„Eigentlich sollte man...“ und „man müsste dringend mal wieder...“ sind nicht nur die populärsten Satzanfänge der inneren Stimme, sondern geradezu der kategorische Konjunktiv des schlechten Gewissens. Nicht wollen, sondern es einfach tun: Dazu fordert seit eineinhalb Wochen das Programm der zweiten Markdorfer Gesundheitswochen auf, mit Angeboten, sich zu bewegen, sich mit dem Körper zu befassen, mit der Ernährung, der Psyche wie der Physis. Bis Sonntag besteht die Möglichkeit, Angebote wahrzunehmen oder Neues auszuprobieren.

„Die erste Woche lief sehr gut an“, sagt Katja Eberle, die neben einigen Veranstaltungen im Wirthshof auch über den Turnverein Markdorf Schnupperkurse anbietet. „Wir hatten hier vergangene Woche jede Menge Teilnehmer“, freut sie sich.

Auch am Dienstagabend war die Halle gut besucht. Knapp 20 Interessierte hatten sich angemeldet zum geheimnisvoll klingenden Thema „Geschmeidige Faszien“. Wer davon noch nie etwas gehört hatte, weiß spätestens nach einer Stunde, was Faszien sind, vor allem aber, wie „ungeschmeidig“ dieses körperumhüllende Spannungsnetz sein kann. Und wie schmerzhaft in seiner Verspannung erst! „Es muss weh tun!“, lacht Katja Eberle und kreist mit der Wade über einen Tennisball. Dann müsse man auf diesem Schmerzpunkt eine kurze Zeit ausharren. Es gehe darum, das Bindegewebe zu lockern und den gesamten Körper wieder beweglich zu bekommen. Wer an diesem Abend von Draußen durch die großen Scheiben blickt, erlebt ein einzigartiges Bild. Wie Körper sich unkoordiniert verrenken, ausholende Bewegungen mit Armen und Beinen vollführen, selbst das Gesicht zu Grimassen verziehen.

„Die Beine müssen neue Wege gehen“, betont Katja Eberle immer wieder, wenn sich wie lange Lichtkegel von Taschenlampen die Fußsohlen durch den Raum tasten und ihn regelrecht ausleuchten. „Im Laufe der Zeit haben sich Stereotypen im Bewegungsapparat eingeschlichen“, erklärt die Sportwissenschaftlerin. Umwege in der Bewegung seien es, die wieder beweglich machen.

Aber nicht nur Bewegungsangebote und Fitness in jeglicher Form sind im Rahmen der Markdorfer Gesundheitswochen zu finden. Auch auf Ernährung, Körper- und Gesichtspflege, Sensorik sowie Psychologie zielen viele Angebote ab. „Schade, dass die Resonanz nicht größer ist“, sagt Heilpraktikerin Kirsten Herberg, die in der Marktstraße ihre Naturheilpraxis betreibt. „Zu meinem ersten Termin hatte sich leider keiner angemeldet“, bedauert sie. Für den heutigen Termin gibt es immerhin ein paar Meldungen. „Abnehmen, aber richtig!“, lautet die Aufforderung der Abendveranstaltung. Scheinbar trifft dieses Thema den Nerv der Markdorfer in der dunklen Novemberzeit.

„Ich glaube, eine breitere Streuung der Werbebroschüren wäre nötig gewesen“, ergänzt Kirstin Herberg. „Viele wussten gar nichts von den Gesundheitswochen“, ist sie der Ansicht. „Und viele tolle Events geraten in der zweiten Woche schon wieder in Vergessenheit“, fügt Katja Eberle bei. Noch bleiben drei Tage Zeit, sich dem Körper wie dem Geist ganz bewusst zu widmen und „man sollte einmal...“ durch „ich werde heute...“ zu ersetzen.

 

Gesundheitswochen

Noch bis 19. November finden in Markdorf die Gesundheitswochen statt. Angeboten werden unter anderem: Reaktive Walking, ein Erste-Hilfe-Kurs für Kinder, ein Baumspaziergang, ein Workshop zum Thema Energieausgleich, ein Angebot "die Botschaft von Krankheiten verstehen", Informationen über Anti-Aging-Methoden, Activity Workouts für Mädchen, ein Rückenzirkel, Tanzkurse, Ernährungsvorträge, ein Vortrag über den Umgang mit Demenz, Klettern, Yoga, Singen.

Informationen im Internet: www.markdorf-marketing.de