Zwölf Tage vor der Kommunalwahl hat das Markdorfer Bildungszentrum 15 Kandidaten aus Markdorf und Bermatingen zu Podiumsrunden gebeten. Sie fanden parallel statt. Mit Abstand die meisten Schüler hörten den Kandidaten für den Markdorfer Gemeinderat zu. „Das ist unsere erste Podiumsveranstaltung vor einer Kommunalwahl“, erklärte Gemeinschaftskundelehrer Jochen Jehle.

Legen ihre Standpunkte dar, die Kandidaten für den künftigen Gemeinderat (von links) Uli Maasmeier, Stephan Seidel, Michael Holstein, Sabrina Heiß, Alexander Keller, Joachim Mutschler, Leo Irudayam und Helmut Lemp.
Legen ihre Standpunkte dar, die Kandidaten für den künftigen Gemeinderat (von links) Uli Maasmeier, Stephan Seidel, Michael Holstein, Sabrina Heiß, Alexander Keller, Joachim Mutschler, Leo Irudayam und Helmut Lemp. | Bild: Jörg Büsche

„Habt ihr Fragen an die Kandidaten?“, wollte Naja Begics wissen. Neben Lisann Speldrich und Theo Prinz moderierte die Oberstufenschülerin den Nachmittag. Wobei sich der erste Themenkomplex auf das bezog, was viele Schüler beschäftigt. Welche Position die Kandidaten zur „Fridays for Future“-Aktion einnehmen?

Charles Sampson, 17, Schüler am BZM: „Leider darf ich ja nicht mitwählen bei der Kommunalwahl. Ich bin amerikanischer Staatsbürger. Trotzdem interessiere ich mich sehr für das, was in der Stadt passiert.“
Charles Sampson, 17, Schüler am BZM: „Leider darf ich ja nicht mitwählen bei der Kommunalwahl. Ich bin amerikanischer Staatsbürger. Trotzdem interessiere ich mich sehr für das, was in der Stadt passiert.“ | Bild: Jörg Büsche

Er wolle niemanden zum Schuleschwänzen animieren, erklärte SPD-Kandidat Stephan Seidel. Gleichwohl unterstütze er „Fridays for Future“, weil es an der Zeit sei, dass sich etwas ändert in der Umweltpolitik. Uli Maasmeier, gleichfalls SPD, hatte zuvor darauf hingewiesen: „Es gibt ja schon einige Selbstverpflichtungen, nur müssen die auch umgesetzt werden.“ Michael Holstein, der für die Freien Wähler antritt, hält den Umweltschutz unbedingt für ein wichtiges Thema, das aber keineswegs ausgeklammert werden darf aus einer auch kritischen Betrachtung.

Dies ist die Kandidatengruppe, die es befürworten, wenn Schüler für den „Fridays for Future“ die Schule ausfallen lassen.
Dies ist die Kandidatengruppe, die es befürworten, wenn Schüler für den „Fridays for Future“ die Schule ausfallen lassen. | Bild: Jörg Büsche

CDU-Kandidatin Sabrina Heiß hinterfragt den Termin. Engagement für die Umwelt sei sicherlich auch an Samstagen fruchtbar. Deswegen müsse niemand die Schule ausfallen lassen. Dem hielt Alexander Keller, ebenfalls für die CDU, entgegen: Das freitägliche Nicht-zur-Schule-Gehen sei schlechterdings medienwirksamer. Es bringe mehr Aufmerksamkeit für die Sache. Unterstützung findet „Fridays for Future“ auch seitens der FDP. Leo Irudayam und Helmut Lemp sprachen sich dafür aus. Lemp sieht ein wichtiges Signal für die Politiker. Aber Irudayam hegt dennoch Zweifel an der Wirksamkeit der Demonstrationen.

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Geradezu begeistert zeigte sich Joachim Mutschler (Umweltgruppe) von „Fridays for Future“. Er begrüßte diese „Art von zivilem Ungehorsam – und dass unsere Jugend wieder politisch aktiv wird“. Mit dem Appell „Glaubt nicht alles!“ wandte er sich direkt an die Schüler. Und er bezog sich dabei auf die Aussagen der Nicht-Umweltgruppen-Kandidaten, die laut Mutschler vom Umweltschutz zwar reden, deren Fraktionen im Rat jedoch anders abstimmten.

Die Kandidaten für den Gemeinderat in Bermatingen.
Die Kandidaten für den Gemeinderat in Bermatingen. | Bild: Jochen Jehle

Gleiches Verhalten monierte Mutschler bei Jugendthemen. Die Umweltgruppe habe sich in der Vergangenheit für legale Montainbike-Trails am Gehrenberg eingesetzt. „Das wurde im Gemeinderat abgeschmettert.“ Das gleiche Abstimmverhalten bei der von der Umweltgruppe beantragten Jugendvertretung. „Wir werden uns aber auch weiterhin für einen Jugendgemeinderat einsetzen“, versprach Mutschler.

Svenja Mantz, 17, Schülerin am BZM: „Dass wir hier in der Schule über die anstehenden Kommunalwahlen informiert werden, finde ich richtig cool. Das ist doch für uns eine gute Möglichkeit, mehr zu erfahren.“
Svenja Mantz, 17, Schülerin am BZM: „Dass wir hier in der Schule über die anstehenden Kommunalwahlen informiert werden, finde ich richtig cool. Das ist doch für uns eine gute Möglichkeit, mehr zu erfahren.“ | Bild: Jörg Büsche

Positiv zu einer Jugendvertretung äußerten sich auch Seidel und Maasmeier (SPD). Lemp und Irudayam gleichfalls, sie erwarten aber Aktivität der Jungen. Keller und Heiß setzen auf Freiwilligkeit. Und Michael Holstein hofft auf neue Beteiligungsformen – vor allem auf mehr Jugendräume. Verwaltungsfachmann Helmut Lemp (FDP) gab dem jungen Publikum den Rat: „Wenn 20 Jugendliche einen Antrag ausfüllen, muss der Rat das beraten.“

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