Grün sei im Aufwind, erklärte Helmut Faden. Der Kreistagsabgeordneten und Koordinator der Nominierungsliste für den Markdorfer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen erläuterte bei der Nominierungsveranstaltung im Wirtshaus am Gehrenberg am Mittwochabend, "dass es dieses Mal überhaupt nicht schwer gefallen ist, die Kandidaten für unsere Liste zu finden."

Vor der letzten Kreistagswahl sei das anderes gewesen, erinnerte sich Faden. Sieben Mandate sind im Wahlbezirk II des Bodenseekreises zu vergeben. Und zehn Personen stehen auf der Liste der Grünen.

Bürger offen für grüne Themen

Das Bild vom Aufwind verwandte auch Martin Hahn, Landtagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen in Stuttgart, und am Mittwoch von den Parteimitgliedern zum Leiter der Nominierungsversammlung gewählt. Er wünscht sich die Grünen-Fraktion als Zweitstärkste nach der anstehenden Wahl. Bislang haben die Freien Wähler diesen Rang inne.

Den positiven Trend sieht Hahn unter anderem in der Arbeit von Annalena Baerbock und Robert Habeck, den beiden Bundesvorsitzenden der Partei. Dass sich die Bürger immer mehr durch grüne Themen ansprechen lassen, führte der Abgeordnete aber auch auf die Arbeit auf Landesebene zurück. Unmittelbares Ergebnis sei der außerordentliche Mitgliederzuwachs im Bodenseekreis. Hier hätten Bündnis 90/Die Grünen binnen zweier Jahre rund 100 neue Mitglieder gewonnen, sodass es inzwischen 270 seien. "Das gibt uns hier eine starke Basis", sagte Hahn, "und zeugt für die Zustimmung in der Bevölkerung."

Vor Jahren noch belächelt

Was sich in letzter Zeit gewandelt habe, das konkretisierte Helmut Faden, als er sich als Kandidat für den zweiten Listenplatz vorstellte: "Sind wir vor einigen Jahren noch belächelt worden, wenn wir auf die Rolle von Rad, Bus und Bahn im sogenannten Umweltverbund hingewiesen haben, so wird heute nicht mehr ausschließlich auf die Belange des privaten Personen-Kraftverkehrs geblickt."

Wobei Faden keinen Hehl daraus machte, dass gerade Markdorf in Sachen umweltgerechter Mobilität zu den Schlusslichtern im Kreis gehöre. Überall, in Tettnang, in Meersburg, in Uhldingen, in Überlingen und in Friedrichshafen sowieso existierte ein Stadtbus-Verkehr, nur nicht in der Gehrenbergstadt – "und das bei ihrer Hanglage", so Faden.

Südumfahrung eine Fehlentscheidung

Als verkehrspolitische Fehlentscheidung hatte Martin Hahn zuvor die Markdorfer Südumfahrung hingestellt. "Sie ist ein vierspuriger Torso ohne Anschluss, dessen Kosten nicht zu rechtfertigen sind", so der Landtagsabgeordnete. Deutlich positiver bewertete er demgegenüber die Entwicklungen beim Zugverkehr. Etwa die Bereitschaft des Kreises, sich an den Planungskosten für den Ausbau der Bodensee-Gürtelbahn zu beteiligen. Etwa die Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Friedrichshafen oder die ins Auge gefasste Takterhöhung für die Buslinie Ravensburg-Konstanz.

Zwei 18-Jährige auf der Liste

Verkehr, Mobilität gehörten denn auch bei den meisten Kandidaten zu den Themen, die sie bewegt haben, sich für die Nominierungsliste aufstellen zu lassen. Das gilt für Franziska Scholz, die Listenplatz-Erste, deren Motive von Helmut Faden referiert werden mussten, da die 18-Jährige krankheitshalber fehlte. Das gilt aber auch für den gleichfalls 18-jährigen Jonas Alber aus Markdorf Hepbach, der mit Blick auf die Unter-18-Jährigen für einen dringenden Ausbau des ÖPNV-Angebots plädierte.

Der Umgang mit Natur und Landschaft tauchten immer wieder als Themen auf, wenn die Kandidaten über ihre Beweggründe sprachen. Für Jakob Krimmel, Ortschaftsrat in Ahausen und Ratsmitglied in Bermatingen mangele es im „Regionalplan an "grüner Handschrift". Daher die kaum gebremste Boden-Versiegelung. Um die "Bodensee-Landschaft in ihrer Einmaligkeit", sorgt sich auch Helmut Faden. Er erkennt den hohen Siedlungsdruck und den daraus erwachsenden Interessenskonflikt mit dem dem Naturschutz.