, und für die wartenden Schüler zu kopieren.

Roger Brand: "Könnte eng werden"

„Eng könnte es im Fach Mathematik werden“, fürchtet Roger Brand, stellvertretender Schulleiter am BZM-Gymnasium. Zwar habe sich Oberstufen-Koordinator Ingo Bohlken schon zwei Kopiergeräte reserviert für die heiße Phase nach dem Eintreffen der Kennwörter.

Mathelehrer rechnen Aufgaben normalerweise nach

Kritisch könne es in Mathematik trotzdem werden. Denn es sei es üblich, dass die Mathelehrer die Abitur-Aufgaben auswählen und auch durchrechnen, bevor sie sie an die Schüler weiterreichen.

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„Und da sind wiederholt Fehler aufgetreten“, erklärt Amann. Nicht aufseiten der Mathelehrer, sondern seitens der Aufgabensteller in der Kultusbehörde. Das habe regelmäßig zu hektischem E-Mail- und Fax-Hin-und-Her geführt. Daher könnte es nach Eintreffen des Kennworts um 6 Uhr am Prüfungstag bis zum Verteilen der Aufgaben tatsächlich eng werden.

Allen Einwänden von Lehrerverbänden und Gewerkschaften gegen die neue Übermittlungsmethode zum Trotz hegt Kultusministerin Susanne Eisenmann keinerlei Zweifel, „dass unsere Gymnasien es schaffen, Aufgaben zu drucken und zu kopieren.“