"Es ist unglaublich, was die Deutschen alles mit Brot essen: Da kommt Marmelade oder Käse, Wurst, sogar Gemüse auf das Brot", erzählt Sàmuel Chudý aus Bratislava staunend auf die Frage, was für ihn nach einer Woche typisch Deutsch sei. Der Zwölfjährige ist einer von 15 Schülern aus der slowakischen Hauptstadt, die anlässlich eines erstmaligen Schüleraustauschs zu Besuch an der Realschule des Bildungszentrums Markdorf sind.

Direktorin Renàta Balogovà, Deutschlehrer Wolfgang Switlick und Grundschullehrerin Zuzana Hanzloviovà (von links) aus Bratislava organisierten und begleiteten den ersten slowakischen Schüleraustausch am Bildungszentrum Markdorf.
Direktorin Renàta Balogovà, Deutschlehrer Wolfgang Switlick und Grundschullehrerin Zuzana Hanzloviovà (von links) aus Bratislava organisierten und begleiteten den ersten slowakischen Schüleraustausch am Bildungszentrum Markdorf.

Sie werden begleitet von ihrer Lehrerin Zuzana Hanzloviovà, der Direktorin Renàta Balogovà sowie Wolfgang Switlick, der seit zwei Jahren an der slowakischen Schule Deutsch unterrichtet. Der ehemalige Markdorfer Realschullehrer bereist seit vielen Jahren den ost- und mitteleuropäischen Raum und ist begeistert von Land, Leuten und Kultur. "Die Ausschreibung des Landesprogramms zur Förderung der deutschen Sprache im mittel- und osteuropäischen Raum war für mich die Gelegenheit, dieses faszinierende Land noch anders kennenzulernen und dabei meinen Lehrerberuf ausüben zu können", berichtet der Slowakeifan.

Spätestens ab der 1. Klasse lernen Kinder Deutsch

In der Slowakei lernen die Kinder teilweise schon im Kindergarten Deutsch, aber spätestens ab der 1. Klasse. Die Grundschule geht bis zur 9. Klasse. Dabei hat der Deutschunterricht einen Umfang von anfänglich zwei, später bis zu acht Stunden pro Woche in den oberen Klassen.

Sanja Schlude: "Wir erzählen uns vom Leben und was die Unterschiede sind"

Sanja Schlude (14 Jahre) aus Salem findet es spannend, eine andere Kultur kennenzulernen, die vielen hier so unbekannt ist.
Sanja Schlude (14 Jahre) aus Salem findet es spannend, eine andere Kultur kennenzulernen, die vielen hier so unbekannt ist. | Bild: Kerstin Oettle

Sanja Schlude aus Salem hat die 13-jährige Veronika bei sich in der Familie zu Gast und ist begeistert, wie gut die Schüler Deutsch sprechen. "Wenn wir abends Freizeit haben, dann erzählen wir uns vom Leben und was die Unterschiede sind, aber so sehr viele gibt es gar nicht", erzählt die 14-jährige Realschülerin. "Ich freue mich schon sehr auf Bratislava im September, wenn wir 15 deutschen Schüler dort die Familien besuchen werden, denn Veronika hat mir schon so viel von ihrer Heimat erzählt." Seit fast einer Woche verbringen die 30 Schüler den ganzen Tag zusammen und durchlebten ein volles Programm.

30 Schüler aus Bratislava und Markdorf mit ihren Begleitern verbrachten gemeinsam eine spannende Woche am Bodensee im Rahmen eines ersten Schüleraustauschs.
30 Schüler aus Bratislava und Markdorf mit ihren Begleitern verbrachten gemeinsam eine spannende Woche am Bodensee im Rahmen eines ersten Schüleraustauschs.

"Der Mittwoch war für mich am interessantesten, als wir die Meersburg und die Pfahlbauten besuchten", strahlt Bràno Bridzik. "Ich werde einmal in Deutschland studieren, Mathe oder so", ist sich der zwölfjährige Slowake ziemlich sicher.

Lehrerin: "Mit dem Fahrrad nur zehn Minuten bis Österreich"

Lehrerin Zuzana Hanzloviovà erklärt: "Wir brauchen mit dem Fahrrad nur zehn Minuten bis nach Österreich und die deutsche Sprache ermöglicht unseren Kindern, nach der Schule auch die dortigen Weiterbildungschancen zu nutzen. Der Austausch ist eine gute Möglichkeit, ihr bisher Gelerntes anzuwenden und ich bin sehr stolz, wie gut sie hier alle zurechtkommen." Sie strahlt zufrieden.

Lehrer Wolfgang Switlick sind neben der Sprache auch die anderen Lerneffekte wichtig, wie etwa Verantwortung für das Gastkind zu übernehmen oder die eigene Heimat Fremden nahezubringen. "Ich würde mich sehr freuen, wenn die deutschen Schüler am Ende des Jahres, wenn sie vom Austausch kommen, ein positives Sprachrohr für die schöne und sehr kulturelle Stadt Bratislava sein würden", wünscht er sich.