Markdorf – Denkt Hermann Zitzlsperger ans Markdorfer Stadtjubiläum, an die zahlreichen Veranstaltungen, die an die Ersterwähnung der Siedlung am Gehrenberg vor 1200 Jahren erinnern, dann denkt er stets auch an Bermatingen. Weniger, weil der Regionalhistoriker im Nachbarort wohnt, sondern weil er um die vielen Berührungspunkte in der Geschichte der beiden Gemeinden weiß. Bermatingens Pfarrkirche St. Georg, 779 erstmals erwähnt, war Mutterkirche eines Pfarrbezirks, der weit größer war, als sich heute vermuten lässt. Der Bermatinger Pfarrsprengel erstreckte sich über Fitzenweiler, über Markdorf, Kluftern bis hin nach Hagnau und Fischbach.

"Mich interessiert als Historiker natürlich vor allem, was das damals für die Menschen hier bedeutet hat", erklärt Hermann Zitzlsperger. Wie sich diese kirchen-institutionelle Tatsache auf den Alltag der Menschen rund um St. Georg ausgewirkt hat: "Bis 1220 haben die Markdorfer – und natürlich auch die Klufterner und Hagnauer – ihre Toten nach Pfaffenhofen gebracht", weiß Zitzlsperger. Pfaffenhofen, so hieß der Bereich unmittelbar neben der St.-Georg-Kirche. Da habe Markdorf längst eine eigene Kirche besessen. Die Ursprünge von St. Nikolaus reichen zurück in die karolingische Zeit. Der Chor kam im 11. Jahrhundert hinzu, der Turm um 1200. Mithin gab es in der Gehrenbergstadt einen stattlichen Sakralbau. Zitzlsperger erläutert, warum verstorbene Markdorfer weiterhin nach Bermatingen gebracht werden mussten. Weil die Geistlichen in Pfaffenhofen nicht auf ihre mit den Beerdigungen verbundenen Einnahmen verzichten wollten. Für jeden Verstorbenen erhielten sie das beste Stück Vieh, für jede tote Frau deren bestes Kleid. Hinzu kommt: In Markdorf zelebrierten "nur" Kapläne. "Kapläne aber durften die Totenmesse nicht feiern", so Zitzelsperger. Ebenso wie sie die Sakramente nicht spenden konnten.

Feiern und kirchliche Zeremonien auf der einen Seite, Alltag und Arbeit auf der anderen Seite – das ist das, was Hermann Zitzlsperger interessiert, wenn er sich mit der Geschichte befasst. Die großen Ereignisse, die Teilnahme eines Markdorfer Stadtherren an einem Kreuzzug, sind dagegen eher nur Episoden. Episoden, die freilich Schlaglichter werfen auf das Leben in den vergangenen Zeiten.

Ob Hermann Zitzlsperger zu seinen historischen Rundgängen einlädt – in Markdorf, in Bermatingen –, ob er einen historischen oder einen kunsthistorischen Vortrag hält oder wie nun einen Aufsatz für das neue Markdorf-Jubiläums-Buch verfasst, eigentlich geht es ihm immer um das eine: um die "Arbeit an unserem Geschichtsbild". Und Zitzlsperger war als pensionierter Lehrer lang genug Schulmann. Deshalb weiß er sein Publikum an ganz unterschiedlichen Stellen abzuholen. Die Kinder spricht er beim Stadtjubiläum mit einem neuen Theaterstück an, "03.06.817" heißt es. Regisseurin Marianne Walter wird es demnächst zum Stadtfest aufführen. Für die Erwachsenen hat er seine "Stadtgeschichten", den von der Theatergruppe "kreuz & quer" inszenierten historischen Bilderbogen, um zusätzliche Szenen erweitert.

Stadtjubiläum und der Festakt am Samstag

  • Zitzlsperger und das Jubiläum: Für den Band "Markdorf 817 bis heute – Einblicke in eine lebendige Stadt" hat Hermann Zitzlsperger den Beitrag "Die Geschichte der Stadt Markdorf entlang ihrer baulichen Entwicklung" geschrieben. Seine "Szenen aus der Stadtgeschichte als Stadtrundgang" wird die Theatergruppe "kreuz & quer" am Sonntag, 11. Juni, um 16 Uhr aufführen, am 9. Juli, am 13. August sowie am 16. und 18. September. Das Theaterstück "03.06.817" inszeniert Marianne Walter am 16./17. und 18. Juni in der Stadthalle.
  • Der Anlass: Der Festakt am Samstag, 3. Juni, um 19.30 Uhr in der Stadthalle ist die erste eigene große Veranstaltung der Stadt zum Jubiläumsjahr "1200 Jahre Markdorf". Gefeiert wird die erste urkundliche Erwähnung der Stadt in einem Dokument, das Kaiser Ludwig der Fromme am 4. Juni 817 in seiner Pfalz in Aachen ausstellen ließ. Diese Urkunde belegt den Namen Maracdorf.
  • Der Festakt: Die Stadt lädt die Bürger zum großen Festakt am Samstag, 3. Juni, in die Stadthalle ein. Bürgermeister Georg Riedmann wird die Ansprache halten, für den Festvortrag wurde Steffen Patzold, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Tübingen, gewonnen. Patzolds Vortrag hat den Titel "Die urkundliche Ersterwähnung Markdorfs im Jahr 817". Die Stadtkapelle, der Musikverein Riedheim und der Musikverein Ittendorf werden die Gäste unterhalten, ein Ensemble der Musikschule Markdorf wird einen Musikbeitrag bieten. Im Anschluss sind die Besucher zu einem Empfang eingeladen. Der Eintritt ist frei. (gup/büj)

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