Stark bei den weicheren Faktoren, schwach bei den harten: Das ist das Ergebnis der IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit der Unternehmen für Markdorf, die in den Räumen der J. Wagner GmbH vorgestellt wurde. Alle fünf Jahre seit 2007 führt die IHK Bodensee-Oberschwaben nunmehr ihre Studie durch, informierte Vizepräsident Michael Grossmann. Mit 21 Prozent für den IHK-Bezirk sei der Rücklauf erfreulich gewesen, so Grossmann.

In Markdorf hatten 18 Prozent der Betriebe teilgenommen. Image der Region, Stromsicherheit, Allgemeine Sicherheit, Freizeitmöglichkeiten und medizinische Versorgung: Das sind die Faktoren, mit denen die Unternehmen hier vor Ort am zufriedensten sind. Ein Blick auf die Schlusslichter zeigt die Markdorfer Probleme auf: Erreichbarkeit Schiene und Straße, Wohnraum, Kosten von Gewerbeimmobilien und ÖPNV sind in dieser Reihenfolge die Faktoren, die aus Sicht der Betriebe am meisten Unzufriedenheit verursachen.

Stadt sind meist die Hände gebunden

Doch Markdorf hat noch andere außer diesen bekannten Schwächen, an denen aber die Stadt selbst kaum etwas ändern kann, da ihr die Hände gebunden sind respektive sie nicht zuständig ist. Eine davon zeigt die nebenstehende Grafik: Prozentual gesehen sind die Markdorfer Betriebe im regionalen Vergleich eher im unteren Schnitt beim Aspekt Expansionen vor Ort. Weit überproportional hingegen nehmen sie, wenn sie expandieren, Ansiedlungen in anderen Regionen Deutschlands oder im Ausland vor. Weber Automotive und ZIM Flugsitz, die Werke in Brandenburg eröffnet hatten, sind zwei prominente Beispiele. Doch Hoffnung auf weitere Gewerbeflächen nach Riedwiesen IV und Bahnhof gebe es keine, wiederholte Bürgermeister Georg Riedmann auch am IHK-Abend. Markdorf werden schlicht keine neuen Flächen im Außenbereich mehr zugestanden.

15.100 Einwohner im Jahr 2035

Vor dieser Abwanderungsgefahr warnte IHK-Geschäftsführer Peter Jany, ebenso wie vor dem korrespondierenden Mangel an Wohnraum. Um 13,9 Prozent auf 13.800 Einwohner ist Markdorf seit 2000 gewachsen. In der Gesamtregion Bodensee-Oberschwaben beläuft sich der Bevölkerungszuwachs indes nur auf 4,3 Prozent. Dieses Wachstum werde anhalten, so Jany. Prognosen gehen von 15.100 Einwohnern im Jahr 2035 aus. Ergo: Markdorf müsse neue Baugebiete ausweisen, das Füllen von Baulücken alleine werde nicht ausreichen, sagte Jany. Dennoch: 78 Prozent der Markdorfer Unternehmer würden anderen Unternehmen die Stadt als Wirtschaftsstandort empfehlen, sagt die Studie. 70 Prozent ist der Wert für den Landkreis – dieses Lob wiederum darf sich die Stadt ans Revers heften.

Florierende Wirtschaft: Hohe Gewerbesteuereinnahmen, starke Zunahme der vor Ort Beschäftigten

Ebenfalls interessante Zahlen: Der Anteil der Gewerbesteuereinnahmen an den Gesamtsteuereinnahmen beläuft sich auf sehr hohe 51 Prozent. Damit gehört Markdorf zu den drei von 41 Kommunen im Regierungsbezirk, die bei diesem Wert bei mehr als 50 Prozent liegen. Das, so warnte Jany, berge die Gefahr, dass sich die Stadt auf Sicht in ihrer Finanzplanung zu sehr von der Gewerbesteuer abhängig machen könnte. Mit dieser Zahl korrespondiert wiederum der außerordentlich hohe Zuwachs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Um 1789 Beschäftigte, entsprechend 44,6 Prozent, hat deren Zahl seit dem Jahr 2000 zugenommen. In der Region Bodensee-Oberschwaben waren es im selben Zeitraum 24,5 Prozent, landesweit nur 17,1 Prozent. Das zeigt: In Markdorf ist die Wirtschaft (und sind die Unternehmen) seit 2000 besonders stark gewachsen. Dazu passt außerdem: Für eine Kleinstadt hat Markdorf einen bemerkenswert ausgeglichenen Pendlersaldo: 4451 Auspendlern (die meisten arbeiten in Friedrichshafen und Immenstaad) stehen 4339 Einpendlern gegenüber. Das ist ungewöhnlich für eine Stadt von knapp 14.000 Einwohnern, die in ihrer direkten Nachbarschaft größere Städte und vor allem große Konzerne hat.

Tops und Flops des Standortes Markdorf

Insgesamt sind die IHK-Mitgliedsunternehmen mit dem Standort Bodensee-Oberschwaben zufrieden, die Gesamtnote ist 2,1. Nicht verwunderlich: Bei "Erreichbarkeit überregional über Straße" steht Markdorf auf Rang 39 der 41 untersuchten Kommunen im Regierungsbezirk (auch die IHK Reutlingen und Ulm hatten die Studie durchgeführt). Mit Langenau. Leutkirch und Laupheim stehen autobahnnahe Gemeinden an der Spitze. Ebenfalls am Ende: Friedrichshafen, Ravensburg, Pfullendorf. Bei der Erreichbarkeit Schiene findet sich Markdorf auf Rang 38, beim ÖPNV auf Platz 32 von 41. Im Mittelfeld liegt Markdorf beim Thema Breitband/Internet (18). Am Ende hingegen wieder bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen (33). Noch hinter Markdorf: Ravensburg (36) und Überlingen (41) als Letzter. Top hingegen schneidet Markdorf (noch) bei der Verfügbarkeit von Fachkräften ab, Rang 5, direkt hinter Ravensburg und noch vor Friedrichshafen (6). Hier punktet also vor allem die attraktive Bodenseeregion. Ebenfalls als sehr gut bewerten die Unternehmen die Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung (9).

Hier besteht Handlungsbedarf

Interessant bei dieser Frage: Handlungsbedarf ist nicht gleichzusetzen mit Unzufriedenheit. Deshalb ergibt sich auch ein leicht anderes Bild als bei den "Unzufriedenheitsfaktoren". Handlungsbedarf, so Jany, besteht vor allem dann, wenn Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Beim Thema Breitband liegt Markdorf eigentlich nicht schlecht (Rang 18), aber der Anspruch der hiesigen Betriebe ist sehr hoch: Schnelles Internet ist ihnen der wichtigste Wunschfaktor für die Zukunft. Also besteht starker Handlungsbedarf. Qualifizierte Fachkräfte sind den Unternehmen der zweitwichtigste Zukunftsfaktor, heißt: Ebenfalls hoher Handlungsbedarf. Die anderen drei stärksten Handlungsbedarfe decken sich mit den Unzufriedenheitsfaktoren: Erreichbarkeit über Straße, Wohnraum, Kosten von Gewerbeimmobilien. Letztere werden, anders als noch vor fünf Jahren, von den Markdorfer Betrieben inzwischen als zu teuer bewertet (Zufriedenheit im Vergleich: minus 5 Prozent). Ein Imageproblem hat Markdorf hingegen nicht: Rang 2 von 41 ist ein absoluter Spitzenplatz.

Das sagt der Bürgermeister

Die IHK-Umfrage habe eine "außerordentlich hohe Bedeutung" für die Arbeit der Verwaltung, sagte Riedmann. Die Studie zeige auf, "wo wir unsere Aufgaben finden werden". Andere Kommunen würden nicht schlafen und hätten Markdorf in manchen Themen auch überholt. "Es ist aber nicht unser Anspruch, uns nur im oberen Mittelfeld zu bewegen." Bedauerlich sei, dass die Stadt bei den schlecht bewerteten Themen Verkehr und Wohnraum keine "nahe Lösung" anbieten könne. Kurzfristige Verbesserungen werde es ab 2019 beim ÖPNV mit zwei zusätzlichen Buslinien FN – Oberteuringen – Markdorf geben, mittelfristig mit einem Ausbau der Regiobuslinie Ravensburg – Konstanz. An diesem Thema sei die Verwaltung dran. Beim B-31-Weiterbau sei man "auf einem guten Weg", dennoch werde es die neue Straße "im Idealfall" erst in 15 Jahren geben. Auf der Bodensee-Gürtelbahn sehe er einen 30-Minuten-Takt als machbar an, auch schon vor der Elektrifizierung durch den Einsatz von Hybridtriebwägen. Doch auch hier müsse man mit einem Realisierungszeitraum von 10 bis 15 Jahren rechnen.

IHK-Personalien

Im Umfeld der IHK-Präsentation gibt es auch Personalien der hiesigen Industrie- und Handelskammer zu vermelden.

  • Michael Grossmann: Seit 20 Jahren gehört der Häfler, Inhaber des Fachmarktes Grossmann in Raderach, der IHK-Vollversammlung an, seit zehn Jahren ist er im Ehrenamt IHK-Vizepräsident. Nun zieht er sich aus seinen Ehrenämtern zurück.
  • Alexander Weber: Der Markdorfer, geschäftsführender Gesellschafter der Betz und Weber Baupartner GmbH, kandidiert am 9. Mai bei der Wahl zur neuen IHK-Vollversammlung. "Ein starker Wirtschaftsstandort benötigt genügend Wohnraum für seine Fachkräfte", sagt er. Darauf wolle er sein Augenmerk legen. 45 Plätze sind in der Vollversammlung 2018 – 2023 neu zu vergeben, die IHK wirbt derzeit.

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