Er ist kein Mann der lauten Worte, auch wenn er als leidenschaftlicher Sänger eine tiefe und eindringliche Stimme hat. Es sind seine ruhige Art und seine Gelassenheit, die ihn stets ausgezeichnet haben. Nun verabschiedet sich Günter Mattick nach 23 Jahren als Hausmeister an der Jakob-Gretser-Grundschule in den Ruhestand, den er mit seiner Lebenspartnerin in Ungarn verbringen will.

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Noch aber bleibt er im Konjunktiv. Und in Markdorf. Gerne würde sich Mattick verabschieden – wenn die Zeiten andere wären. Denn bis auf weiteres darf er nicht nach Ungarn einreisen. Die Grenzen sind wegen des Coronavirus geschlossen. „Ich kann es nicht ändern“, ist sein Grundsatz. Zwar könne er eine Sondergenehmigung anfordern, aber einen kompletten Umzug über die österreichische und ungarische Grenze abzuwickeln, sei derzeit fast unmöglich.

Traum vom eigenen Hof mit einer kleinen Landwirtschaft

Doch Günter Mattick wartet ab und erzählt von seinem Hof und seinem Garten in Ungarn, von seiner Zukunft im neuen Land. „Platz haben wir auf unserem kleinen Hof genug.“ Eine kleine Landwirtschaft, um sich selbst zu versorgen, könne sich Mattick gemeinsam mit seiner ungarischen Partnerin durchaus vorstellen. Er werde Paprika anpflanzen und Hühner im Hof picken hören, erzählt Mattick.

„Ich kann es ja nicht ändern“, sagt Günter Mattick und hofft geduldig darauf, dass er im Ruhestand seine Hausmeisterwohnung bald gegen sein Haus in Ungarn tauschen kann.
„Ich kann es ja nicht ändern“, sagt Günter Mattick und hofft geduldig darauf, dass er im Ruhestand seine Hausmeisterwohnung bald gegen sein Haus in Ungarn tauschen kann. | Bild: Helga Stützenberger

Das klingt zunächst fachfremd, dann der ehemalige Hausmeister ist gelernter Computerfachmann. Das Wissen, was er an die Jakob-Gretser-Grundschule mitbrachte, lobt Schulleiter Andreas Geiger: „Neu für die Grundschule war damals tatsächlich, dass jemand ein immenses Knowhow mitbringt, was Computertechnik anbelangt.“ Denn diese Aufgabe gehöre normalerweise nicht in den Zuständigkeitsbereich eines Schulhausmeisters.

Mattick wohnt seit 1997 in der Hausmeisterwohnung der Schule

Es war 1997, als Günter Mattick seinen Dienst als Hausmeister an der Grundschule antrat. „Damals war es von Bürgermeister Gerber noch gewünscht, dass ich in die Hausmeisterwohnung einziehe“, blickt er zurück. Obwohl der Weg vom Römerweg, wo er davor wohnte, bis zur Schule nicht weit gewesen wäre. Heute sei eine ins Schulgebäude integrierte Hausmeisterwohnung nicht mehr zeitgemäß und vom Verband kommunaler Arbeitgeber abgelehnt.

Betritt man die Wohnung von Mattick, blickt man in einen dunklen Flur. „Ich habe die Wohnung immer nur meine Wohnhöhle genannt“, sagt der Hausmeister und lacht. Eng und dunkel sind die Räume. „Der Schulanbau lässt nur wenig Licht herein.“

Die ersten Kartons sind gepackt, der Umzug muss aber bis auf weiteres warten.
Die ersten Kartons sind gepackt, der Umzug muss aber bis auf weiteres warten. | Bild: Helga Stützenberger

Aber Mattick betont, dass er sich all die Jahre wohlgefühlt habe. Er sei zufrieden gewesen mit der kleinen Terrasse, auf der er nach Schulschluss oder in den Ferien die Ruhe genießen konnte. „Das war auch ein schöner Platz für manches Grillfest“, erinnert sich Mattick an viele Sommer, die er zusammen mit Freunden vor der warmen Hauswand gegenüber dem Spielplatz verbrachte.

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Fehlen wird ihm seine Wohnung an der Markdorfer Grundschule freilich nicht, räumt er ein. Was er in seiner neuen Heimat in Ungarn vermissen wird, weiß er noch nicht. „Irgendetwas wird es bestimmt sein. Aber das stelle ich erst fest, wenn es dann fehlt“, sagt Mattick und lacht mit tiefer Stimme, in typischer Mattick-Manier. Er gehe eher mit einem lachenden als mit einem weinenden Auge.

Bevor es losgeht, mistet der Hausmeister die Wohnung aus

Bis er ausreisen darf, mistet er aus. „Jetzt fange ich erst einmal an zu entrümpeln und fahre Manches zum Sperrmüll“, sagt Günter Mattick und krempelt pragmatisch die Ärmel hoch. Aber langsam, denn sein Rücken sei mittlerweile ziemlich kaputt. „Vom vielen Möbel schleppen“, erklärt er.

Und wenn – oder falls – nach den Ferien die Jakob-Gretser-Grundschule ihren Betrieb wieder aufnimmt und mit ihr sein Nachfolger seinen Dienst, will Mattick es ruhig angehen lassen. Er ist sich sicher, dass ihm nicht langweilig wird. „Es gibt schließlich immer etwas zu tun.“

„Bis dahin heißt es abwarten“

Bürgermeister Georg Riedmann habe ihm versichert, dass er in der Wohnung bleiben könne, bis er nach Ungarn ausreisen darf. „Bis dahin heißt es abwarten.“ Er zuckt mit den Schultern, denn in der Ruhe liegt die Kraft eines Günter Mattick. Das war an der Schule schon so und auch im Ruhestand bleibt es sein Lebensmotto.

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