"Es war ein schöner Tag, der letzte im August", sang im Jahr 1976 Peter Maffay. Als hätte er's gewusst, dass dieser Song nachhaltig Generationen berührte und noch heute für das Sommerferiengefühl schlechthin steht. Was ist geblieben aus dieser Zeit und wie verbrachte man damals die "Großen Ferien"? Fünf SÜDKURIER-Leser haben in ihren Fotoalben geblättert und blicken auf abenteuerliche Reisen zurück.

Dietmar Bitzenhofer: Man begann zu reisen und Camping war das neue Gefühl von Freiheit. Für Dietmar Bitzenhofer und seine damals noch nicht angetraute Lisa lag die große Freiheit in einem kleinen knallorangefarbenen VW-Bulli. Aber nicht ganz: "Lisa war keine Camperin, und das ist sie auch bis heute nicht geworden", sagt Bitzenhofer lachend.

Lisa Bitzenhofer in den 80er Jahren nach einer abenteuerlichen Passfahrt im VW-Bulli gestrandet auf einem Campingplatz im Wallis.
Lisa Bitzenhofer in den 80er Jahren nach einer abenteuerlichen Passfahrt im VW-Bulli gestrandet auf einem Campingplatz im Wallis. | Bild: Dietmar Bitzenhofer

Also sollte die erste gemeinsame Reise für jeden etwas bieten. "Wir fuhren zunächst nach Südfrankreich und quartierten uns am Meer in einer Pension ein", sind seinen Schilderungen zufolge die harmlosen Vorboten eines veritablen Abenteuerurlaubs, der nicht am Strand, sondern in den Bergen seinen Fortlauf nehmen sollte. "Nach einer Woche Strandleben begann also der Urlaub auf meine Art", sagt er heute noch 30 Jahre später über dieses "Holiday-Sharing". Französische Zentralalpen und Outdoor-Leben auf dem Campingplatz im Bulli. "Ich wollte erst gar nicht mit kleinen Pässen anfangen", bekennt er sich heute zu seinem jugendlichen Leichtsinn. "Es sollten gleich die Höchsten sein."

Lisa und Dietmar Bitzenhofer am Gornergrat im Wallis; im Hintergrund das Matterhorn.
Lisa und Dietmar Bitzenhofer am Gornergrat im Wallis; im Hintergrund das Matterhorn. | Bild: privat

Über den Col de la Croix de Fer führte die Reise im Bulli bis zum Montblanc. "Lisa hatte vor lauter Angst schier den Haltegriff abgerissen und das Bodenblech rausgedrückt", erzählt er noch heute über seine "flachlandaffine Rheinländerin". Ein Jahr später heirateten sie – aller alpinistischer Eskapaden zum Trotz. Und auch heute reisen die beiden noch mit einem historischen Fahrzeug derselben Marke und derselben Farbe bergauf, bergab. In einem orangefarbenen VW-Käfer. Die Leidenschaft nicht nur fürs Reisen ist geblieben. Übernachtet wird jedoch nicht mehr auf dem Campingplatz.

Dieselbe Farbe, dieselbe Automarke, allerdings in einem VW-Käfer überqueren Lisa und Dietmar Bitzenhofer heute in den Sommerferien die Alpen.
Dieselbe Farbe, dieselbe Automarke, allerdings in einem VW-Käfer überqueren Lisa und Dietmar Bitzenhofer heute in den Sommerferien die Alpen. | Bild: Dietmar Bitzenhofer

MariaWirth: Wer Camping erfunden hat, weiß man nicht genau. Wer aber Camping in Markdorf erfunden hat, weiß man sehr wohl. Vor fast 50 Jahren legte die Familie Wirth in Steibensteg den Grundstein. Fortan sollten Zeltwiesen unter Apfelbäumen erblühen. Bleib da überhaupt Zeit für den eigenen Sommerurlaub? "Wir haben als Kinder niemals Urlaub gemacht", erinnert sich Maria Wirth.

In den 60er Jahren mit Zelt und VW-Käfer, heute am Liebsten mit Allrad und Wohnwagen. Camping in Markdorf war und ist in den Sommerferien beliebt wie eh und je.
In den 60er Jahren mit Zelt und VW-Käfer, heute am Liebsten mit Allrad und Wohnwagen. Camping in Markdorf war und ist in den Sommerferien beliebt wie eh und je. | Bild: privat

"Ich habe mit meinen Geschwistern in den Sommerferien höchstens irgendwo auf den Wiesen im Deggenhausertal gezeltet", sagt sie. "Bald hatte ich genug davon, weil mein Bruder heimlich Schlangen und Mäuse und anderes Geziefer im Zelt versteckt hat." Ein hörbarer Schauder spricht noch heute aus ihrer Stimme. "Danach habe ich beschlossen, nie wieder auf dem Boden zu schlafen." Ein Wohnwagen musste also her. "Die erste Reise führte nach Cap-d'Agde", erinnert sie sich lebhaft an die südfranzösische Nudisten-Hochburg, von der man in den 70er Jahren in Markdorf keinen Schimmer hatte. "Wir waren schockiert, als wir das erste Mal an den Strand gingen", erzählt Maria Wirth schmunzelnd.

Heute wie vor 30 Jahren: Im ersten Jahr haben sie sich kennengelernt, noch 30 Jahre später verbringen sie Sommer für Sommer auf dem Camping Wirthshof: (von rechts) Gerard Bolster aus Holland, Karl-Heinz Rostock aus Weinheim, Marlies Bolster, Ute Rostock. Gastgeberin ist Maria Wirth.
Heute wie vor 30 Jahren: Im ersten Jahr haben sie sich kennengelernt, noch 30 Jahre später verbringen sie Sommer für Sommer auf dem Camping Wirthshof: (von rechts) Gerard Bolster aus Holland, Karl-Heinz Rostock aus Weinheim, Marlies Bolster, Ute Rostock. Gastgeberin ist Maria Wirth. | Bild: Helga Stützenberger

Camperin ist sie dennoch geblieben, "denn wer einen Campingplatz betreibt, muss selber Camper sein und sich auf dieses Leben einlassen", lautet auch Jahrzehnte später ihre Maxime. Noch heute sind die Wirths allesamt mit dem Wohnwagen unterwegs, und heute bewirten sie ihre eigenen Gäste auf dem familiengeführten Campingplatz am Ortsrand von Markdorf. "Einige kommen Jahr für Jahr, und das seit 30 Jahren", sagt Maria Wirth mit dem Stolz einer guten Gastgeberin. Sommer für Sommer. Zeit bleibt als auch im Alter wenig für den eigenen Sommerurlaub.

Josef Weber: Urlaub? "Schaffen musste ich in den Sommerferien!", sagt Josef Weber, der als ältestes von sechs Kindern eine harte Zeit auf dem elterlichen Hof am Gehrenberg erlebte. "Während mein jüngster Bruder Albert bereits die Zeit dazu hatte, in den Sommerferien Hundewelpen aufzuziehen und sie gewinnbringend zu verkaufen, habe ich in jungem Jahren auf dem Feld mitgeschafft."

Der Sommer auf dem Weber-Hof bestand aus harter Arbeit. Großes Bild: Vater Albert Weber senior mit seinen Kindern Klärle und Josef sowie einem Ferienbub.
Der Sommer auf dem Weber-Hof bestand aus harter Arbeit. Großes Bild: Vater Albert Weber senior mit seinen Kindern Klärle und Josef sowie einem Ferienbub. | Bild: privat

Bis ins hohe Alter sei er niemals im Urlaub gewesen. "Meinen allerersten richtigen Urlaub hab ich dem SÜDKURIER zu verdanken", sagt Josef Weber. "Einmal im Leben" lautete die SK-Sommeraktion im Jahr 2007. Aus allen Verbreitungsgebieten wurden insgesamt vier Personen gesucht, die mit ihrer Geschichte überzeugten.

Die SÜDKURIER-Sommeraktion "Einmal im Leben" verhalf Josef Weber zu seiner allerersten Urlaubsreise. Das war im Jahr 2007. Seitdem bereitst er die Schweiz nur noch, um dort Urlaub zu machen.
Die SÜDKURIER-Sommeraktion "Einmal im Leben" verhalf Josef Weber zu seiner allerersten Urlaubsreise. Das war im Jahr 2007. Seitdem bereitst er die Schweiz nur noch, um dort Urlaub zu machen. | Bild: Helga Stützenberger

"Ich hab mich beworben für diese viertägige Zugreise durch die Schweiz, die als Preis winkte, und hab die zweithöchste Punktzahl von den Lesern bekommen", freut er sich noch heute. Freilich nicht unbekannt war ihm das Land der Eidgenossen, hat Josef Weber doch jahrelang bei einem karitativen Projekt mitgearbeitet, das die ansässigen Bergbauern unterstützte.

Über die Sommerferien zog Albert Weber im Alter von ungefähr zehn Jahren die Welpen seiner Schäferhündin groß, die er gewinnbringend verkaufte.
Über die Sommerferien zog Albert Weber im Alter von ungefähr zehn Jahren die Welpen seiner Schäferhündin groß, die er gewinnbringend verkaufte. | Bild: privat

Außerhalb der Arbeit auf dem Hof sei er viel in den Urner Bergen zum Schaffen gewesen. "Das war immer auch so was wie Urlaub für mich. Weil ich einfach raus kam." Schon lange begleitet ihn im Sommer seine Frau in die Berge und an seine ehemalige Wirkungsstätte. Einfach so und einfach in den Urlaub. "Aber nach drei Tagen möchte sie wieder heim an den Gehrenberg", sagt Josef Weber. "Ich dagegen würd's noch viel länger aushalten."

Gino d'Alonzo: Ferien in Italien waren in den 1960er Jahren dabei, in Mode zu kommen. Und während die Deutschen am Teutonengrill brutzelten, kam Gino d'Alonzo 1962 als einer der ersten italienischen Gastarbeiter nach Markdorf. "Urlaub habe ich in den ersten Jahren nicht gemacht", erinnert er sich an seine Anfänge bei der Firma Holstein, die noch heute an der Straße "Am Stadtgraben" ist.

Als die Kinder Lucca und Michaela noch klein waren, verbrachte Gino d'Alonzo mit der Familie die Sommerferien in seiner Heimat, den Abruzzen. Gebadet wurde in der Adria.
Als die Kinder Lucca und Michaela noch klein waren, verbrachte Gino d'Alonzo mit der Familie die Sommerferien in seiner Heimat, den Abruzzen. Gebadet wurde in der Adria. | Bild: privat

Erst später sei er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Lucca und Michaela jeden Sommer nach Italien in seine Heimat, die Abruzzen, gefahren. "Die Fahrt dauerte lang, 14 Stunden brauchten wir für die 1000 Kilometer", erinnert er sich an die Zeiten, als es zwar noch keine Staus auf Italiens Autobahnen gab und der 1967 eröffnete Bernardino-Tunnel etwas Erleichterung brachte, aber ein Fiat 1100 nicht unbedingt als geeignetes Langstreckenfahrzeug taugte.

Als die Kinder Lucca und Michaela noch klein waren, verbrachte Gino d'Alonzo mit der ganzen Familie die Sommerferien in seiner Heimat, den Abruzzen. Gebadet wurde in der Adria.
Als die Kinder Lucca und Michaela noch klein waren, verbrachte Gino d'Alonzo mit der ganzen Familie die Sommerferien in seiner Heimat, den Abruzzen. Gebadet wurde in der Adria. | Bild: privat

"Die Kinder fragten immer: Sind wir bald am Meer?". Noch steckte der Tourismus, der von Deutschland aus den sonnigen Süden erreichte, in den Kinderschuhen. "Aber es gab schon einige Deutsche am Strand", lacht Gino d'Alonzo. "Man musste nicht mal fragen, woher sie kamen. Man erkannte sie schon von Weitem. Am ersten Tag waren sie käsweiß und zwei Tage später krebsrot", sagt er schmunzelnd. Heute fährt der 78-Jährige mit seiner Frau im Sommer nur noch selten in seine Heimat, er bleibt lieber in seinem kleinen Garten in Markdorf. "Das Alter." Er seufzt. "Aber letztes Jahr waren wir einen ganzen Sommer lang in Italien. In der Heimat."

Heute verbringt Gino d'Alonzo den Sommer in seinem kleinen Garten in Markdorf.
Heute verbringt Gino d'Alonzo den Sommer in seinem kleinen Garten in Markdorf. | Bild: Helga Stützenberger

Karl-Heinz Wegis: Während es die einen in die Heimat zog, zog es die anderen in die Ferne. Man entdeckte die Form des komfortablen Busreisens. Und während der Trend, ferne Länder zu bereisen, die Menschen in Strömen über die Alpenpässe trieb, trieb dies Karl-Heinz Wegis oftmals den Schweiß auf die Stirn, denn von Urlaub war für ihn keine Rede.

Nur noch zu besonderen Anlässen fährt Karl-Heinz Wegis heute im Setra-Bus aus dem Jahr 1954. Allerdings in einem komplett restaurierten Modell.
Nur noch zu besonderen Anlässen fährt Karl-Heinz Wegis heute im Setra-Bus aus dem Jahr 1954. Allerdings in einem komplett restaurierten Modell. | Bild: Helga Stützenberger

Als Omnibusunternehmer in Ahausen hatte er alle Hände ergo alle Busse voll zu tun. "Es war in den 70er Jahren sehr beliebt, im Bus zu reisen, denn für ein eigenes Auto reichte oftmals das Geld noch nicht aus", weiß er. Nach Spanien, Jugoslawien, Marokko führten seine ersten Bustouren. "Klimaanlage? Ha!", da kann er heute nur lachen. "Wir waren froh, wenn der Bus überhaupt über den Flexenpass kam", sagt Karl-Heinz Wegis. Untermotorisiert sei man für solche Verhältnisse gewesen, der Motor überhitzte; warten und runterkühlen lautete da die Devise.

Brütend heiß wie in der Sauna, ohne Klimaanlage aber mit viel Abenteuergeist: Mit diesen Fahrzeugen wurden in den 1960er Jahren beim Omnibusunternehmen Wegis in Ahausen die ersten Reisen in den Sommerferien gemacht.
Brütend heiß wie in der Sauna, ohne Klimaanlage aber mit viel Abenteuergeist: Mit diesen Fahrzeugen wurden in den 1960er Jahren beim Omnibusunternehmen Wegis in Ahausen die ersten Reisen in den Sommerferien gemacht. | Bild: privat

Der Innenraum des Busses wurde zur Sauna und durch die Sonne seien die Panoramadachfenster so heiß geworden, dass die Gummis porös wurden, was zur Folge hatte, dass es im Herbst irgendwann reinregnete. Aber noch war es ja Sommer ...