Es tut sich was. Das war Dietmar Bitzenhofers freudige Nachricht zu Beginn seines diesjährigen kommunalpolitischen Sommergesprächs mit dem SÜDKURIER. Dass die Planungen für den Kindergarten im Markdorfer Süden abgeschlossen sind und bald mit dem Bau begonnen werden kann, führt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler ebenso an wie die voranschreitende Sanierung im Ortsteil Möggenweiler.

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Und aus dem Bahnhof könne auch etwas werden, sofern Gemeinderat und Verwaltung zustimmen. Den hat die Stadt vor sieben Jahren gekauft. Vier Jahre später monierte Bitzenhofer beim Sommergespräch 2016: Es werde viel über den Bahnhof diskutiert, doch tue sich nichts bei dem historischen Gebäude.

Pläne für den Bahnhof noch nicht öffentlich

„Öffentlich ist das uns inzwischen vorliegende Konzept ja noch nicht“, erklärt der Freie-Wähler-Stadtrat, „aber die Pläne sehen sehr ansprechend aus.“ Sie kämen nicht aus der Verwaltung. Es sei das eingetreten, was Bitzenhofer von Anfang an prophezeit habe. „Man hat Dritte ran gelassen.“

Der Markdorfer Bahnhof steht seit Jahren leer und ist dringend sanierungsbedürftig. Für eine Neunutzung strebt die Stadt eine Investorenlösung an. Bild: Helmar Grupp
Der Markdorfer Bahnhof steht seit Jahren leer und ist dringend sanierungsbedürftig. Für eine Neunutzung strebt die Stadt eine Investorenlösung an. Bild: Helmar Grupp | Bild: Grupp, Helmar

Seiner Meinung nach habe nur so eine umsetzbare Planung zustande kommen können – beim Aushängeschild der Stadt für Bahnreisende. „Geplant ist ein gastronomischer Betrieb sowie ein privater Fahrkarten- beziehungsweise Ticketverkauf für den öffentlichen Personen-Nahverkehr.“

Bischofsschloss: Jahrhundert-Chance verpasst

Apropos Aushängeschild der Stadt. Als ein solches betrachten viele das Bischofsschloss. Hier hat sich beim Bürgerentscheid im Dezember 2018 eine, wenn auch knappe Mehrheit, gegen den geplanten Umzug der Verwaltung vom bestehenden Rathaus in den teilweise neu zu errichtenden Schlosskomplex entschieden. „Womit aus meiner Sicht eine Jahrhundert-Chance verpasst ist“, sagt Dietmar Bitzenhofer.

Durchs Ergebnis des Bürgerentscheids zum Bischofsschloss sieht Dietmar Bitzenhofer „eine Jahrhundertchance“ verpasst.
Durchs Ergebnis des Bürgerentscheids zum Bischofsschloss sieht Dietmar Bitzenhofer „eine Jahrhundertchance“ verpasst. | Bild: Jörg Büsche

Hier zeigt er sich eher pessimistisch. „Was nun aus dem Bischofsschloss wird, bleibt offen.“ Sich um eine sinnvolle Nutzung kümmern und parallel dazu das Rathausareal zu entwickeln, damit sehe er die die Stadt überfordert. Auf diesen Pessimismus angesprochen, erklärt er: „Ich bin nicht pessimistisch, ich bin ehrlich – und pragmatisch.“

Viele Herausforderungen für die Stadt

Insgesamt sieht er die Stadt von den vielen anstehenden Aufgaben herausgefordert. „Wir stehen zwar finanziell immer noch recht gut da“, so Bitzenhofer, „aber es sind einfach zu viele Projekte, die nun anstehen.“ Er nennt zum Beispiel die Grundschulen, die Rathaussanierung, die Südumfahrung.

Wie geht es an der Jakob-Gretser-Grundschule weiter?
Wie geht es an der Jakob-Gretser-Grundschule weiter? | Bild: Büsche, Jörg

Was die Nürtinger Architektengemeinschaft für die Jakob-Gretser-Schule plant, gefalle Dietmar Bitzenhofer zwar sehr gut, doch „frage ich mich, ob das ökonomisch noch sinnvoll ist – 28,5 bis 30 Millionen Euro, das sprengt doch jeden Rahmen.“

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Weshalb der Freie-Wähler-Fraktionschef das Konzept auch als „schwer zu verwirklichen“ bezeichnet. Ihm schwebt stattdessen eine schlankere Lösung vor, etwa der Verzicht auf die geplante zweite Sporthalle oder ein weiterer, kostengünstigerer Schulstandort.

Dabei blickt er gen Bermatingen. Die dortige Maschinenfabrik habe für runde zehn Millionen Euro ein „imposantes Gebäude“ erstellt. Fabrikhalle und Schule seien zwar nicht vergleichbar. Jedoch zeige allein die Dimension, was für einen überschaubareren Betrag zu haben ist. „Wenn wir jetzt 30 Millionen investieren, dann bleibt uns nicht mehr viel übrig.“

Kostensteigerungen seien „allgemeines Phänomen

Hier erinnert der Stadtrat an die Pläne in der Leimbacher Grundschule – und auch auf die nun angestiegenen Kosten, die die Stadt am Bildungszentrum zu tragen hat. „Ich will niemandem schlechtes Planen vorwerfen“, betont Bitzenhofer.“ Dass die Kosten davonlaufen, sei ein allgemeines Phänomen. Das zeige auch die jüngste Entwicklung am Sammler in der Eisenbahnstraße.

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„Visionen für die Zukunft unserer Stadt“, so spielt der Freie-Wähler-Stadtrat auf ein früheres Interview an, „Visionen brauchen wir immer noch keine.“ Allenfalls vernünftige Konzepte, die dann auch konsequent umgesetzt werden. Hier wünscht sich Bitzenhofer eine große Portion gesunden Pragmatismus. „In der rheinischen Heimat meiner Frau hat man den – es heißt dort: Et kütt, wie et kütt, es kommt wie es kommt.“

Video: Jörg Büsche

Das andere rheinische Prinzip zitiert er gleichfalls: „Et hätt noch immer jotjejange“, es ist noch immer gutgegangen. Doch hier meldet Bitzenhofer Zweifel an. „Wenn wir jetzt daran festhalten, partout keine Schulden zu machen, dann hinterlassen wir unseren Kinder finanzielle Belastungen viel größerer Art.“

Verkehrsprobleme müssen gelöst werden

Denn es zeichne sich in vielen Bereichen der Stadt dringender Handlungsbedarf ab. So gelte es, die Verkehrsprobleme zu lösen. „Die Umgehungsstraße gehört zu den Dingen, die keinen Aufschub vertragen, wo Investitionen getätigt werden müssen“, so Bitzenhofer.

Er plädiert unbedingt für die Umgehungsstraße für Markdorf.
Er plädiert unbedingt für die Umgehungsstraße für Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

„In diesem Punkt verstehe ich Bürgermeister Georg Riedmann nicht, der gegen die planfestgestellte Umfahrung Markdorfs ist.“ An der sich das Land mit 9,5 Millionen, der Kreis mit dem zweiten Drittel beteiligt, sodass auf Markdorf nur noch ein Drittel zukomme.

„Solch eine Entscheidung ist sicherlich einmalig in der Bundesrepublik“, erklärt der Stadtrat. Die Südumfahrung halte er im Übrigen auch deshalb für notwendig, da „dann niemals eine Entlastung für Bermatingen und Salem kommt“.

Mehr Einsatz für den Klimaschutz

Mit Blick auf die Klimaschützer wundert sich der Freie Wähler: „Warum jetzt erst?“ Wie dringlich der Umweltschutz sei, wisse man bereits seit 20 Jahren. „Diesen plötzlichen Hype um ein 16-jähriges Mädchen kann ich nicht nachvollziehen – zumal ich auch nicht weiß, von wem womöglich gesteuert ist.“

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Für ihn sei der Klimaschutz schon lange ein Thema, weshalb er sich unter anderem auch in der Projektgruppe Solares Bürgerdach engagiert habe. Auch die Stadt könne einiges machen. LED-Leuchten in den Kindergärten seien ein Beispiel. Die Freien Wähler werden den Antrag stellen, ein Prozent der Gewerbesteuer-Einnahmen im Haushalt für die Nutzung regenerativer Energie einzuplanen.