Hallo Namika. Anfang Juli treten Sie beim Open Air in Markdorf auf. Kennen Sie die Stadt, die Region oder sogar die Veranstaltung bereits?

Nein, tatsächlich ist das alles Neuland für mich.

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Was verbindet Sie mit der Bodenseeregion – schon Erlebnisse dort gehabt?

Nein, leider noch nicht. Der Besuch im Juli wird meine Premiere sein. Über den Bodensee habe ich schon sehr viel gehört. Ich freue mich deshalb darauf, endlich mal vorbeizukommen und die Region, die traumhaft sein soll, mit eigenen Augen zu sehen.

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Wie viel Zeit bleibt neben Auftritten und sonstigen Terminen überhaupt, um zu entspannen – zum Beispiel am See?

Das ist eine sehr gute Frage. Urlaub kriegt man schon irgendwie hin, wenn auch nicht so oft und so lange. Der Bodensee ist aber ein guter Tipp, das werde ich demnächst mal anpeilen. Danke dafür!

Namika heißt eigentlich Hanan Hamdi. Geboren und aufgewachsen ist sie in Frankfurt am Main.
Namika heißt eigentlich Hanan Hamdi. Geboren und aufgewachsen ist sie in Frankfurt am Main. | Bild: David Daub, dpa

Im Song „Phantom“ singen Sie über genau diesen Alltag als Musikerin mit vollem Terminkalender: „Welche Stadt ist es heute? Ich vermiss‘ mein Zuhause“. Ist das ständige Herumreisen manchmal lästig, sehnen Sie sich ab und an nach Ruhe?

Tatsächlich ist das Reisen das Lästige daran. Ansonsten aber macht mir alles unglaublich viel Spaß. Mein Leben ist sehr umfangreich und zeitintensiv. Damit kann ich mich als Künstlerin absolut anfreunden. Anstrengend ist aber eher dieses ganz lang am Stück Unterwegssein und das nicht nach Hause kommen beziehungsweise unterkommen. Es ist ein enormer Unterschied, auf Tournee zu sein oder abends einen Auftritt zu haben.

Mit dem Song „Lieblingsmensch“ schafften Sie 2015 den Durchbruch, viele kennen Sie daher. Empfinden Sie dieses Lied und auch „Je ne parle pas français“ mittlerweile eher als Fluch oder Segen?

Ich spiele die beiden Songs nach wie vor gerne. Es ist absolut kein Fluch, sondern eher Segen. Wenn man mit irgendetwas den Durchbruch schafft, ist es doch besser, als keinen Durchbruch hinzukriegen (lacht). Ich bin sehr dankbar dafür.

Wer ist Ihr Lieblingsmensch?

Ich habe sehr viele, es sind verschiedene Arten von Lieblingsmenschen. Jeder davon hat seine besonderen Eigenschaften. In meinem Leben gibt es in ganz vielen Situationen Lieblingsmenschen.

Wie würden Sie Ihre Musik in drei Worten selbst beschreiben?

Ehrlicher, urbaner Pop.

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Was ist Ihr Antrieb, Ihre Motivation, als Musikerin zu arbeiten?

Ich möchte jeden Tag aufs Neue mein Ziel erreichen, Musik zu machen. Deshalb brauche ich keinen Grund, weil die Musik ein Grund für sich ist, warum ich das überhaupt mache.

Auf der Bühne fühlt sie sich wohl! Namika im Jahr 2016 bei einem ihrer Auftritte.
Auf der Bühne fühlt sie sich wohl! Namika im Jahr 2016 bei einem ihrer Auftritte. | Bild: Oliver Hanser

Also ist es Ihr Ziel beziehungsweise Wunsch, mit Musik Menschen zu erreichen und Emotionen hervorzurufen?

Richtig. Zum Zweiten möchte ich absolut frei sein, was die Kunst angeht, und mich durch keine Kommerzialisierung so unter Druck setzen lassen, um irgendeiner Leistung gerecht zu werden. Ich setze mich in der Regel immer von Album zu Album neu an die Sache und drücke einmal auf „Reset“, auch was die Erwartungshaltung angeht. Damit bin ich bisher ganz gut gefahren. Ich gehe jedes neue Album so an, als wäre es das Erste.

In Songs wie „Ahmed 1960-2002“ geben Sie auch Persönliches von sich preis, zum Beispiel über Marokko, wo Teile Ihrer Familie herkommen. Welchen Bezug haben Sie zu dem Land?

Der Bezug ist natürlich durch die Familie da. Ich habe noch viele Verwandte, die in Marokko, vor allem Nador, geblieben sind. Wenn ich mal dort bin, sehe ich sie immer ganz gerne wieder. Von daher spielt Marokko eine genau so große Rolle wie das Land, in dem ich geboren bin. Deutschland ist meine Heimat, ganz klar. Aber da ist eine Mischung in mir, in der noch einiges an Marokko steckt.

Ist es Ihnen anfangs schwer gefallen, Persönliches in Ihren Songs zu verpacken?

Nein, das war eigentlich schon immer geplant. Der Grund Musik zu machen, hatte schon immer einen selbsttherapeutischen Impuls, weil man den Gefühlen freien Lauf lassen kann. Das nutze ich als Künstlerin für mich. Man hört nie auf zu lernen, gerade beim Songwriting. Wenn ich es bei Menschen schaffe, das mit meiner Musik auszulösen, wie es gewisse Musik bei mir geschafft hat, dann habe ich meinen Job ganz gut gemacht, glaube ich.

Sind Sie ein Mensch, der viel an die Vergangenheit denkt oder eher jemand, der überwiegend die Zukunft im Blick hat?

Beides. Ich bin jemand, der im ersten Album eher in der Vergangenheit geschwelgt ist. Im zweiten Album dann ein bisschen weniger, eher im Hier und Jetzt, aber dennoch mit einem Tick mehr Rückblick. Vielleicht wird das nächste Album ja eins der Zukunft, wer weiß (lacht).

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Haben Sie Vorbilder oder andere Musiker, an denen Sie sich orientieren, die am ehesten Ihnen zugeordnet werden können?

Ich gehe gar nicht mit Vorbildern an die Musik ran, sondern höre Musik immer gerne als Konsument. Vorbilder habe ich deswegen nicht, aber es gibt viele Menschen, die mich in meiner bisherigen Karriere und davor inspiriert haben. Auch ich hatte Jugendhelden wie Lauryn Hill, Mary J. Blige und Missy Elliot. Diese amerikanischen Künstler brachten Hip-Hop, RnB, Soul und Rap nach Deutschland. Durch sie wurde Rap hierzulande erstmals cool.

Sie haben dieselbe Booking-Agentur wie Bausa, SDP, Cro oder Die Orsons. Dürfen sich Ihre Fans in Zukunft auf ein gemeinsames Projekt mit einem oder gar mehreren davon freuen?

Aktuell ist nichts geplant, aber klar, wieso nicht. Ich mag alle Künstler, die Sie aufgezählt haben.

Hoch die Hände! Die 27-jährige Sängerin gibt auf der Bühne stets Vollgas.
Hoch die Hände! Die 27-jährige Sängerin gibt auf der Bühne stets Vollgas. | Bild: Oliver Hanser

Wie stehen Sie zur Musik des Rappers Capital Bra? Seine Texte sorgen immer wieder für kontroverse Diskussionen.

Es ist coole, zeitgemäße Musik, die von der Jugend angenommen wird. Ich bin auf jeden Fall jemand, der die neue Generation unterstützt, wo es nur geht. Man kann immer meckern und sagen, dass die Auftritte und Texte moralisch nicht unbedingt klug gelöst werden, aber Musik muss auch manchmal anecken. Musik hat den Auftrag, Menschen zum Denken anzuregen und kritisch zu bleiben. Egal, was man über die neue Generation des Hip-Hop sagt, und dazu zähle ich auch den Rapper Capital Bra: Es sind alles ganz talentierte und kreative Menschen, die ihr Leben der Kunst widmen. Das allein verdient schon Respekt.

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Finden Sie es problematisch, wenn Jugendliche die teils sehr umstrittenen Texte von Gangster-Rappern zum Vorbild nehmen und Kraftausdrücke verinnerlichen?

Ich bin der Meinung: Man kann nicht pauschalisieren, weil Rap so facettenreich ist. Ich empfinde diese Stilrichtung nicht als zu hart. Wenn man sich draußen einfach mal umhört, stellt man fest, dass Jugendliche wirklich so reden. Das ist der Slang und deswegen funktioniert das. Die Rapper erfinden ja nichts, was es nicht schon gibt, und schaden der Jugend, in dem sie die Sprache deformieren.

Ist Gangster-Rap denn auch für Sie eine Option?

Es gibt das Zitat „Hip-Hop ist das einzige Genre, in dem man das, was man musikalisch macht oder sagt, auch verkörpern muss“. Wenn ich jetzt morgen anfange, Gangster-Musik zu machen, obwohl ich gar kein Gangster bin, wäre das ja überhaupt nicht authentisch. Es wird keine Gangster-Platte von mir geben, obwohl es ein sehr witziger Gedanke ist (lacht).

Namika, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

In allererster Linie wünsche ich mir, dass alle gesund sind. Das ist das Wichtigste! Und ich weiterhin ganz viel Musik machen kann. Hoffentlich bringe ich noch 50 Alben raus.