Der Klimawandel sei angekommen, erklärt Stadtförster Jörn Burger. Für den Forstmann liegt der Zusammenhang mit der jüngsten Schreckensmeldung aus seinem Revier auf der Hand: „Wir haben ein massives Tannensterben bei uns am Gehrenberg“, sagt er. „Die Folgen des Klimawandels werden jetzt auch bei uns sichtbar.“

Eine von vielen absterbenden Weißtannen am Gehrenberg.
Eine von vielen absterbenden Weißtannen am Gehrenberg. | Bild: Jörg Büsche

Tannen können sich von den Folgen der Trockenheit nicht mehr erholen

Beobachtet habe er die Entwicklung schon länger. Infolge der sehr trockenen Sommer 2003 und 2006 hätten die Weißtannen am Gehrenberg stark gelitten. „Aber das waren eher schleichende Prozesse.“ Prozesse, auf die Förster Burger und seine beiden Mitarbeiter rechtzeitig reagieren konnten. Doch seit dem Hitzesommer im vergangenen Jahr sei alles anders. Die Markdorfer Tannen hätten sich seither nicht mehr erholen können. Auch im Herbst und Winter habe es an hinreichenden Niederschlagsmengen gefehlt.

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Wurzeln reichen nicht mehr bis zum Grundwasser

Die Folgen sind derzeit allerorten sichtbar am Gehrenberghang: „Rot steht für Trockenschäden“, erläutert Burger und deutet auf die verfärbten Nadeln an den Wipfeln der Bäume. Trotz ihrer tiefgreifenden Wurzeln erreichen die Weißtannen das Grundwasser nicht mehr, erklärt der Fachmann. Viele Bäume seien komplett verdorrt und müssen gefällt werden.

Vor frischem Grün zeichnen sich die Trockenheitsschäden der Tannen besonders deutlich ab.
Vor frischem Grün zeichnen sich die Trockenheitsschäden der Tannen besonders deutlich ab. | Bild: Jörg Büsche

Förster können Schadholzmengen nicht mehr alleine aufarbeiten

Was leichter gesagt als getan ist. Wie Stadtförster Burger erläutert, habe es bislang gereicht, einzelne Bäume zu fällen, damit sie weder auf die Wanderwege kippen noch zu Brutstätten für den Borkenkäfer werden. Bei den nun anfallenden Mengen kranker Tannen kämen Burger und seine Mitarbeiter jedoch kaum noch hinterher. „Wir müssen schon private Unternehmer um Hilfe bitten“, erzählt der Förster.

Die Schäden durch die Trockenheit sind bei den gefällten Bäumen auch im Stamminneren zu sehen, wie Forstmitarbeiter Bernhard Brutsch zeigt.
Die Schäden durch die Trockenheit sind bei den gefällten Bäumen auch im Stamminneren zu sehen, wie Forstmitarbeiter Bernhard Brutsch zeigt. | Bild: Jörg Büsche

Es gilt, stattliche Bäume im Alter von rund 100 Jahren abzusägen. Bäume, die bisher das Landschaftsbild geprägt haben. Und für die es sehr wahrscheinlich keinen Ersatz gibt, wie Jörn Burger sagt. „Bisher haben wir die Tanne als ‚Zukunftsbaum‘ betrachtet, der dem Klimawandel gewachsen ist.“ In diesem Punkt gelte es nun, umzudenken. Eine Alternative zur Tanne kenne er nicht.

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Forstexperten beobachten wachsende Borkenkäferpopulation

Ein anderes Problem sei der Holzmarkt, erklärt Förster Burger weiter. Die Säge-Industrie sei ausgelastet. Das drücke die Preise. Hinzu komme, dass die gefällten Tannen kaum rechtzeitig aus dem Wald abgefahren werden könnten. „Die Werke sind randvoll.“ Das habe zur Folge, dass das Holz im Wald liegen bleibe und von Borkenkäfern befallen werden könne. Dass die Population der Schädlinge größer geworden ist, beobachten die Forstleute nach Angaben von Jörn Burger seit den Stürmen im Frühjahr 2018 und seit dem darauffolgenden Hitzesommer.

Spuren des Käferbefalls: Hitze und Trockenheit stressen die Tannen, sodass sie sich nicht mehr gegen Schädlinge wehren können.
Spuren des Käferbefalls: Hitze und Trockenheit stressen die Tannen, sodass sie sich nicht mehr gegen Schädlinge wehren können. | Bild: Jörg Büsche

Auch Fichten und Eschen bedroht

„Das Land hat jetzt quasi die Notbremse gezogen“, so erläutert der Förster. Peter Hauk (CDU), Forstminister der grün-schwarzen Landesregierung, rate nun, chemische Mittel zu spritzen und den Käfer mit Insektiziden zu bekämpfen. „Gegen den Käfer kämpfen wir jedes Jahr an“, erklärt Jörn Burger. Dennoch seien die heimischen Fichten stark bedroht. Hinzu komme das seit Jahren anhaltende Eschensterben. „Und jetzt auch noch die Tanne“ klagt der Stadtförster und ist sich sicher: „Das wird unsere Landschaft nachhaltig verändern.“