Was tut sich auf dem Markdorfer Wohnungsmarkt? Warum gibt es hier so wenig bezahlbaren Wohnraum? Wo sollen Markdorfer künftig bauen können? Drei von zahlreichen Fragen, die Ernst Arnegger am Mittwochabend zu Beginn seiner Bürgerdiskussionsrunde „I mein halt“ aufgeworfen hat. Mehr als 50 Besucher waren in den großen Saal des Zunfthauses Obertor gekommen. Sie ließen sich von Bürgermeister Georg Riedmann und Markus Müller, Präsident der Landesarchitektenkammer, die Situation in Markdorf schildern und die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Land skizzieren. Arnegger hatte die beiden als Referenten zu seiner "I mein halt"-Runde eingeladen.

Müller: Einziger Ausweg bleibt neuer, bezahlbarer Wohnraum

Zu Gast in der Diskussionsrunde von Ernst Arnegger (Mitte) waren Bürgermeister Georg Riedmann (links) und Markus Müller aus Meckenbeuren, der Präsident der Landesarchitektenkammer.
Zu Gast in der Diskussionsrunde von Ernst Arnegger (Mitte) waren Bürgermeister Georg Riedmann (links) und Markus Müller aus Meckenbeuren, der Präsident der Landesarchitektenkammer. | Bild: Jörg Büsche

Müller beschrieb den Wandel der Städteplanung. Als Antwort auf die Wohnungsnot hätte man „im Mittelalter und noch nach dem Krieg einfach eine neue Stadt gegründet“. Heute ginge das nicht mehr. Zu groß sei der Flächenverbrauch. Als einziger Ausweg bleibe das Schaffen neuen, bezahlbaren Wohnraums in den Städten. Das sei nicht einfach, dafür brauche es strategische Planungsansätze.

Arnegger: Kann man nicht in zwei Stunden erschöpfend abhandeln

Ernst Arnegger schränkte ein: „Uns allen hier ist klar, dass wir unser Thema 'Bauen, Wohnen, Stadtplanung' keineswegs in unseren üblichen zwei Stunden erschöpfend abhandeln können." Das ginge schon gar nicht, wenn es kontrovers zugehe. Das wünscht sich der Kammerpräsident Markus Müller aus Meckenbeuren für eine gedeihliche Stadtentwicklung, „damit möglichst unterschiedliche Ansichten einfließen können.“ Die Zeiten, in denen die Stadtplanung allein den Investoren und Bauherren überlassen wurde, seien vorbei.

Müller: Neue Bewohner sollen sich Gedanken über ihr Wohnumfeld machen

Notwendig sei, dass sich auch diejenigen einbringen, die in den neuen Quartieren leben, die sich Gedanken um ihr Wohnumfeld machen, welche ruhig unterschiedlich sein dürfen. „Städte leben von den Meinungsdifferenzen, deshalb ist es gut, wenn über Stadtplanung gestritten wird.“ Insofern sieht Müller in der Neugestaltung des Marktplatzes und des Rathausareals eine große Chance für Markdorf.

Zuhörer Nobert Beck: Personal im Stadtbauamt sollte aufgestockt werden

Norbert Beck aus dem Publikum wandte ein, dass die Bevölkerung Anhaltspunkte brauche, um sich beteiligen zu können, die Orientierung, wo es denn überhaupt hingehen könnte. In früheren Zeiten hätten die Stadtbaumeister diesen Rahmen gezogen. Mit dieser Aufgabe seien die Stadtplaner im Rathaus überfordert. Deshalb schlug Beck vor, das Personal im Stadtbauamt aufzustocken.

Riedmann: Fläche am Rathaus "riesige Chance" zur städtischen Weiterentwicklung

Bürgermeister Georg Riedmann erklärte, er sehe auf den 4500 Quadratmetern rund um das Markdorfer Rathaus eine „riesige Chance“ zur städtischen Weiterentwicklung. Er schlug externe Moderatoren vor, qualifizierte Fachleute, die ein Verfahren begleiten, das frei von Zeitdruck sein müsse. Wie auch in anderen Städten würden diesem Gestaltungsbeirat auch ortsfremde Architekten und Bauträger angehören, die nicht mit eigenen Projekten in Markdorf befasst sind.

"In Zukunft können nicht vor allem Einfamilienhäuser gebaut werden"

Der Bürgermeister blickte auch auf die Gesamtstadt. Anbetrachts der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt sei schon heute klar, „dass in Zukunft nicht vor allem Einfamilienhäuser gebaut werden können“. Das Neubaugebiet im Markdorfer Süden sei schon jetzt gut durchmischt mit Gebäuden in Geschoss-, Ketten- oder Pickup-Bauweise.

Stadt begleitet Planungsverfahren im Klosteröschle

Neue Wege beschreite die Stadt heute im Bereich Klosteröschle. Das Beispiel des Komplexes, der an der Mangoldstraße entstanden sei, zeige: Vor fünf Jahren habe die Quartiersqualität noch keine große Rolle gespielt. Daher sei dort ein Projekt für eine Alters-Wohngemeinschaft nicht zustande gekommen. „Wie funktioniert das Zusammenleben im Quartier? Wie sieht es mit der Nahversorgung aus, mit der Kinderbetreuung, mit den Senioren?“ Die Stadt stelle alle diese Fragen und behalte sie beim Planungsverfahren im Klosteröschle im Auge, das von ihr begleitet werde. Dort beteilige sich die Verwaltung an der Quartiergestaltung, sagte der Bürgermeister. In diesem Zusammenhang erklärte Riedmann, dass auf den Siechenwiesen kein Bauland ausgewiesen werden könne, da die Vorgaben des Naturschutzgesetztes dies nicht erlaubten.