Das Jahr 2018 war geprägt vom Jahrhundertsommer mit viel Hitze und Sonnenschein. Im kommunalpolitischen Markdorf hat sich dieser Sonnenschein in den vergangenen Monaten eingetrübt und ist dunklen Wolken gewichen. Das prägende politische Ereignis in Markdorf im zu Ende gehenden Jahr 2018 war fraglos der Bürgerentscheid über den Rathausumzug ins Bischofsschloss. Dessen Aufarbeitung und Konsequenzen für das kommende Jahr 2019 dominierten auch das Jahresinterview der Redaktion mit Bürgermeister Georg Riedmann.

Jeder mag den Ausgang des Bürgerentscheides für sich bewerten. Unstrittig dürfte jedoch sein, dass die Diskussion um das Für und Wider des geplanten Rathausumzugs in den Tagen vor dem Entscheid und auch noch bis heute an Schärfe zugenommen hat und dass sich vor allem die Gegner, die den Entscheid ja gewonnen hatten, mit teils brüskierenden Stellungnahmen in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet hatten. Die offene, aber faire Diskussionskultur, auf die wir alle in Markdorf zurecht stets stolz sein durften, ist dadurch beschädigt worden. Nun geht es aber darum, die Spaltung, die mit dem Bürgerentscheid die Stadtgesellschaft getrennt hat, wieder zu überwinden. Dafür sollten wir uns alle verantwortlich fühlen: Kein politisches Thema ist es wert, dass deswegen das soziale Klima in der Stadt vergiftet wird. Das bedeutet aber auch: Wer jetzt weiterhin Öl ins Feuer gießt, handelt unverantwortlich – übrigens auch im Sinne der eigenen Sache.

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In einigen Wochen oder auch Monaten werden sich alle Seiten zusammenfinden müssen, wenn die Ideenfindung über die Zukunft des Schlosses und des bestehenden Rathauses wieder aufgenommen wird. Dafür wird die Stadtverwaltung, das hat Riedmann bereits angekündigt, die Bürgerschaft eng einbinden. Ein großer runder Tisch, auch unter Mitwirkung der Initiative Bischofsschloss, hat jedoch nur dann einen Sinn, wenn eine sachliche, faire und emotionsfreie Diskussionskultur gewährleistet ist. Anders ist ein guter gemeinsamer Weg in die Zukunft, der dann von allen Seiten getragen werden kann, nicht zu schaffen.

Allerdings sind die Themen Bischofsschloss und Rathaus nicht drängend. Sie gehören nicht zu den vordringlich zu leistenden Pflichtaufgaben der Stadt. Priorität haben in 2019 hingegen die großen anstehenden Pflichtaufgaben: Der Umbau und die Weiterentwicklung der Grundschulen, die Turnhalle an der Gretser-Schule, der Kindergarten in Markdorf-Süd. All diese Themen sind wichtiger als Schloss und Rathaus. Weder dem Schloss noch dem Rathaus schadet es, wenn die Umbau- und Sanierungspläne jetzt erst einmal eine Warteschleife drehen.

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In der Warteschleife befindet sich die Stadt auch am defekten Bahnübergang an der Gutenbergstraße. Das allerdings unfreiwillig, denn die Ignoranz der Deutschen Bahn AG gegenüber dem Markdorfer Problemfall zwingt sie dazu. Auch in dieser Sache sah sich Riedmann in den vergangenen Wochen Vorwürfen aus der Bürgerschaft ausgesetzt, die Stadt unternehme nichts. Diese Vorwürfe sind jedoch nicht gerechtfertigt. Das einzige, was man der Verwaltung vorwerfen kann, ist, dass sie nicht bereits früher offensiv einen öffentlichen Druck auf die Bahn ausgeübt hat, nachdem sich das Unternehmen ja schon seit längerem ersichtlich nicht um Sicherheits- und Sachargumente schert, sondern stur seinen bürokratischen Schleichgang durchzieht. Der Stadt ist zu empfehlen, den Druck auf die Bahn hochzuhalten und deren Versäumnisse klar zu benennen, auch wenn sie Vertragspartner ist. Auch wir werden im neuen Jahr beizeiten wieder Druck machen, denn die Situation ist vor allem für die Schüler unerträglich.

Wird dieses Problem aber zeitnah gelöst und biegen die anderen Vorhaben für die Stadt auf einen guten Weg ein, wird im neuen Jahr der Sonnenschein für Markdorf auch wieder überwiegen.