Frau Fölsche, wo kann ein Markdorfer Ihre Arbeit sehen oder spüren?

Es gibt viele Aktivitäten, bei denen man uns in Markdorf sieht. Etwa im Bildungszentrum Markdorf auf dem sogenannten Marktplatz Beruf. Dort üben wir mit den Schülern Bewerbungsgespräche, vermitteln Kontakt zu Ausbildern und können Patenschaften für Schüler der Werkrealschule übernehmen. Aktuell sieht man uns auch bei der Abholung und Lieferung von alten Möbeln, die wir im Möbelkreisel an Asylanten vermitteln. Daneben auf unseren Ständen beim Dixiefest oder dem Weihnachtsmarkt. Oder im Hepbacher Ried, wenn wir gemeinsam mit dem BUND indisches Springkraut jäten. Einige unserer Aktivitäten sind nicht unbedingt in Markdorf sichtbar.

Welche Aktivitäten sind es denn, die man nicht zwangsläufig wahrnimmt?

In der Vergangenheit haben wir uns insbesondere Projekten zugunsten von Kindern und Jugendlichen gewidmet. Und im Speziellen der Förderung eines Waisenhauses und einer Schule in der ghanaischen Stadt Begoro und einem Kinderhaus in Mindersdorf. Hinzu kommen viele weitere kleine Projekte.

Warum ist es gut, dass es den Rotary Club gibt?

Rotary versteht sich als weltweite Vereinigung berufstätiger Mitglieder, von denen berufliche Leistungen, persönliche Integrität, eine weltoffene Einstellung sowie die Bereitschaft zu gemeinnützigem Engagement erwartet werden. Dabei ist Toleranz gegenüber allen Völkern, Religionen, Lebensweisen und demokratischen Parteien für Rotarier das oberste Gebot. In der heutigen Zeit der Leistungsorientierung und Individualität ist es wichtig, für Werte einzustehen und Menschen, die in Not sind, zu unterstützen. Und: Es ist gut, dass es den Rotary-Club Markdorf gibt, denn so gibt es Aktionen von Markdorfern, die einen starken Bezug zur Region haben, für Markdorfer.

Das ist eine Menge, worin betrachten Sie denn pauschal die Hauptaufgabe?

In gemeinnützigen Projekten in Markdorf und auch international Gutes zu tun.

Wie sind Sie persönlich das erste Mal mit dem Rotary-Club in Verbindung gekommen?

Ich wurde nach meinem Umzug nach Markdorf angefragt, ob ich einen Vortrag halten könne. Damals habe ich etwas zum Thema "Compliance" (Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in Unternehmen, aber auch von freiwilligen Vereinbarungen, Anm. d. Red.) erzählt, was zu der Zeit ein hochaktuelles Thema war. Wir versuchen möglichst häufig Vorträge anzubieten, die die Gesellschaft bewegen.

Warum haben Sie sich im Anschluss dazu entschieden, dort mitzuarbeiten?

Ich finde es persönlich wichtig, sich sozial zu engagieren und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Das verbunden mit der Möglichkeit auch Markdorfer anderer Berufe und Branchen kennenzulernen und gemeinsam mehr zu bewirken, hat mich begeistert.

Ist es so, dass das sogenannte Networking einen Anreiz für die Mitarbeit im Club darstellt?

Ich vermute, Sie meinen mit der Frage das berufliche Networking. Ich für meinen Teil würde die Frage bejahen, allerdings im Hinblick auf freundschaftliches Networking. Wir sind zugezogen und haben über den Club schnell Freundschaften schließen können. Das stellte für mich natürlich auch einen Anreiz dar, weil ich erst kurze Zeit hier wohnte. Es kommen Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammen, lernen sich kennen und es entstehen freundschaftliche Verbindungen der Mitglieder und ihrer Familien.

Können Sie den Außenstehenden einen Überblick über die Strukturen innerhalb des Vereins geben?

Wir treffen uns wöchentlich, mittags oder abends. Neben der Besprechung von Projekten und Aktionen, haben wird dann einen Vortrag oder eine Betriebsbesichtigung zu einem aktuellen Thema, das anschließend diskutiert wird. Wir sind derzeit rund 40 Mitglieder und haben ein Durchschnittsalter von 56 Jahren. Jährlich kommen ein oder zwei Mitglieder hinzu. Unser Frauenanteil beträgt 25 Prozent. Jüngere Mitglieder sind in der Nachwuchsorganisation Rotaract organisiert.

Schauen Interessierte einfach bei Ihren Treffen vorbei?

In der Regel werden diese von einem Mitglied eingeladen.

Ich könnte also nicht einfach zu einem Termin kommen und meine Mitarbeit anbieten?

Das kommt normalerweise nicht vor.

Sie sind seit Juli die Vorsitzende des Markdorfer Rotary-Clubs. Wie viel Zeitaufwand bedeutet dieses Ehrenamt für Sie?

Das hängt ganz von den Projekten ab. Wir haben eine Reihe an Projekten geplant, für die sich alle zeitlich einbringen müssen, beispielsweise erfordert der Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt ein ganzes Wochenende am Stück. Während solche Phasen sehr intensiv sind, laufen in der Ferienzeit eher weniger Aktionen. Für die wöchentlichen Treffen kann man zwei bis drei Stunden einplanen. In unseren Projekten haben wir die Aufgaben auf viele Schultern verteilt, sodass ich in meiner aktuellen Funktion nicht zwangsläufig sehr viel mehr mache als andere Clubmitglieder.

Ist es schwieriger geworden, Gleichgesinnte zu finden, die bereit sind, etwas abzugeben? Sei es in materieller Form oder in Form von unentgeltlichen Einsätzen?

Nein, grundsätzlich nicht. Jedoch ist ein hohes zeitliches Engagement gefordert, sowohl durch Teilnahme an den wöchentlichen Treffen sowie dem Einsatz in den Projekten. Die große Mehrheit unserer Mitglieder ist aber auch beruflich sehr engagiert, gleichzeitig stehen familiäre Verpflichtungen an. Das zeitliche Engagement ist wichtiger als finanzielle Beiträge wie durch Spenden.

Haben Sie sich gezielt als Vorsitzende angeboten oder wurden Sie überredet?

Weder noch. Ganz im rotarischen Sinne wechseln die Amtsträger im Club jährlich. Nachdem ich das internationale Ressort verantwortet hatte, hat mich meine Vorgängerin, Heidrun Braun-Wiedemann, als ihre Vizepräsidentin vorgeschlagen. Und damit war auch schon, wie bei allen anderen, die dieses Amt bekleiden, festgelegt, dass ich ein Jahr später Präsidentin werde.

Welche Ziele verfolgen Sie als Präsidentin mit dem Club?

Ich möchte die erfolgreiche Arbeit meiner Vorgänger weiterführen und weitere Projekte in Markdorf starten

Fragen: Christoph Heuser