Das war eine sehr überraschende Rede, die Bürgermeister Georg Riedmann beim Neujahrsempfang gehalten hat. Kein Wort zu den Großprojekten wie Bischofschloss, Rathausareal, Mobilitätskonzept, noch zu den öffentlich vieldiskutierten Themen wie Planungsfall 7.5 oder Ortsumfahrung Kluftern – abgesehen vielleicht von der Schulentwicklung. Wo blieben die konkreten Inhalte? Stattdessen war von Stimmungen, Haltungen und sozialem Miteinander die Rede. Beim genauen Durchlesen des Manuskripts wird dann aber deutlich: Es war eine sehr programmatische Rede, die Riedmann gehalten hat. In 30 Minuten hat er detailliert seine Vorstellungen von einer Bürgergesellschaft vorgestellt und dem Weg, den sie nach seinem Dafürhalten angesichts der großen Herausforderungen, Stichwort Integration von Flüchtlingen, in der Zukunft einschlagen sollte. Das muss ihm ein Anliegen gewesen sein.

Zu den Großprojekten selbst wurde hingegen in den vergangenen Wochen und Monaten hinreichend ausführliches gesagt und geschrieben, zuletzt im Jahresinterview dieser Zeitung mit Riedmann vor dem Jahreswechsel. Diese Projekte sind geplant, aber ihre Realisierung steht noch aus. Will man verstehen, weshalb Riedmann in Sachen Schulen, Schloss und Wohnbauen im Grivitenareal den zügigen Beginn der Umsetzungen anmahnt und – übrigens auch im Rat – aufs Tempo drückt, muss man sich vor Augen halten, dass für ihn nun Halbzeit ist. In vier Jahren wird er sich Stand jetzt zur Wiederwahl als Bürgermeister stellen. Dann wird er konkrete Projekte brauchen, die er in seiner ersten Amtszeit verwirklicht hat. Alleine mit Verweis auf eine positive Grundstimmung in der Stadt lässt sich kein Wahlkampf bestreiten. Riedmann wird auch daran gemessen werden, welche Vorhaben er in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit realisieren konnte.

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