In die Pause entlässt Kabarettist Thomas Reis sein Publikum mit einer Kettenreaktion. Ins Luftschnappen, ins Lachen hinein steigert er sein Bekenntnis, Messie zu sein beständig weiter. Fußballergebnisse aus frühen Bundesligazeiten, Mannschaftsaufstellungen begegnen, altvertraute Sprüche aus der Werbung wie „Spalt schaltet den Schmerz ab“.

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Schmerzensmann bleibt Reis, der „Nicht-Religiöse, trotzdem Intolerante“ dennoch. Das Tohuwabohu unter seiner Schädeldecke ist schlichtweg uferlos. Sprudeln doch die Quellen kabarettistischer Kreativität beständig fort. Was sich – zu unserem Glück – als Schwall, pardon: Programm in die Veranstaltungssäle ergießt.

Gute Zeiten für Pessimisten – findet Kabarettist Thomas Reis.
Gute Zeiten für Pessimisten – findet Kabarettist Thomas Reis. | Bild: Jörg Büsche

„Das Deutsche reicht“ heißt Reis‚ jüngste Hirnflutung. Eine bitterbös-düstere Abrechnung mit den neuen Ewiggestrigen. Für den Kabarettisten haben sie sich unterm Deckmäntelchen des Gutbürgerlichen, gewissermaßen mit Jäger-Krawatte-Karo-Tweed-Look. „Gauland steht doch für den größten anzunehmenden Unfall“ übersetzt Reis die verheerenden Folgen für die politische Landschaft.

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Der Blick nach Österreich zeige: Es kann noch schlimmer kommen! „Gute Aussichten für Pessimisten“, findet der Kabarettist. Der in Jugend kein Heil erblicken kann, allenfalls Pickel. Selbst dem allfreitägliche Fridays-for- Future-Ritual der Schüler begegnet er mit größter Skepsis.

Lieber an die Gegenwart glauben

„Das ist für Leute, die ihren Glauben an die Zukunft verloren haben“, stattdessen lieber an die Gegenwart glauben – und das mit großem Eifer. Und mindestens mit demselben Elan, mit dem er und seine Generation einst gegen Fessenheim demonstriert hätten. Erfolgreich – das Kernkraftwerk gehe nun, das heißt im nächsten Jahr vom Netz – vier Jahrzehnte nach den Demos. 

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Resigniert Reis? Verzweifelt er an den Trumps und Putins dieser Welt. Nein, er stichelt unverdrossen weiter gegen die Erdogans. Reis verbeißt sich manche Pointen, über die das Publikum trotzdem lacht. Er zündet dafür ganze Silvesterfeuerwerke – zum Beispiel auf dem Spielfeld der Genderdiskussion. „Warum Zapf-Hahn und nicht -Henne. Warum Zapf-Säule und nicht Zapf-Eberle?“