Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) steht in der Kritik. Auf dem Internetauftritt der Stadt ist das AST als ein bedarfsorientiertes Verkehrssystem ausgewiesen, was allen Fahrgästen ein preisgünstiges öffentliches Verkehrsmittel bieten möchte. In letzter Zeit wackelt diese Idee. Ja, Klagen wegen dem AST seien an sie herangetragen worden, sagt die Fraktionschefin der Umweltgruppe (UWG), Susanne Deiters Wälischmiller. "Dabei ist von langen Wartezeiten die Rede, aber auch von unfreundlichem Personal", sagt sie. Der Ordnungsamtsleiter der Stadt, Jürgen Hess, bestätigt solcherlei Klagen, schränkt aber ein: "Es kam lediglich vereinzelt Kritik bezüglich mangelnder Pünktlichkeit."

Dennoch möchte Hess demnächst die Qualität des AST überprüfen. "Wir bereiten eine Kundenbefragung vor, in der wir die Häufigkeit der Nutzung, Kundenzufriedenheit sowie die Qualität der Fahrzeuge und die Pünktlichkeit abfragen." Außerdem werde zum Thema AST und Kundenbefragung voraussichtlich in der Sitzung des Gemeinderates am Dienstag, 27. März, eine Bekanntgabe oder Beratung stattfinden, sagt er. Ein wenig verschnupft reagiert die Buchhalterin der Taxizentrale Meersburg, Beatrix Bunge, auf die Kritik. Ihr Unternehmen organisiert das AST. "Viele Leute wissen nicht, was der Begriff AST bedeutet. Das Taxi sammelt die Haltestellen", erklärt Bunge und ergänzt: "Manchmal haben wir an einer Uhrzeit vier verschiedene Haltepunkte in unterschiedlichen Richtungen." Wenn der Fahrer nun alle vier Fahrgäste aufgenommen hat, müsse er in der kürzesten Zeit die kürzeste Route heraussuchen, sagt sie.

Ein Mitarbeiter muss zu jedem Fahrgast einen Zettel ausfüllen. "Das braucht noch mal Zeit, die der Fahrer eigentlich nicht hat", sagt Beatrix Bunge und ergänzt: "An anderen Haltestellen wartet unter Umständen schon wieder neue Kundschaft." Neben dem Datum, der Abfahrtszeit, der Wagennummer, muss der Fahrer auch das Geschlecht des Reisenden eintragen und ob ein Kind mitgefahren ist. Dazu notiert er den Namen, die Anzahl der Fahrten sowie den Start- und Zielort. Hierbei ist etwas Besonderes zu beachten: Ist der Reisende durch einen Schwerbehindertenausweis befreit, muss der Fahrer die Nummer des Ausweises auf dem Schein notieren. "Ohne diese Nummer schickt uns die Stadtverwaltung den Fahrschein zurück, mit der Bitte unsere Mitarbeiter noch mal darauf hinzuweisen, dass der Zettel vollständig auszufüllen ist", sagt Beatrix Bunge.

Susanne Deiters Wälischmiller setzt sich mit der Umweltgruppe für eine bessere Gestaltung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt ein. Sie gibt auch ein Beispiel, wie das aussehen könnte: "In Götzis in Vorarlberg gibt es einen Stadtbus." Dieser sei lediglich grün, habe keine Beschriftung. Auf dem Internetauftritt wirbt die Gemeinde mit modernen Niederflurbussen: Im Halbstunden-, am Wochenende Stundentakt, werden alle Ortsteile von Götzis und alle Nachbargemeinden mit dem Ortszentrum und dem Bahnhof verknüpft. Wälischmiller geht für Markdorf sogar noch weiter: "Die Frage ist doch, wie bekommen wir die Autos aus der Stadt."

 

Das Angebot

Das AST fährt seit September 2001. Das Angebot soll bestehende Fahrplanlücken während des Tages schließen. Zum Gebiet des AST gehört die Kernstadt von Markdorf mit ihren Stadt- und Ortsteilen. Laut der Stadtverwaltung soll dieses Angebot im öffentlichen Personennahverkehr eine Ergänzung zum vorhandenen Linienverkehr darstellen. Der städtische Zuschuss betrug im Jahr 2017 über 56 000 Euro. Ein Fahrgast bezahlt pro Fahrt 2,80 Euro, die restlichen Kosten des Fuhrunternehmens, die je nach Fahrstrecke bis zu 20 Euro betragen, übernimmt die Stadt.

Weitere Informationen: www.markdorf.de