Die Ernteprognose von Manfred Büchele, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Obstbau-Bodensee, Ravensburg-Bavendorf, lautet: "Für den Bereich Bodensee kann beim Tafelobst bei den meisten Betrieben eine normale bis gute Ernte erwartet werden. Vereinzelt gibt es Betriebe mit Hagelschäden."

Früherer Einstieg in den Verkauf

Die Marktaussichten bezeichnet Büchele als durchwachsen. Positiv wirke sich der um zwei bis drei Wochen frühere Einstieg in den Verkauf aus, das entspreche einer um 5 Prozent längeren Vermarktungssaison. "Es gibt keine Überhänge aus der vorherigen Ernte. Am Bodensee kann mit Hinweis auf gute Verfügbarkeit bei den gefragten Sorten Elstar sowie Clubsorten gepunktet werden", erklärt Büchele. Vom Marktumfeld werde man sich jedoch nicht ganz abkoppeln können. Für die Ernte bedeute dies, keine großen Erwartungen in den Verkauf von Klasse 2 – das ist Tafelobst mit optischen Mängeln – zu setzen, sondern diese Äpfel eher in die Verwertung zu bringen.

"Für den Bereich Bodensee kann beim Tafelobst bei den meisten Betrieben eine normale bis gute Ernte erwartet werden. Vereinzelt gibt es Betriebe mit Hagelschäden."Manfred Büchele, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee, Ravensburg-Bavendorf
"Für den Bereich Bodensee kann beim Tafelobst bei den meisten Betrieben eine normale bis gute Ernte erwartet werden. Vereinzelt gibt es Betriebe mit Hagelschäden."Manfred Büchele, Geschäftsführer Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee, Ravensburg-Bavendorf | Bild: privat

Markdorfer Landwirt positiv überrascht

Der Markdorfer Obsterzeuger Wolfgang Zurell hat mit der Elstar-Ernte begonnen. Er ist unterm Strich zufrieden: "Ich bin positiv überrascht, dass die Äpfel trotz der Trockenheit marktfähige Größen von 65 bis 85 Millimeter Durchmesser erreicht haben." Er spricht für seinen Betrieb von einer guten Ernte. "Die Qualität stimmt, der Zuckergehalt ist weit über dem Durchschnitt, die Äpfel haben ein intensives Aroma." Das gezielte Auspflücken von zu kleinen Äpfeln sei absolut notwendig gewesen, um marktfähige Qualität sicherzustellen. Bei Braeburn sehe die Situation etwas anders aus. Diese Sorte habe es bei Trockenheit sehr schwer. Es sei noch nicht ganz heraus, ob Braeburn-Äpfel nach den jüngsten Regenschauern im Wachstum – sprich in der Fruchtgröße – noch aufholen.

Dieser Elstar hat Sonnenbrand. Erkennbar am orangefarbenen Fleck. Solche Äpfel sind nicht als Tafelobst geeignet.
Dieser Elstar hat Sonnenbrand. Erkennbar am orangefarbenen Fleck. Solche Äpfel sind nicht als Tafelobst geeignet. | Bild: Toni Ganter

Obsterzeuger musste 30 Prozent der Äpfel opfern

Ein betroffener Obsterzeuger ist beispielsweise Achim Kotte vom Winkelhof, Deggenhausertal. Er baut als Hauptsorten Elstar und Gala an. Zu Anfang habe alles optimal ausgesehen: Es habe Vollblüte gegeben und danach sei tolles Wetter gewesen... Dann kam alles anders: "Schon im Juli zeichnete sich ab, dass es Mengenverluste geben wird... Wir haben Ende Juli/Anfang August rund 30 Prozent der Früchte opfern müssen, damit die verbleibenden Äpfel die marktfähige Qualität erreichen", berichtet Kotte. "Die Äpfel sind im Durchschnitt im Durchmesser um fünf Millimeter kleiner als in früheren Jahren." Als ideal gelten 70 bis 85 Millimeter, damit können die besten Preise erzielt werden. Kotte rechnet mit zehn bis 20 Prozent Ertragsausfall. "In früheren durchschnittlichen Jahren haben wir rund 400 Tonnen geerntet. Dieses Mal werden es wohl 300 bis 320 Tonnen."

Ein Elstar-Apfel, der im Durchmesser deutlich weniger als 70 Millimeter hat.
Ein Elstar-Apfel, der im Durchmesser deutlich weniger als 70 Millimeter hat. | Bild: Toni Ganter

Kaum Fruchtzuwachs bei Sorte Gala

Auch Hubert Sträßle aus Bermatingen-Ahausen rechnet mit Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent. Er baut die Hauptsorten Elstar, Gala, Jonagold und Braeburn an. Sträßle erwartet bei Elstar eine normale Ernte. Gala habe es am schwersten, weil diese Sorte unter Trockenheit leidet. "Wir haben Gala und Braeburn gewässert", erzählt Sträßle. Dennoch habe es beim Gala innerhalb einer Woche kaum Fruchtzuwachs gegeben.

Dieser Elstar-Apfel hat mehr als 70 Millimeter Durchmesser und ist mit Blick auf die Vermarktung im Bereich der Idealgröße.
Dieser Elstar-Apfel hat mehr als 70 Millimeter Durchmesser und ist mit Blick auf die Vermarktung im Bereich der Idealgröße. | Bild: Toni Ganter

Erste Mostäpfel so früh wie nie geerntet

Nach Beobachtungen des Mostobsterzeugers Norbert Steidle aus Deggenhausertal-Obersiggingen sind die Auswirkungen der Hitze und Trockenheit deutlich zu sehen: "Die Bäume lahmen. So trocken war es im Deggenhausertal noch nie." Und noch nie seien erste Mostäpfel so früh wie dieses Mal geerntet worden. An der Annahmestelle seien schon am 11. August vier Container zu je 12 Tonnen gefüllt worden. "Was bisher geerntet wurde, eignet sich eher zum Zumischen bei süßen Säften", lautet Steidles Einschätzung. Bis in zwei, drei Wochen werde die Qualität der Mostäpfel so sein, dass sie für die Eigenverwertung für Säfte oder Brände geeignet sind. Seinen Ernteertrag schätzt Steidle als "gut" ein. "Aber es wird keinen Rekordertrag geben, weil die Äpfel durch die Trockenheit kleiner sind als sonst."

Video: Toni Ganter