Wenn Chor und Musiker aufeinander ein- und abgestimmt sind, stimmt alles. Aber das erstmalige Zusammenspiel der drei Mann starken Band und der über 60 Sänger ist eine kleine Herausforderung. Eine Geduldsprobe bei der großen Probe, die nach drei Stunden ihr Ende findet und nach der die Sänger ziemlich erschöpft sind. Hans-Jörg Walter, Dirigent und Chorleiter, hat jedoch das Ziel erreicht: Einmal sind sie die ganze Latin-Jazz-Messe durch, auf die der Chor seit einem Jahr hinarbeitet. Mit dem großen Werk will er sein 20-jähriges Bestehen feiern.

Zwiegespräche mit dem Musikertrio

Alles swingt, tippt den Takt mit. Melodisch. Geschmeidig. Doch plötzlich stockt es: „Das ist ein G. Nicht so verschlafen“, motiviert Walter. Beim zweiten Anstimmen klappt‘s, der Ton sitzt munter und klar. Zwischendurch gibt es Zwiegespräche mit dem Musikertrio. Saxofonist Florian Loebermann kritzelt Anmerkungen, Pausen und Betonungen auf die Noten, spricht sich mit Bassist Hartmut Heinzelmann und Schlagzeuger Jonas Höll ab.

Erste Probe mit der Band: die zweite Hälfte des Chors sowie die Musiker (von links) Jonas Höll, Hartmut Heinzelmann und Florian Loebermann.
Erste Probe mit der Band: die zweite Hälfte des Chors sowie die Musiker (von links) Jonas Höll, Hartmut Heinzelmann und Florian Loebermann. | Bild: Christiane Keutner

„Das sind einfache Noten. Aber so was Einfaches ist nicht einfach zu spielen“, meint Walter und verweist gleichzeitig auf eine weitere Schwierigkeit: „Die Messe ist von der Anlage her höchst kompliziert, aber durch die Verschachtelungen sehr interessant. Man muss schauen: Wo beginnen die Improvisationen, wie lang sind die Takte? Chor und Band wechseln sich immer wieder und oft taktweise ab.“

Das könnte Sie auch interessieren

Pianist Tobias Walter spielt gern mit seinem Vater Hans-Jörg Walter zusammen

Das erfordert höchste Konzentration. Auch beim Pianisten Tobias Walter, dem Sohn des Dirigenten, der für den ausgeschiedenen Klavierspieler eingesprungen ist. Ist das Zusammenspiel beim Verwandtschaftsgrad schwierig? „Vielleicht ein bisschen. Bei einem fremden Dirigenten verhält man sich anders, das ist eine andere Gefühlslage. Aber man versucht einfach, professionell zu sein. Er ist der Boss. Das fühlt sich aber auch gut an: Ich bin sehr stolz auf das, was mein Vater für das Kulturleben von Markdorf gemacht hat.“ Es gebe viele Engagierte, aber da steche er heraus. Kultur sei einfach die schönste Art, seine Freizeit zu verbringen.

Annette Willmann, Informatikerin: „Gospelchor? Weil die Musik super zum Singen ist und mir liegt, sie ist sehr lebendig. Die Messe ist anspruchsvoll. Es macht Spaß, weil sie etwas anderes als Gospel ist.“
Annette Willmann, Informatikerin: „Gospelchor? Weil die Musik super zum Singen ist und mir liegt, sie ist sehr lebendig. Die Messe ist anspruchsvoll. Es macht Spaß, weil sie etwas anderes als Gospel ist.“ | Bild: Christiane Keutner

Sänger vertrauen auf den Chorleiter

Dieser Meinung sind offensichtlich auch die Sänger, die das ganze Jahr durchgehalten haben. Wie Annette Willmann. Seit 17 Jahren singt die Informatikerin im Gospelchor im Alt: „Singen macht unheimlich Spaß, besonders im Chor, und es tut gut.“ Gospel sei zwar ihre Musik, aber die Latin-Jazz-Messe mache ebenfalls Laune, „weil es etwas anderes ist“, jedoch auch ihre Tücken habe. Doch hier vertraue sie ganz auf den Chorleiter, der mit Leib und Seele dabei sei. „Er sagt, wir schaffen das. Dann schaffen wir das auch.“

Michael Dörmann, Gymnasiallehrer: „Diese Messe ist schon eine Herausforderung, aber es macht richtig Spaß und im Chor herrscht eine herzliche, fröhliche und kameradschaftliche Atmosphäre.“
Michael Dörmann, Gymnasiallehrer: „Diese Messe ist schon eine Herausforderung, aber es macht richtig Spaß und im Chor herrscht eine herzliche, fröhliche und kameradschaftliche Atmosphäre.“ | Bild: Christiane Keutner

Spaß hat auch Michael Dörmann. „Die Messe ist interessant und gleichzeitig schwierig, weil sie in einem Stück gesungen wird.“ Zudem singe er im Bass, was Extraproben erfordere. Seit fünf Jahren ist der Gymnasiallehrer dabei. Mehr oder weniger sei er von Ulrike Specker vom Sekretariat der Musikschule zum Mitsingen überredet worden. Doch er bereue dies nicht. Gospel mag er, weil er sehr lebendig und abwechslungsreich sei. Im Chor habe er sich von der ersten Minute an wohlgefühlt. Zudem wohne er gleich um die Ecke, da habe er es nicht so weit zur Probe.

Noch zwei Proben bis zur Generalprobe

Am Samstag steht nochmals eine Probe mit der Band an, am Mittwoch dann ein weiterer Übungsabend. Die Generalprobe findet einen Tag vor der Aufführung statt. Dass diese schief gehen muss, damit die Aufführung gut wird, weist Walter ins Reich der Legenden, erklärt das oft beobachtete Phänomen jedoch: „Wenn die Leute merken, es gelingt nicht, dann strengen sie sich anderntags mehr an.“ Jetzt hoffen er, die Sänger und Musiker, dass es auf jeden Fall klappt. Die Chancen stehen gut.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €