Die Planungen für eine B 31-neu sowie die Verkehrsinfrastruktur im Bodenseeraum haben Diskussionsschwerpunkte während des jüngsten CDU-Stadtgesprächs zum Thema "rund um den Verkehr" gebildet. Als Gastreferent hat die CDU Markdorf am Freitagabend den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Steffen Bilger ins Zunfthaus Obertor eingeladen. Bilger kam mit Verspätung, da in Berlin noch Abstimmungen zu absolvieren waren.

Susanne Schwaderer, Vorsitzende CDU Markdorf: "Die Bodenseegürtelbahn ist unzuverlässig, es gibt kaum Umsteigemöglichkeiten. Im Bodenseeraum funktioniert die Koordination von Bus und Bahn nicht."
Susanne Schwaderer, Vorsitzende CDU Markdorf: "Die Bodenseegürtelbahn ist unzuverlässig, es gibt kaum Umsteigemöglichkeiten. Im Bodenseeraum funktioniert die Koordination von Bus und Bahn nicht." | Bild: Toni Ganter

Franz Beer (BUND) führte beim Thema B 31-neu ins Feld, dass die nach seiner Ansicht zu bevorzugende Ausbauvariante aus finanziellen Gründen durchfallen könnte. Allerdings würden die Hinterlandtrassen mindestens auf Jahrzehnte hinaus zu einer "Entwertung der Bodenseelandschaft" führen. Würde diese Entwertung von hochwertigen Flächen bei Kostenberechnungen berücksichtigt, seien die Hinterlandtrassen nicht mehr günstiger als die Ausbauvariante. "Das Landschaftsbild sollte monetarisiert werden", befand Beer. Kerstin Mock argumentierte für die Landwirtschaft ähnlich: "Was kostet es, wenn ein Hektar Boden wegfällt, auf dem sonst Lebensmittel erzeugt würden? Diese Flächen sind dann nicht wieder herstellbar."

Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, zum Thema Straßenbaukosten/Entwertung von Landschaft: "Es ist nicht so, dass Trassen immer genau so kommen müssen, wie sie im Bundesverkehrswegeplan stehen. Es gibt Spielraum, wenn die Gesamtwirtschaftlichkeit gewahrt bleibt."
Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, zum Thema Straßenbaukosten/Entwertung von Landschaft: "Es ist nicht so, dass Trassen immer genau so kommen müssen, wie sie im Bundesverkehrswegeplan stehen. Es gibt Spielraum, wenn die Gesamtwirtschaftlichkeit gewahrt bleibt." | Bild: Toni Ganter

Steffen Bilger zeigte sich verständnisvoll, wollte aber keinerlei Hoffnungen auf etwaige Zugeständnisse machen. Maßstab sei der Bundesverkehrswegeplan. Die Abwägung beim Thema Straßenneubau und -ausbau sei schwierig. "Es werden Flächen versiegelt. Es braucht Ausgleichsmaßnahmen für die Umwelt, was wiederum in Konkurrenz zur Landwirtschaft tritt."

Das könnte Sie auch interessieren

Angesichts der von Experten prognostizierten Verkehrszunahme – bis 2030 werde 38 Prozent mehr Schwerlastverkehr erwartet – müsse eine B 31-neu gebaut werden. Bilger nannte für die B 31-neu ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 8,80 Euro je investiertem Euro. Der Staatssekretär zum Argument Kosten/Entwertung: "Es ist nicht so, dass Trassen immer genau so kommen müssen, wie sie im Bundesverkehrswegeplan stehen. Es gibt Spielraum, wenn die Gesamtwirtschaftlichkeit gewahrt bleibt."

Das könnte Sie auch interessieren

Fritz Käser, Interessengemeinschaft Verkehrsneuplanung Ittendorf, regte mit Blick auf die Klimaschutzziele einen dreispurigen Ausbau der B 31 an. Es müsse mehr Verkehr auf die Schiene gebracht werden. Der ehemalige Stadtbauamtsleiter Gebhard Geiger rief in Erinnerung, dass schon beim Planungsfall 7.5 die Prämisse "Ausbau vor Neubau" gelautet habe, hielt aber eine dreispurige Lösung für nicht leistungsfähig. Die Landschaft hier habe eine "ungeheuer hohe Wertschöpfung". Bilger entgegnete, das Bundesverkehrsministerium achte auf möglichst flächenschonenden Straßenbau. Fast überall werde auf regionale Besonderheiten hingewiesen, aber die bundesweit geltenden Kriterien seien einzuhalten.

Die Fahrgastzahlen im Schienenverkehr sollen bis 2030 verdoppelt werden. Dieses Ziel des Bundesverkehrsministeriums nannte der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger anlässlich des jüngsten CDU-Stadtgesprächs zum Thema "rund um den Verkehr".
Die Fahrgastzahlen im Schienenverkehr sollen bis 2030 verdoppelt werden. Dieses Ziel des Bundesverkehrsministeriums nannte der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger anlässlich des jüngsten CDU-Stadtgesprächs zum Thema "rund um den Verkehr". | Bild: Georg Wex

Susanne Schwaderer, Vorsitzende CDU Markdorf, brachte den ÖPNV ins Spiel: "Die Bodenseegürtelbahn ist unzuverlässig, es gibt kaum Umsteigemöglichkeiten. Im Bodenseeraum funktioniert die Koordination von Bus und Bahn nicht." Es brauche Verbesserungen im ländlichen Raum, damit der Wechsel vom Auto zu Bus/Bahn attraktiv werde. Bilger berichtete, ein Ziel sei es, die Fahrgastzahlen auf der Schiene bis 2030 zu verdoppeln. Es gebe Fördermöglichkeiten etwa aus dem Programm des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetztes (GVFG) oder aus dem Elektrifizierungsprogramm des Bundes.