Eine moderne Kommunalwahl entscheidet sich auch im Internet. Das zumindest lassen die Aussagen von Philipp Waelischmiller, Geschäftsführer von Bodensee IT, vermuten. Der Experte sagt: "Ein guter Internetauftritt ist heutzutage sehr wichtig. Manche Personengruppen werden gar nicht anders auf politische Themen aufmerksam." Spielte sich ein Wahlkampf früher also lediglich auf der Straße und in Druckmedien ab, können heute auch via Internet Wählerstimmen geholt werden.

Entscheidend ist laut Waelischmiller das berühmte Sprichwort "Weniger ist mehr". Die Parteien sollten darauf achten, Informationen in kleinen Häppchen zu servieren, so der Freiberufler. "Weil das Smartphone mittlerweile die häufigste Informationsquelle ist und regelmäßig benutzt wird, muss die Ansicht unbedingt mobil optimiert sein", sagt Waelischmiller.

Vor allem eine junge Zielgruppe kann per Internet erreicht werden

Auch wenn er persönlich nicht sonderlich viel von Facebook und Co. hält, empfiehlt Philipp Waelischmiller zusätzlich die Nutzung von Social-Media-Kanälen. "Ich bin nur beruflich auf Facebook unterwegs. Nichtsdestotrotz macht es absolut Sinn, auf den Plattformen vertreten zu sein. Hier können überwiegend junge Menschen erreicht werden", erläutert er. Durch crossmediales Auftreten im Internet ist die Wahrscheinlichkeit ihm zufolge hoch, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.

Nachfolgend nimmt der SÜDKURIER die Internetauftritte und Social-Media-Kanäle der fünf Parteien, die bei der Kommunalwahl am Sonntag, 26. Mai, auf dem Wahlzettel stehen, unter die Lupe. Wer hat die beste Internet-Präsenz, wie nutzerfreundlich sind die Webseiten und wie gut sind sie technisch aufgebaut?

Freie Wähler: Ein solider Internet-Auftritt

Startseite: Wähler, die die Seite am Computer aufrufen, haben alles auf einen Blick, sodass insgesamt gar nicht oder nur wenig gescrollt werden muss. Alles in allem ist die Webseite derzeit aber noch recht nackt.

  • Wahlprogramm: Viele Informationen bietet die Webseite bislang nicht. Von einem konkret aufgeführten Wahlprogramm ist noch nichts zu lesen. Wer allerdings in der Haushaltsrede stöbert, die auf der Webseite zu finden ist, stößt auf fünf Themen, die den Freien Wählern wichtig sind: Gewerbe; Wohnen; Bildung, Erziehung, Soziales; Stadtentwicklung/-erneuerung und Verkehr.
  • Kandidatenvorstellung: Die gewählten Vertreter des Gemeinde-, Ortschafts- und Kreistags sind auf der Webseite aufgelistet. Name, Adresse und die jeweiligen Funktionen sind für den Wähler ersichtlich. Fotos von den Politikern und eine direkte Kontaktmöglichkeit, etwa per Mail, fehlen allerdings.
  • Technischer Aufbau: Die Internetseite der Freien Wähler ist einfach aufgebaut und dennoch klar strukturiert. Wegen des übersichtlichen Aufbaus kann sich der Wähler orientieren.
  • Facebook: Seit dem 8. Mai 2014 sind die Freien Wähler auf Facebook aktiv. Es werden Zeitungsartikel, Fotos und Partei-Informationen geteilt. 76 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite (Stand: Donnerstag, 18. April). Auf der Webseite weisen die Freien Wähler nicht auf ihren Facebook-Auftritt hin.
  • Adresse: markdorf.freiewaehler.de/ortsverein
  • SÜDKURIER-Bewertung: einfach aufgebaut, übersichtlich, aber noch kein absoluter Mehrwert. Schulnote: 3

CDU: Webseite mit klarer Struktur

  • Startseite: Auf der Webseite der CDU ist das Stadtwappen direkt neben dem Parteilogo platziert. Die Webseite hat inhaltlich mehr zu bieten als beispielsweise der Internet-Auftritt der Freien Wähler. Unter dem Reiter "Aktuelles" finden sich, übersichtlich aufgelistet, die Termine sowie zahlreiche Presseartikel.
  • Wahlprogramm: In Sachen Wahlprogramm ist aktuell nichts zu finden.
  • Kandidatenvorstellung: Die gewählten Vertreter aus Markdorf, Riedheim und Ittendorf sowie die Vertreter auf höher politischer Ebene sind dargestellt. Neben Name und einem Foto findet der Wähler Informationen wie Funktionen, Beruf, Alter, Familienstand und sonstige Tätigkeiten. Auch bei der CDU fehlt jedoch die direkte Kontaktmöglichkeit zu einzelnen Politikern. Die Vorsitzende und Webmasterin Susanne Schwaderer ist mit Adresse und Telefonnummer aufgeführt.
  • Technischer Aufbau: Die CDU verzichtet bei ihrer Webseite ebenfalls auf Schnörkel und eine besondere Gestaltung. Die Partei punktet dagegen mit klarer Struktur und einem übersichtlichen Aufbau.
  • Facebook: Seit dem 14. Januar 2014 sind die Christdemokraten auf Facebook vertreten. Geteilt werden Zeitungsartikel, Partei-Infos und Termine. 303 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite. Auf der Webseite weist die CDU auf den Facebook-Auftritt hin.
  • Adresse: www.cdu-markdorf.de
  • SÜDKURIER-Bewertung: klar strukturierte und übersichtliche Webseite, aber noch keine Wahlthemen zu finden. Schulnote: 2-3

SPD: Wahlkampfthemen gut dargelegt

  • Startseite: Die Webseite ist nicht ganz so strukturiert wie andere. Dass auf einzelne Reiter verzichtet wird, schadet der Übersichtlichkeit aber nicht. Inhaltlich hat die SPD viel im Angebot – beispielsweise auch Geschichtliches.
  • Wahlprogramm: Unter "Unser Plan" informiert die SPD über Themen, die der Partei wichtig sind, darunter Tempo 30; bezahlbarer Wohnraum; Innenstadt-Entwicklung; Jugendliche; Blaue Zone; Bischofsschloss; Umweltschutz; Digitalisierung; Kita-Gebühren; unechte Teilortswahl; Flüchtlinge und Integration; Radverkehr; Gewerbe und Bürgerbeteiligung.
  • Kandidatenvorstellung: Bei den Sozialdemokraten werden die gewählten Vertreter mit Name, Foto, Funktionen und teilweise mit Familienstatus vorgestellt. Alle Politiker sind persönlich per Mail kontaktierbar. Zu finden sind die Markdorfer Gemeinderäte sowie der Vorstand und die Beisitzer.
  • Technischer Aufbau: Die Webseite ist einfach aufgebaut. Große Schrift sorgt für eine gute Lesbarkeit. Andere Webseiten aber sind etwas besser strukturiert.
  • Facebook: Die Partei ist seit 22. März 2011 auf Facebook. Geteilt werden überwiegend Fotos mit politischen Inhalten beziehungsweise Themen. 226 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite. Auf der Webseite weist die SPD auf den Facebook-Auftritt hin.
  • Adresse: spd-markdorf.de
  • SÜDKURIER-Bewertung: Während die Wahlkampfthemen sehr gut aufgeführt sind, ist die mobile Ansicht nicht ideal. Schulnote: 2+

FDP: Schlichte Webseite mit Themen gefüllt

  • Startseite: Die FDP hat sich für eine schlichte Webseite mit weißem Hintergrund entschieden. Sie ist klar strukturiert und übersichtlich aufgebaut.
  • Wahlprogramm: Die wichtigsten Themen für die Kommunalwahl findet der Wähler unter dem Reiter "Gemeinderatswahlen 2019". Dort sind als Kernthemen der FDP Lebensqualität, Zukunft Markdorf und Bürgerbeteiligung aufgelistet. Zu allen gibt es ausführliche Infos zum Nachlesen. Unter dem Reiter "Themen" ist zudem der sogenannte Handlungsrahmen 2019 aufgeführt. Dort positioniert sich der Ortsverein Markdorf zu Themen wie Wirtschaft, Digitalisierung, Bildung und Stadt.
  • Kandidatenvorstellung: Unter demselben Reiter stößt der Besucher beziehungsweise Wähler auf die Kandidaten für die Wahlen im Mai. Angegeben sind Name, Beruf, Alter und Familienstatus, dazu jeweils ein Foto des Politikers. Jeder ist außerdem per Mail kontaktierbar.
  • Technischer Aufbau: Auch der Internet-Auftritt der Freien Demokraten ist einfach gehalten. Die Webseite ist gut strukturiert und übersichtlich, sodass man sich schnell zurechtfindet.
  • Facebook: Seit dem 23. Mai 2014 ist die FDP auf Facebook zu finden. Überwiegend Zeitungsartikel werden dort geteilt. 426 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite. Auf der Webseite wird auf Social-Media hingewiesen.
  • Adresse: www.fdp-markdorf.de
  • SÜDKURIER-Bewertung: Die Wahlkampfthemen sind sehr gut aufgeführt und auch die Webseite ist strukturiert aufgebaut. Schulnote: 1-

Umweltgruppe: Die auffälligste Startseite

  • Startseite: Die Umweltgruppe hat die kreativste Startseite der fünf Parteien. Trotzdem bleiben Struktur und Übersichtlichkeit nicht auf der Strecke.
  • Wahlprogramm: Unter dem Reiter "Themen" ist schnell erkennbar, was der Umweltgruppe wichtig ist: Klimaschutz und Energie; Bürgerbeteiligung; Stadtentwicklung; soziales Leben; Kultur und Bildung; Natur und Umwelt; Bauen, Wohnen, Wirtschaft; Mobilität und Verkehr; Ittendorf; Riedheim.
  • Kandidatenvorstellung: Die Kandidaten, die in Markdorf, Ittendorf und Riedheim zur Wahl stehen, werden mit Name, Beruf und Alter vorgestellt. Jeder fasst zudem kurz zusammen, für welche Themen er oder sie sich stark machen möchte. Bei einigen Kandidaten allerdings fehlt ein Foto und es besteht nicht die Möglichkeit, die Politiker persönlich zu kontaktieren.
  • Technischer Aufbau: Die Webseite der Umweltgruppe ist sehr modern, aber dennoch strukturiert und übersichtlich aufgebaut. Es wird viel mit Bildern gearbeitet.
  • Facebook: Seit dem 24. Juli 2013 ist die Umweltgruppe auf Facebook. Geteilt werden zumeist Zeitungsartikel und Bilder. 230 "Gefällt mir"-Angaben hat die Seite. Auf der Webseite wird auf Social Media hingewiesen.
  • Adresse: www.umweltgruppe-markdorf.com
  • SÜDKURIER-Bewertung: Die Umweltgruppe hat eine moderne Webseite mit der richtigen Dosis an Kreativität. Sie ist nutzerfreundlich und die Themen sind übersichtlich dargelegt. Schulnote: 2