Es gibt Konzerte, bei denen mit einem beiläufigen Blick auf die Uhr befunden wird: Jetzt ist gut und genug. Und es gibt Konzerte, bei denen man die Zeit völlig vergisst und sich irgendwann fragt: Wer hat an der Uhr gedreht? So, wie am Sonntagabend beim Sommerkonzert des Frauenchors Ton in Ton in der Mehrzweckhalle in Leimbach, wo am Ende eigentlich gar keiner nach Hause, sondern alle mehr hören wollten. Völlig unbegründet waren die anfänglichen Befürchtungen, König Fußball könnte die Halle in verwaister Abendruh und trägem Dämmerschlaf lassen, und auch die hochsommerliche Hitze konnte nicht von dieser musikalischen Soirée abhalten, sondern lediglich vom Strandbad. "Wir mussten doch tatsächlich kurz vor Beginn noch zwei Reihen zusätzlich stuhlen", räumte Silke Wietmann ein.

Stimmliche Vielfalt war das Motto, unter dessen Vorzeichen das diesjährige Sommerkonzert stand. So hatte sich Chorleiterin Galina Eberhardt einmal mehr etwas Neues einfallen lassen und einige Soloparts in das Programm aufgenommen. War es zu Beginn noch das Publikum selbst, das lautstark die Sängerinnen mit der "Fischerin vom Bodensee" begrüßte und auf heitere Weise den Abend anstimmte, so gelang es den 21 Damen in kürzester Zeit, ihre Gäste vorzüglich zu unterhalten. Mit einer legendären Filmmusik im Gehör und Robert Redford vor Augen bestand jedoch der Clou dieses Stücks im individuellen Songtext des Klassikers: "Wir machten es uns nicht leicht, manches Stück war uns zu schwer, manches zu seicht", gaben die Frauen offen und ehrlich zu und stimmlich brillant zum Besten. Und genau das macht sie aus, die Frauenpower, die allgegenwärtig ist. Ungekünstelt und authentisch kommt sie daher, und jede der Damen besticht durch Einzigartigkeit. Da ist auch mal ein falscher Einsatz kein Beinbruch, sondern einfach nur menschlich und charmant.

Auf ebenso charmante Weise führten Kerstin Hünherfauth und Brigitte Hinger mit einem bunten Liederstrauß durch den Abend und versprachen über knapp zwei Stunden kapriziöse Kurzweil und Gänsehaut-Gefühl pur – trotz erhöhter Temperaturen. Diesen Umstand wortwörtlich genommen, heizten die Frauen kurz vor der Pause dem Publikum noch einmal so richtig ein, sodass dieses "Fever" (Fieber) regelrecht am eigenen Körper zu spüren war. Den Temperaturen zufolge war das zwar keine Kunst, der stimmlichen Akrobatik von Britta Gehweiler und Silke Wietmann indes in einem Solopart mehr als ein paar Schweißperlen abverlangend.

Eine heitere Sommerreise nach Spanien, anschließend an den Golf von Neapel und schließlich auf Fahrt mit einer Troika endete ausgelassen in Russland. Da war selbst Galina Eberhardt nicht mehr auf ihrem Klavierschemel zu halten, als, zwar ohne Balalaika, aber nicht minder stimmungsvoll, Silke Wietmann auf der Gitarre und Andrea Dietenberger auf ihrem Akkordeon den musikalischen Dreispänner begleiteten und das Publikum mitrissen. Was die gebürtige Russin dann auch zum Anlass nahm, zum energischen Mitklatschen aufzufordern.

"Wieder zurück in Leimbach endet nun die Reise um die Welt mit einer Zugabe für die ganze Welt", kündigte Kerstin Hünerfauth das vorletzte Stück an, und "We are the world" ließ nun auch den Letzten nicht länger ungerührt auf seinem Stuhl verharren. Da flogen nicht nur Hände in die Höhe, sondern den Frauen auch alle Herzen zu.

Ton in Ton

Der Frauenchor Ton in Ton ist 2010 aus einer Handvoll musikalisch ambitionierter Frauen entstanden. Mittlerweile ist die Gruppe der Sängerinnen auf rund 25 Mitglieder angewachsen und wird von Galina Eberhardt geleitet. Der Chor kann für Hochzeiten und Veranstaltungen aller Art gebucht werden und hat ein reiches Repertoire an Musiktiteln verschiedener Genres und Epochen. Informationen im Internet: www.toninton-markdorf.de. (hst)