Die Marktschreier sind bei der Berufsinformationsmesse Marktplatz Beruf ausgeblieben, obwohl die Betriebe gern die Plattform im Bildungszentrum Markdorf nutzten, um Auszubildende anzuwerben. Mit 55 Teilnehmern verzeichneten die Veranstalter – Werkrealschule, Realschule und Rotary-Club Markdorf – einen Rekord, wie Rotarier Martin Homburger sagte: „65 Berufsbilder werden hier repräsentiert.“ Er führte den Andrang auf die aktuelle Lage zurück: Vor Jahren habe es noch ganz anders ausgesehen, da sei die Situation eher umgekehrt gewesen.

Eltern begleiteten die Jugendlichen teilweise

Martin Homburger freute sich über die „super Resonanz“ und die Möglichkeit, so viele Betriebe auf kleinem Raum kennenzulernen. Und über die Eltern, die ihre Kinder unterstützten – wenn es auch einigen Schülern etwas peinlich war, in Begleitung zu kommen. Freie Ausbildungsstellen liefen digital über eine Leinwand, 2020 werden sie wieder in Papierform ausgedruckt und ans Schwarze Brett geheftet.

Portal im Internet zeigt freie Ausbildungsstellen an

Auch im Ausbildungsportal www.ausbildungsscout-bodensee.de kann man sich über freie Ausbildungsstellen oder Duale Studienplätze informieren. Stefan Falge verteilte Flyer über das von Schülern mitentwickelte Portal, über das man sich online bewerben kann und das auch Videos zu Berufsbildern beinhaltet.

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Zu den Interessenten gehörte der 15-jährige Daniel Wegmann aus Markdorf: „Ich finde den Aktionstag interessant, weil man viel über die Berufe erfährt, wenn man seine berufliche Richtung noch nicht weiß.“ Diese Meinung teilte auch Julian Pfleghaar, 14 Jahre, aus Ittendorf-Reute. Er nutzte die Messe auch um zu schauen, wo er 2020 sein Praktikum machen möchte.

Hilfreich für alle, die noch ein eingeschränktes Blickfeld haben

Der 24-jährige Winzerazubi Aaron Böhm aus Konstanz lernt beim Staatsweingut Meersburg. Er fand die Berufsmesse sehr hilfreich für alle diejenigen, die nicht wüssten, welche Richtung sie einschlagen sollen und die ein eingeschränktes Blickfeld haben. „Hier bekommen sie viele Einblicke.“

Jonas Haag aus Obersiggingen (links) und Domenico Naccarato aus Salem fanden als Azubis leicht Zugang zu den interessierten Schülern.
Jonas Haag aus Obersiggingen (links) und Domenico Naccarato aus Salem fanden als Azubis leicht Zugang zu den interessierten Schülern. | Bild: Christiane Keutner

Firmen bringen Azubis als Ansprechpartner mit

Nah am Schüler waren die Azubis der Firma HSM in Salem. „Wenn man als fast Gleichaltriger da ist, traut man sich als Schüler vielleicht eher, herzukommen und Fragen zu stellen“, glaubte Industriemechniker-Azubi Jonas Haag, 18, der im dritten Lehrjahr ist. Domenico Naccarato pflichtete ihm bei. Er selbst hatte sich bei der Messe Berufe am See in Überlingen für den Beruf des Elektronikers interessiert und daraufhin eine Bewerbung abgeschickt.

Wohin als nächstes? Christina Bleier aus Bermatingen begleitete ihre Tochter Johanna Bleier, 14, da sie selbst neugierig auf die Berufsmesse war.
Wohin als nächstes? Christina Bleier aus Bermatingen begleitete ihre Tochter Johanna Bleier, 14, da sie selbst neugierig auf die Berufsmesse war. | Bild: Christiane Keutner

Mutter neugierig, was sich in Sachen Schule und Ausbildung verändert hat

Etliche Eltern begleiteten ihre Kinder, wie Christina Bleier aus Bermatingen: „Ich war selbst neugierig, weil sich vieles in Sachen Schule und Ausbildung verändert hat.“ Toll fand sie, dass sich so viele Firmen interessierten und dass die Schüler entsprechend viele Möglichkeiten der Information hatten. „Vielleicht lernen einige Berufe kennen, von denen sie gar nicht wussten.“ Ihre Tochter Johanna tendiere zur Bürokauffrau. Informiert habe sie sich bei der BKK, der Firma Knoblauch in Markdorf und beim Landratsamt. „Die Dame vom Landratsamt hat das besonders toll gemacht“, waren beide begeistert.

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Neue gemeinsame Pflegeausbildung

Dorothee Marckmann-Bauer.
Dorothee Marckmann-Bauer. | Bild: Christiane Keutner

Dorothee Marckmann-Bauer, Fachbereichsleiterin bei der Justus-von-Liebig-Schule Überlingen-Markdorf, war es wichtig, Berufe und Vollzeitschulen zu präsentieren. Erzieher- und Pflegeausbildungen seien gleichermaßen gefragt, seit eine neue generalistische, gemeinsame Pflegeausbildung ab 2020 mit EU-Anerkennung beschlossen wurde. „Das eröffnet vielfältige Arbeitsmöglichkeiten und ist wegen Aufstiegschancen zunehmend für Männer interessant.“ Marckmann-Bauer freute sich bei der Messe über zwei Interessenten.

Gute Noten für Bewerbungsgespräch

Matthias Kindsvater.
Matthias Kindsvater. | Bild: Christiane Keutner

Matthias Kindsvater aus Markdorf empfand es als eine besondere Herausforderung bei der Berufemesse: ein Bewerbungsgespräch vor 30 Leuten. Der 15-jährige Schüler war kurzfristig für eine erkrankte Mitschülerin eingesprungen: „Ich habe versucht, meine Nervosität zu unterdrücken, und fand mich danach erlöst und war zufrieden.“ Von Diana Steinhoff, Ausbildungsleiterin bei der Firma Wagner, bekam er gute Noten. Den Aktionstag fand Matthias Kindsvater besonders, weil sich viele Firmen vorgestellt hatten.

Im Hotelfach hinaus in die Welt

Maritta Burchard.
Maritta Burchard. | Bild: Christiane Keutner

Maritta Burchard ist Hausdame im Seehotel Friedrichshafen. Seit Bestehen des Seehotel, seit 25 Jahren, werde dort ausgebildet. Aber es werde zunehmend schwieriger, der Markt sei heiß umkämpft. Umso lieber nehme man die Gelegenheit der Messe wahr. Ein Beruf im Hotelfach sei sehr schön, doch man müsse ihn mögen, weil er Opfer im Bereich Arbeitszeit fordere. Dafür könne man in der ganzen Welt arbeiten, man habe Kontakt zu Menschen, der Beruf sei krisensicher und biete Karrierechancen.

Vater informiert Schüler und informiert sich selbst für seinen Sohn

Markus Brunnbauer.
Markus Brunnbauer. | Bild: Christiane Keutner

Markus Brunnbauer vertrat die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben und nutzte selbst die Möglichkeit, sich bei der Polizei nach ihren Ausbildungen zu erkundigen, da sein Sohn sich für diese Laufbahn interessiert. Er habe soeben einen Tag mit Bewerbungsgespräch und Tests auf den Gebieten Mathe, Logik und Verhalten absolviert. „Solche Aktionstage heißen wir von der IHK für gut. Ich finde es toll, was den Leuten hier geboten wird und wie viele Betriebe sich hier präsentieren.“