Wie kann man die Innenstadt schöner machen? So lautet die zentrale Frage. "Und darüber wollen wir mit den Bürgern ins Gespräch kommen, das ist unser Grundgedanke", sagt Armin Hansmann über das Vorhaben des BUND Markdorf und der Initiative "Autofreie Innenstadt Markdorf", sich am Dixiefest-Sonntag, 6. Mai, mit einem Infostand in der Innenstadt zu präsentieren. Hansmann, der im Januar seine Ideen einer autofreien Innenstadt im SÜDKURIER ausführte (siehe Infokasten), stellt sich einen Ideenwettbewerb vor, maßgeblich mitgetragen von der Bürgerschaft, die ihre Vorschläge und Anregungen am Dixiefest-Infostand einbringen soll. "Wir rechnen natürlich auch mit Kritik", sagt Hansmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Um nicht gleich das Extrem, nämlich eine gänzlich autofreie Innenstadt, bemühen zu wollen, haben der 73-jährige Ingenieur im Ruhestand und seine BUND-Kollegen mittlerweile das Thema weiter gefasst: Autofrei würde das Endziel sein. Zunächst gehe es aber um verschiedene Stufen zu einer Steigerung der Attraktivität und Fußgängerfreundlichkeit. Das Nahziel sei eine schönere Innenstadt, weitestgehend barrierefrei, umweltfreundlich und verkehrsarm.

Ziel einer Bürger-Arbeitsgruppe

Am Infostand soll es bunte Kärtchen geben zu Unterthemen wie Wohnen, Einzelhandel, Verkehr oder Freiräume/Plätze, die mit eigenen Vorschlägen ausgefüllt und abgegeben werden können. Die Bürgeranregungen sollen dann in den weiteren Entwicklungsprozess miteinfließen, sagt Hansmann. Im Blick haben die Akteure der Aktion vor allem die Hauptstraße, die sich in den vergangenen Jahren zur Haupt-Einkaufsstraße gewandelt hat. Durch eine stufenweise Umgestaltung der Hauptstraße in eine Fußgängerzone könne die Aufenthaltsqualität verbessert und dadurch auch die Kaufkraft gestärkt werden, argumentieren sie. Um eine solche stufenweise Umgestaltung auf möglichst breitem Fundament angehen zu können, wünschen sich die Initiatoren eine starke Resonanz. Entwickle sich das Engagement aus der Bürgerschaft entsprechend, könne man an die Gründung einer Bürger-Arbeitsgruppe "Markdorfer Innenstadt gestalten" denken. Die könnte dann Eindrücke aus anderen Städten einholen, mit Verwaltung und Gemeinderat zusammenarbeiten und Maßnahmen für ein Entwicklungskonzept miterarbeiten.

Stadtentwicklungskonzept gefordert

Doch neben den Bürgern sehen BUND und Initiative vor allem auch die Stadtverwaltung als impulsgebende und steuernde Instanz der Innenstadt-Attraktivierung in der Pflicht. Hansmann verweist auf ein so genanntes ISEK-Konzept der nordrhein-westfälischen Stadt Spenge, die mit 14 800 Einwohnern von vergleichbarer Größe ist wie Markdorf und mit dem Konzept ihre Innenstadt erfolgreich umgestaltet hat. ISEK bedeutet Integriertes Stadtentwicklungskonzept, und um Beispiele zu finden, müsste man eigentlich nicht bis nach Spenge gehen, sondern nur einen Blick in die Nachbarschaft werfen. Überlingen hat ein solches ISEK-Konzept bereits auf den Weg gebracht, Friedrichshafen und Lindau sind mittendrin. Dafür, argumentiert Hansmann, gebe es Fördergelder von bis zu 70 Prozent vom Bund. Selbst wenn man für ein solches Konzept einen hohen fünfstelligen Betrag ansetzen würde, blieben die Kosten für die ersten Schritte für die Stadt in einem überschaubaren Rahmen. Zudem könne man das derzeit in Arbeit befindliche Mobilitätskonzept der Stadt mit einem innerstädtischen Entwicklungskonzept verknüpfen und eine Einheit aus den Themen Zukunft des Verkehrs und Attraktivierung machen, meint Hansmann.

Derzeit ist die Hauptstraße noch ein El Dorado für den Kfz-Verkehr: Eine Fußgängerzone gibt es nicht, der Gehweg ist schmal, am Straßenrand reihen sich die Parkplätze.
Derzeit ist die Hauptstraße noch ein El Dorado für den Kfz-Verkehr: Eine Fußgängerzone gibt es nicht, der Gehweg ist schmal, am Straßenrand reihen sich die Parkplätze. | Bild: Helga Stützenberger

Knappe Kapazitäten der Stadt

Das Problem: Die Verantwortlichkeiten für ein ISEK-Konzept sind in der Regel im Stadtbau- oder Stadtplanungsamt einer Verwaltung gebündelt. In Markdorf arbeitet aber das Bauamt (in dem auch die Stadtplanung angesiedelt ist) derzeit und auf Jahre hinaus an seiner Kapazitätsgrenze, da es parallel die Großprojekte Rathausumzug, Neuplanung Rathausareal und Umbau der Grundschulen zu schultern hat. Viel Luft für einen ISEK-Prozess gibt es da in der aktuellen Personalstärke nicht. Eine deutliche Aufstockung des Personals wiederum dürfte angesichts der hohen zweistelligen Millionenbeträge, die in den kommenden Jahren zweckgebunden in der Finanzplanung schon vergeben sind, kaum auf die Gegenliebe des Gemeinderates treffen. In der Stadtverwaltung selbst steht man all diesen Ideen zumindest nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber: Als Hansmann im Januar mit seinen Vorschlägen an die Öffentlichkeit ging, gab sich Bürgermeister Georg Riedmann zwar skeptisch gegenüber der Vision einer gänzlich autofreien Innenstadt. Doch einen "shared space", den von Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern gleichberechtigt nutzbaren Verkehrsraum, könne er sich im Innenstadtbereich durchaus vorstellen, sagte er damals gegenüber dem SÜDKURIER.

 

Was sagen Sie dazu?

  • Initiative und Infostand: Der BUND und die Initiative "Autofreie Innenstadt Markdorf" um Armin Hansmann möchten ihre Ideen einer fußgängerfreundlichen und verkehrsarmen Umgestaltung der Innenstadt an einem Infostand auf dem Diexiefest am Sonntag, 6. Mai, präsentieren. Weil die Organisatoren aber gerne schon im Vorfeld Anregungen aus der Bürgerschaft einholen möchten, sind sie auf den SÜDKURIER zugekommen mit der Bitte um eine Leserumfrage. Das machen wir natürlich gerne, denn auch wir interessieren uns dafür, wie die Markdorfer Bürger eigentlich zu solchen Plänen stehen. Die Rückmeldungen unserer Leser leiten wir an die Organisatoren des Infostandes weiter. Vielleicht wird eine Auswahl auch bereits schon an dem Infostand präsentiert.
  • Unsere Leserbefragung: Wie stehen Sie zu den Ideen um eine autofreie Innenstadt? Welche Vorschläge haben Sie, damit die Innenstadt attraktiver werden und die Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Bummler besser werden kann? Welche Gestaltungsmöglichkeiten für die Innenstadt sehen Sie? Schreiben Sie uns! Wir sammeln und veröffentlichen Ihre Anregungen. Senden Sie Ihre Vorschläge bitte per E-Mail an unsere Redaktionsadresse: markdorf.redaktion@suedkurier.de