Auf dem Parkplatz vor der Rettungswache in der Gehrenbergstraße gab es am Samstagmorgen keine freien Plätze mehr. Junge Eltern, werdende Eltern und auch Erzieherinnen trafen sich dort zu einem Erste-Hilfe-Kurs am Kind, um sich so gut wie möglich auf den Fall der Fälle vorzubereiten. Denn es gibt bei der Versorgung von Säuglingen und Kindern einige Besonderheiten zu beachten, wie der Kurs des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) den Teilnehmern zeigte.

Die stabile Seitenlage, in die Kursteilnehmerin Martina Ritsche aus Salem gebracht wurde, zählt zu den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen.
Die stabile Seitenlage, in die Kursteilnehmerin Martina Ritsche aus Salem gebracht wurde, zählt zu den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen. | Bild: Münzer, Gabriele

Nicht nur medizinische, auch psychische Erste Hilfe leisten

Angelika Pinke vom DRK erklärte den Kursteilnehmern zu Beginn, dass Kinder Verletzungen anders wahrnehmen und in Notfallsituationen nicht so reagieren wie Erwachsene. Man müsse daher neben medizinischer auch psychische Erste Hilfe leisten.

"Man kann bei Erste Hilfe nicht viel falsch machen, Hauptsache man macht etwas." – Angelika Pinke, DRK Friedrichshafen
"Man kann bei Erste Hilfe nicht viel falsch machen, Hauptsache man macht etwas." – Angelika Pinke, DRK Friedrichshafen | Bild: Münzer, Gabriele

Leitfaden für die Betreuung verletzter Kinder: das Kasperle-Konzept

Als Leitfaden für die Betreuung verletzter Kinder stellte sie das sogenannte Kasperle-Konzept vor: "Die Kontaktaufnahme mit Kindern sollte langsam und nur durch eine Person erfolgen, mit vorsichtigem Körperkontakt", erklärte die Kursleiterin. Falls möglich, gelte es, für eine behutsame Ablenkung zu sorgen, beispielsweise indem man das Kind ein Kühlkissen halten lasse. Ebenso wichtig sei es, dem Kind die Situation zu erklären. Auch sollten vertraute Personen einbezogen werden. Das Kind sollte dazu ermutigt werden, eigene Entscheidungen zu treffen.

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Weiter erklärte Angelika Pinke: "Im Umfeld des Kindes ist weitestgehend für Ruhe zu sorgen. Und auch Lob für hilfreiches Verhalten kann ausgesprochen werden." Darüber hinaus müsse man das Kind ernst nehmen und Ehrlichkeit beweisen, was die bevorstehenden Maßnahmen angeht. Um Kinder auf medizinische Notfallsituationen vorzubereiten, könne man zuhause spielerisch mit Verletzungsfällen und Verbänden üben, riet Pinke.

Größere Fremdkörper in einer Wunde, wie hier mit einer Schere simuliert, dürfen nicht selbst entfernt werden. Die Schere wird hier seitlich mit Mullbinden gepolstert, dann wird die Wunde vorsichtig verbunden.
Größere Fremdkörper in einer Wunde, wie hier mit einer Schere simuliert, dürfen nicht selbst entfernt werden. Die Schere wird hier seitlich mit Mullbinden gepolstert, dann wird die Wunde vorsichtig verbunden. | Bild: Münzer, Gabriele

Darauf muss bei der Reanimation von Säuglingen geachtet werden

Neben der spezifischen psychischen Situation gibt es auch bei medizinischen Erste-Hilfe-Maßnahmen an Kindern gewisse Besonderheiten zu berücksichtigen. Uwe Prinz vom DRK erläuterte: "Bei der Reanimation von Babys und Kindern gibt es deutliche Unterschiede zum Vorgehen beim Erwachsenen.

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Die Herzdruckmassage eines Säuglings unter zwölf Monaten wird mit nur zwei Fingern ausgeführt, die Beatmung erfolgt durch gleichzeitiges Umschließen von Mund und Nase." Der Kopf des Kindes müsse für die Beatmung nur wenig überstreckt werden, um die Atemwege freizumachen. Dazu sei bei Säuglingen eine stabile Seitenlage noch nicht möglich, deshalb müsse das Kind auf der Seite liegend durch Polster oder Decken stabilisiert werden. Bei älteren Kindern nehme man für die Herzdruckmassage eine Hand, beatmet werde entweder nur über die Nase oder nur über den Mund, so Prinz.

"Wichtig ist für mich die persönliche Sicherheit, zu wissen, was man im Fall der Fälle tun muss." – Bernd Reutemann, Oberteuringen
"Wichtig ist für mich die persönliche Sicherheit, zu wissen, was man im Fall der Fälle tun muss." – Bernd Reutemann, Oberteuringen | Bild: Münzer, Gabriele

Teilnehmer sollen Handlungssicherheit beim Umgang mit Alltagsverletzungen bekommen

Nach der Theorie hatten die Kursteilnehmer, darunter Veronika und Thomas Holeczek aus Markdorf, die Möglichkeit, das Erlernte an Übungspuppen zu testen. Die beiden besuchten den Kurs, weil sie bald Nachwuchs erwarten. "Im medizinischen Ernstfall kann Halbwissen gefährlich sein", ist Thomas Holeczek überzeugt. Daher wollen sie gut vorbereitet sein.

Die Kursteilnehmerinnen Melanie Müller aus Überlingen, Ulla Brandl aus Pfullendorf und Bernd Reutemann aus Oberteuringen (von links) üben die Reanimation an der Übungspuppe.
Die Kursteilnehmerinnen Melanie Müller aus Überlingen, Ulla Brandl aus Pfullendorf und Bernd Reutemann aus Oberteuringen (von links) üben die Reanimation an der Übungspuppe. | Bild: Münzer, Gabriele

Auch Melanie Müller aus Überlingen nahm an dem Kurs teil, um sich ein gutes Grundwissen anzueignen, wie sie sagte.

"Ich bin hauptsächlich hier, um danach Alltagsverletzungen richtig behandeln zu können." – Melanie Müller, Überlingen
"Ich bin hauptsächlich hier, um danach Alltagsverletzungen richtig behandeln zu können." – Melanie Müller, Überlingen | Bild: Münzer, Gabriele

Das sei auch das Ziel des Kurses, betonte Michael Bertel, Medizinproduktebeauftragter beim DRK Friedrichshafen.

"Erste-Hilfe-Maßnahmen behandeln Symptome, die Ursache ist dabei für den Helfer irrelevant." – Michael Bertel, DRK Friedrichshafen
"Erste-Hilfe-Maßnahmen behandeln Symptome, die Ursache ist dabei für den Helfer irrelevant." – Michael Bertel, DRK Friedrichshafen | Bild: Münzer, Gabriele

Man wolle den Teilnehmern eine gewisse Handlungssicherheit vermitteln, vor allem im Umgang mit Alltagsverletzungen. "Sehen, erkennen, machen", laute die Devise. Dabei sollten Eltern keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Denn falsch wäre nur, nichts zu tun, versicherte Bertel.

Bewusstlosigkeit – was muss ich tun?

Ein Kind liegt regungslos am Boden und ist womöglich bewusstlos. Wie Erste Hilfe dann aussehen sollte, erklärte Uwe Prinz vom Deutschen Roten Kreuz den Teilnehmern.

  1. Bewusstsein prüfen: Das regungslose Kind wird angesprochen und vorsichtig angefasst, um zu sehen, ob es womöglich nur eingeschlafen ist.
  2. Atmung prüfen: Reagiert das Kind nicht und ist bewusstlos, wird mit dem Ohr an Mund und Nase geprüft, ob eine Atemtätigkeit vorhanden ist. Dabei den Kopf des Kindes leicht überstrecken.
  3. Stabile Seitenlage: Atmet das Kind noch, wird es in die stabile Seitenlage gebracht und der Kopf leicht überstreckt, um zu verhindern, dass die Zunge in den Rachen rutscht und den Luftweg versperrt. Dann wird ein Notruf abgesetzt.
  4. Atemspenden: Wenn keine Atmung mehr spürbar ist, gibt man dem Kind fünf initiale Atemspenden und kontrolliert dann erneut, ob eine Atemtätigkeit einsetzt.
  5. Reanimation: Atmet das Kind immer noch nicht, startet die Wiederbelebung mit der Herzdruckmassage, die mit einer Hand ausgeführt wird. Auf 30-maliges Drücken auf Höhe des Brustbeins folgen zwei Atemstöße in Mund oder Nase. Nach etwa einer Minute im Wechsel wird ein Notruf abgesetzt.