Baseball-Kappe, sein Blick so offen wie das karierte Flanellhemd: Jan van Weyde wirkt wie der nette junge Mann von nebenan. Um das Publikum derart schnell um den Finger zu wickeln, wie es dem Kölner Comedian bei seinem Auftritt im Theaterstadel gelungen ist, braucht es aber noch etwas mehr. Eine große Portion Selbstironie etwa – bis hin zur Selbstverleugnung. Demonstrieren lässt sich diese beispielsweise beim Umgang mit dem eigenen Hüftspeck. Mit seiner Erklärung, wie dieser entstehen konnte, baut Jan van Weyde Publikumsnähe auf: „Ich esse gerne Süßigkeiten.“ Wer tut das nicht?

„So hört es sich an, wenn Kinder ins Bett müssen“

Überhaupt hat „Große Klappe die Erste“ – so heißt Jan van Weydes Programm – ganz viel mit Nähe zu tun. Er erzählt aus dem engsten Familienkreis, vom Vater, der Mutter, den Großeltern und den eigenen Kindern – und vom Nachbarn. Aus dessen Wohnung war lange Zeit jeden Abend pünktlich um sieben herzzerreißendes Weinen zu hören, außerdem Kinderschreie. Van Weyde dachte deshalb Schlimmstes. Aber: „Jetzt weiß ich, was das war: So hört es sich an, wenn Kinder ins Bett müssen.“

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Was untergehende U-Boote und Kleinkinder gemeinsam haben

Inzwischen genügt bereits in kurzer Ton, die Andeutung eines Jammerns – ein Schluchzer, der ihn noch gar nicht hinter sich herzieht, diesen grellen Alarmton, den nur untergehende U-Boote und Kleinkinder hervorbringen. Oder jenes Keckern, das Jan van Weyde als defekten Anlasser bezeichnet, das aber tatsächlich eher an die Balzrufe exotischer Sumpfvögel erinnert: Einige wenige dieser Knacklaute reichen vollkommen, um die Ouvertüre zu einem Weinkrampf zu skizzieren.

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Lang und breit ausgeführt hat Jan van Weyde all dies zuvor bereits. Sogar das raue Kreischen, bei dem selbst Satans Großmutter noch regelmäßig der Schreck in die Glieder fährt. Und auch die unnatürlichen, aus Exorzismus-Filmen bekannten Körperhaltungen hat er nachgemacht: bei seinem rückhaltlosen Bekenntnis, wie er zu einem „Voll-Psychopathen“ geworden sei. Wie eigentlich alle Väter, die sich über die ersten Gehversuche ihrer Kinder freuen und die alle Albernheiten mitmachen – so selbstverleugnerisch wie stolz auf ihren Nachwuchs.

Vom eigenen Vater mit Smartphone und von Paaren im Geburtsvorbereitungskurs

Der Comedian schöpft aus dem Vollen. Und bis zur Erschöpfung lacht sein Publikum über die Familiengeschichten. Über den Vater, der, hilflos wie ein Urmensch, mit dem Smartphone hantiert. Über Paar-Verhalten in Geburtsvorbereitungskursen, vor allem aber über Jan van Weydes schonungslose Offenherzigkeit, in der sich das Publikum spiegeln darf, ohne aber erschrecken zu müssen.