Theater ist, wenn das Publikum in eine andere Welt entführt wird. Theater ist auch, wenn das dargestellte Handeln die eigenen Möglichkeiten spiegelt. Und Schülertheater ist, wenn junge Menschen sich auf der Bühne ausprobieren, während ihre Mitschüler, womöglich auch Lehrer und Eltern dabei zuschauen und die Schauspieler mit einem Mal von einer ganz anderen Seite erleben.

Die Kegel und der Kegler marschieren ein.
Die Kegel und der Kegler marschieren ein. | Bild: Jörg Büsche

Florian Sandkühler-Winckler als Autor und Regisseur

Das geschah im Theaterstudio des Markdorfer Bildungszentrums (BZM). Die Klasse 5c des Schulverbunds hatte in den vergangenen Monaten unter der Anleitung von Florian Sandkühler-Winckler, pädagogischer Assistent, ein Stück einstudiert. Dass Sandkühler-Winckler ausgebildeter Regisseur ist, erwies sich dabei einmal mehr als glückliche Fügung für die Schule. Zumal er auch das Stück geschrieben hat. Es ist zugeschnitten auf die Lebenswelt der Schüler, obwohl die Handlung ziemlich märchenhaft ist. Eine Sonnenkönigin tritt auf, neun Kegel, die sprechen können, sowie ein Handy.

Handlung um Gefühle und Gefühllosigkeit

Gefühle, aber auch Gefühllosigkeit, ja Kälte in einer überhitzten Gesellschaft waren der Dreh- und Angelpunkt des Stücks. In dem lockt die Sonnenkönigin mit Schönheit und so schönen wie falschen Versprechen Kai, den Geliebten Gerdas, in ihren Palast. Gerda sucht ihn, begegnet unterwegs allen mit Zuneigung, Höflichkeit. Und sie befreit ihren Freund schließlich aus der Luxusumfangung der kalten Sonnenkönigin.

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Eine Rolle für jedes Kind

„Alle aus der Klasse sollten eine Rolle bekommen“, hatte Klassenlehrerin Anna Schröder dem Publikum berichtet, bevor sich der Vorhang hob. Einige hatten nur wenig oder gar keinen Text, mussten etwa als Spielkegel marschieren, zu den Tönen von Klezmer-Musik. Einige durften hilfsbereite Trinker spielen oder den Mann, der auf eine bessere Zukunft, „eine Welt ohne Hunger und Gewalt“ wartet, während sich um ihn herum der Müll türmt. Bunt war die Inszenierung, einfallsreich das Bühnenbild. Kleine Details überraschten – ebenso manche unerwartete dialogische Wendung.

Auf drei folgt die Verbeugung, weist Regisseur Florian Sandkühler-Winckler an.
Auf drei folgt die Verbeugung, weist Regisseur Florian Sandkühler-Winckler an. | Bild: Jörg Büsche

Stets war das Publikum bei der Sache. „Ja, mir hat‘s alles in allem sehr gut gefallen“, erklärt Nikola, 14, nach der Aufführung, „für ihr Alter haben die Schauspieler das gut gemacht.“ Und auch das ist Theater: wenn es zum Schluss zum guten Ende auch noch ein zufriedenes Publikum gibt.