Inzwischen ist der Klimawandel nicht nur auf den Straßen Markdorfs angekommen – in Form eines 1300-köpfigen Demonstrationszuges –, auch im stillen Wald am Gehrenberg kann man sich ihm nicht mehr entziehen. Im Gegenteil: Im Markdorfer Wald wütet der Klimawandel, anders lässt es sich kaum mehr formulieren. Die Hitze- und Dürrejahre 2018 und 2019 schlagen Schneisen in den Forst. Die Folgen zeigen sich nicht nur an den braunen Baumkronen und in der roten Forstbilanz, sondern mindestens ebenso schwerwiegend darin, dass es keine einfachen und vor allem keine schnellen Lösungen gibt.

Holz als Zeitbombe

Förster Jörn Burger und sein zweiköpfiges Team kommen jetzt schon nicht mehr mit ihrer Arbeit hinterher. Firmen, die Rückgeräte anbieten, sind komplett ausgebucht. Anderswo sieht es nicht anders aus. Hunderte Festmeter Schadholz bleiben liegen – und sind häufig eine Zeitbombe. Denn die Buchdruckerlarven unter ihrer Rinde werden als Käfer dann weitere bis dahin noch gesunde Baumbestände befallen.

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800 Millionen Euro wollen Bund und Länder nun zur Rettung der Wälder bereitstellen. Dies wurde beim Nationalen Waldgipfel in Berlin in dieser Woche auf den Weg gebracht. Das Geld ist vor Ort dringend vonnöten, denn für jene Kommunen, die noch eigene Wälder bewirtschaften, ist der Forst mittlerweile ein Minusgeschäft – wie auch für Markdorf. Auch die Stadt wird künftig noch sehr viel mehr in ihren Forst investieren müssen als bisher. Jeder Zuschuss aus Stuttgart oder Berlin ist da nicht nur hilfreich, sondern essentiell.

Der Forst braucht mehr Personal

Hier in Markdorf muss auf Sicht das Personal aufgestockt werden. Drei Leute reichen längst nicht mehr aus für 400 Hektar Stadt- und Spitalwald, bei 800 Privatwaldbesitzern und einem jährlichen Einschlag von am Ende mehr als 20 000 Festmetern. In großem Stil investiert werden muss zeitnah auch in die Aufforstung: Eschen, Tannen, Lärchen müssen eventuell größerflächig durch resistentere Baumarten ersetzt werden. Am Klimawandel ändert das natürlich nichts. Die jetzige Entwicklung wird, selbst bei einer deutlichen Reduzierung des CO2-Ausstoßes, Jahre benötigen, um wieder ins Lot zu kommen. Für den Wald am Gehrenberg ist es aber jetzt schon fünf vor Zwölf. Höchste Zeit, zu handeln.

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