Der Markdorfer FDP-Ortsverband wendet sich in einer Pressemitteilung gegen die Stellungnahme der CDU-Fraktion im Amtsblatt vom 13. Juli über die Nutzung des Bischofsschlosses als Rathaus. Fraktionsvorsitzende Susanne Sträßle hatte in dieser Stellungnahme für ihre Ratsfraktion die künftige Nutzung des Schlosses als Rathaus als "zukunftsfähigste aller denkbaren Nutzungen" bezeichnet.

Die Schlossscheuer aus einem Fenster des Neuen Schlosses fotografiert. Dieser Teil des Markdorfer Schloss-Ensembles ist nicht denkmalgeschützt und kann abgerissen werden.
Die Schlossscheuer aus einem Fenster des Neuen Schlosses fotografiert. Dieser Teil des Markdorfer Schloss-Ensembles ist nicht denkmalgeschützt und kann abgerissen werden. | Bild: Grupp, Helmar

FDP: Rechnung bis 2025

Der Amtsblatt-Text der CDU lese sich schön, heißt es in der Stellungnahme, die Siegfried Radu, Schatzmeister der Markdorfer FDP, verfasst hat. Man könne "fast zustimmen, wenn da nicht das Magengrimmen wegen der Finanzierbarkeit wäre". Die Stadt habe bisher keine schlüssige Finanzierungsrechnung dazu vorgelegt, wie sie die vielen geplanten Projekte bezahlen will, so die FDP. Unter einer Finanzierungsrechnung verstehe die FDP eine Rechnung über den gesamten Planungshorizont bis 2025, basierend auf der aktuellen Finanzsituation des städtischen Haushaltes und alle geplanten Projekte und deren jährliche Auszahlungen berücksichtigend. Diese Rechnung müsse auch die Planungen der jährlichen Über- oder Unterschüsse des Verwaltungs- und Vermögenshaushaltes aufführen.

Planung aktualisieren

Im FDP-Ortsverband ist man der Auffassung, dass die bisherigen Angaben für das Bischofsschloss nicht mehr stimmen können, da die Zahlen um die Hälfte über den bisherigen Ansätzen liegen würden. "Üblicherweise wird für derart anspruchsvolle Vorhaben eine rollierende Planung aufgesetzt, die im halb- oder ganzjährigen Abstand zu aktualisieren ist", heißt es dazu in der FDP-Stellungnahme.

Wenn die Stadt ein halbes Jahr benötige, um den Rechenschaftsbericht für das vorausgegangene Jahr vorzulegen, gewinne man den Eindruck, dass die finanzielle Situation und deren Offenlegung nicht die erste Priorität hätten, schreibt Radu für die FDP. Dies sei aber nötig, da die für die nächsten Jahre geplanten Vorhaben ein "zeitnahes Finanzmanagement" erfordern würden.

In den vergangenen Monaten wurden umfangreiche Untersuchungen der Substanz des Bischofsschlosses vorgenommen, damit der Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten besser eingeschätzt werden konnte. Hier wurde eine Probebohrung an einer Rissstelle im Wandputz vorgenommen.
In den vergangenen Monaten wurden umfangreiche Untersuchungen der Substanz des Bischofsschlosses vorgenommen, damit der Umfang der geplanten Sanierungsarbeiten besser eingeschätzt werden konnte. Hier wurde eine Probebohrung an einer Rissstelle im Wandputz vorgenommen. | Bild: Toni Ganter

"Baldmöglichst Bürgerbefragung"

Derzeit scheine hingegen alleine der Umzug des Rathauses ins Bischofsschloss "die erste, alles andere dominierende Priorität" zu haben, so die FDP. Falls dann noch Geld übrig sei, könne man "auch an die für die Bürger wichtigen Aufgaben" gehen, heißt es. Aus diesem Grunde sollte laut FDP "baldmöglichst" eine Bürgerbefragung durchgeführt werden. Erst dann werde man sehen, ob die Bürger diesem Vorgehen der Stadt folgen würden.

CDU: Viele Vorteile

Die CDU hatte in ihrem Amtsblatt-Text argumentiert, für eine Rathausnutzung des Bischofsschlosses gebe es viele Vorteile. Eine zeitnahe Umsetzung der Sanierung, die Sicherstellung der öffentlichen Zugänglichkeit, eine künftig höhere Aufenthaltsqualität im Schlosshof und den Verzicht auf eine kostspielige Interimslösung, die bei einem Um- und Neubau des Rathauses am jetzigen Standort nötig wäre, zählte die CDU auf. Hohe Sanierungs- und Renovierungskosten würden zudem gänzlich unabhängig von der Nutzung anfallen, so die CDU. Hinzu käme, dass das jetzige Rathaus in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand sei. Zugleich, so die CDU, sei es aber "offensichtlich, dass es Markdorf finanziell nicht möglich ist, zeitgleich die Sanierung des Bischofsschlosses und die Sanierung/Neubau des Rathauses am bisherigen Standort zu schultern".

Das Bischofsschloss-Ensemble in Markdorf, in das das Rathaus umgesiedelt werden soll. Bild: Gerhard Plessing/www.flugundbild.de
Das Bischofsschloss-Ensemble in Markdorf, in das das Rathaus umgesiedelt werden soll. Bild: Gerhard Plessing/www.flugundbild.de | Bild: Grupp, Helmar

Chance fürs jetzige Rathausareal

Ein Rathaus-Umzug ins Schloss eröffne schließlich auch die Möglichkeit, das jetzige Rathausareal inklusive des Gasthauses "Adler" zu überplanen, heißt es in dem Amtsblatt-Text der CDU. Die Nutzung des Bischofsschlosses als Rathaus wäre daher eine "Win-win-Situation". "Wir priorisieren diese Art der Nutzung vor allen anderen Optionen", hatte sich die CDU im Amtsblatt am vergangenen Freitag positioniert.