„The Latin Jazz Mass“ ist ein Werk, das der neugeistlichen Kirchenmusik zuzurechnen ist – und eine Komposition, die ihren traditionellen Aufbau mit populärer Rhythmik verschränkt. Im bis hoch zur Orgel-Empore voll besetzten Kirchenschiff war das auch zu spüren. Das Publikum nickte und wippte über weite Strecken mit zur Musik.

Begeisterten Applaus spendete das Publikum für den Auftritt des Gospelchors.
Begeisterten Applaus spendete das Publikum für den Auftritt des Gospelchors. | Bild: Jörg Büsche

Wohlklang und Glaube treffen aufeinander

„Halleluja“, sang der Chor – nachgerade ausgelassen. „He is coming“, lautet es im Text weiter. Aus dem Grab auferstanden sei der Herr. Hier atmete Gewissheit. Hier riss die Zuversicht empor – und die Zuhörer mit. So strahlend die Gesichter des Chors, so strahlend die Töne ihres Gesangs: In diesem Danklied trafen Wohlklang und Glaube zusammen – auf ansteckende Weise.

Kaum Disharmonisches

Das Stück „The Latin Jazz Mass“ von Martin Völlinger, das Hans Jörg Walter, der Leiter des Markdorfer Gospelchors, für das Jubiläumskonzert in St. Nikolaus ausgewählt hat, ist zwar der modernen Kirchenmusik zuzurechnen. Trotzdem wird dem Zuhörer hier nichts wirklich Disharmonisches zugemutet. Sicher, der eine oder andere Takt tönt leicht angeschrägt. Was auf dem Felde der verwandten Bossa-Nova-, Rumba- und Samba-Rhythmen wohl kaum weiter verwundert. Insgesamt aber klingt alles sehr gebunden.

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Zuhörer spenden viel Beifall

Der kompositorische Wagemut hält sich in Grenzen. Und das Publikum dankte das – am Ende des Konzerts ohnehin mit überaus starkem Beifall. Aber auch Schritt für Schritt – nach Kyrie, Gloria, Halleluja, nach jedem einzelnen Abschnitt gab es Applaus. Sodass sich die anfangs noch sichtbare Anspannung auf Hans Jörg Walters Miene rasch verflüchtigte. Sie wich einer erkennbaren Zufriedenheit – sicherlich auch ob der Leistung des von ihm dirigierten Chores.

Chorleiter Hans Jörg Walter dirigierte „The Latin Jazz Mass“.
Chorleiter Hans Jörg Walter dirigierte „The Latin Jazz Mass“. | Bild: Jörg Büsche

Instrumentalisten zeigen beeindruckende Leistung

Mit den Instrumentalisten konnte Walter ohnehin zufrieden sein: mit Tobias Walter, seinem Sohn, am Piano. Mit Hartmut Heinzelmann, der eine fundamentale, eine sichere Basis mit seinem Bass lieferte. Jonas Höll, dem Schlagzeuger, gelang das Kunststück feiner Dezenz bei klarem Duktus. Und Florian Loebermann tauchte das Kirchenschiff phasenweise in Saxofon-Gesang, der an den norwegischen Jazzmusiker Jan Garbarek erinnern ließ.

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Claudia Nock und Elias-Kilian Schmidt überzeugen bei Soloparts

Doch zurück zum Chor: zu Claudia Nock und Elias-Kilian Schmidt, den beiden Gesangssolisten. Sie bewiesen Hingabe, großen Einsatz, auch Mut. Und ein Glanzstück des Gospelchor-Auftritts war ganz sicher das Ave Maria. Zu Beginn erklang sonores Gebet, aufgesagt von den Männerstimmen. Sodann ertönte Frauengesang, milde, rein, fast entrückt. Gebet und Musik mischten sich, bis schließlich auch die Männer in den Gesang einstimmten. Das Publikum war sichtlich begeistert. Applaus und Zugaben wechselten sich am Ende immerzu ab.