Ein paar letzte Instruktionen: Bevor das Stück anfängt, erinnert Lehrerin Beatrice Simonelli vorsichtshalber noch einmal ans Wesentliche. Sicher ist sicher. Alle Punkte auf der Bühne zu berühren, die gesamte Fläche zu bespielen, das sind Prinzipien, die sich selbst ausgebuffte Schauspielprofis immer wieder in Erinnerung rufen müssen.

Anderthalb Stunden pro Woche für die Theater-AG

Um so mehr gilt dies für Anfänger, für Schüler des Markdorfer Bildungszentrums, die eine Theater-AG besuchen. Anderthalb Stunden in der Woche – in denen sie sich sonst mit Englisch, Mathematik oder Erdkunde befassen.

Anton, Jeremy und Lucia (von links) spielen im Stück „Habib und Sophia“ drei Schüler.
Anton, Jeremy und Lucia (von links) spielen im Stück „Habib und Sophia“ drei Schüler. | Bild: Jörg Büsche

„Eins, zwei, drei“, ruft Beatrice Simonelli. Damit markiert die Regisseurin, die eigentlich Physik und Mathematik unterrichtet, jedes Mal den Beginn einer Szene. „Eins, zwei, drei – Bühne frei!“, ist ein Ritual, das Halt geben soll bei der ersten Aufgeregtheit vor dem Auftritt.

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Ein Hilferuf vom Weihnachtsmann

Zu sehen sind Kinder. Sie spielen Fußball, bis sie eine Kugel aus Eis entdecken, die einen Zettel birgt: den Hilferuf vom Weihnachtsmann. Er wird von einem merkwürdigen Unhold gefangen gehalten, ist eingesperrt in einem Käfig. Erzählt wird das Märchen von einem der jungen Schauspieler. Die anderen Darsteller agieren pantomimisch. Und aus dem Publikumsraum heraus flüstert Beatrice Simonelli kleine Hinweise: mehr Gestik, noch überraschteres Staunen.

Die Theatermacherin: Beatrice Simonelli an der Eingangstür zum Theaterstudio des BZM.
Die Theatermacherin: Beatrice Simonelli an der Eingangstür zum Theaterstudio des BZM. | Bild: Jörg Büsche

Theater-AG und Wahlpflichtbereich Theaterspielen

„Ich habe schon öfter Theater gespielt“, erklärt Marieke. Die Zwölfjährige ist mit ihren Eltern aus Niedersachsen an den Bodensee gezogen. Für sie war klar, dass sie sich für den – parallel zur Theater-AG angebotenen – Wahlpflichtbereich Theaterspielen bei Beatrice Simonelli anmeldet, erzählt sie.

So wie Marieke haben auch acht weitere Schülerinnen des Kurses bereits Theatererfahrung – acht von zehn. „Wir haben viel gelernt“, erklärt Ella-Mae, zwölf Jahre, „zum Beispiel, wie man sich so auf der Bühne bewegt, dass es präsent wirkt“. Überhaupt könne man viel mitnehmen: Selbstvertrauen, mehr Sicherheit, sehr viel Spaß und die Erfahrung in der Gruppe beim Überwinden von Schwierigkeiten.

Schüler lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen

„Das war schon toll zu sehen, was wir in relativ wenig Zeit auf die Beine gestellt haben“, erklärt Marieke. Und Mara, ebenfalls zwölf Jahre alt, merkt an, „dass wir durchs Theaterspielen lernen, uns in andere Menschen einzufühlen – wie es ihnen geht, was sie vielleicht denken“.

Die Wahlpflichtbereich-Theatergruppe von Beatrice Simonelli
Die Wahlpflichtbereich-Theatergruppe von Beatrice Simonelli | Bild: Jörg Büsche

Idee für Theaterstück entstand im Rahmen des Weihnachtsbasars

Um solche Empathie geht es in „Habib und Sophia“, dem Stück, dass Naomi Leberl geschrieben hat. Die 16-Jährige engagiert sich in der Schülermitverwaltung. Wo die Idee aufkeimte, dass die Spendenziele des jüngst veranstalteten Weihnachtsbasars doch durch ein Theaterstück näher gerückt werden könnten.

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Gedanklich-emotionale Brücke nach Namibia und Bolivien

Naomi Leberl, eine der von Beatrice Simonelli ausgebildeten Theater-Mentorinnen, entwickelte also ein Stück. „Es geht um Exklusion“, erklärt sie. Die gedanklich-emotionale Brücke nach Namibia und Bolivien, wohin die Basareinnahmen fließen. Gezeigt werden Schulszenen, in denen zwei neue Schüler aus eben jenen beiden Ländern zunächst auf Ablehnung stoßen, bevor die Neugier auf das Fremde doch noch siegt.

Eine weitere Wahlpflicht-Theatergruppe des BZM-Gymansiums.
Eine weitere Wahlpflicht-Theatergruppe des BZM-Gymansiums. | Bild: Jörg Büsche

Viel Pantomime und Feilen am sprachlichen Ausdruck

Auch hier wurde pantomimisch gearbeitet. „Wir hatten ja nicht viel Zeit seit Beginn des Schuljahrs“, erläutert Regisseurin Simonelli. Das Feilen am sprachlichen Ausdruck sei der nächste Schritt.