Die Idee klang einleuchtend. Dauerparker blockierten in der Innenstadt permanent die Flächen für potenzielle Kundschaft, die vergebens einen Stellplatz sucht, um in einem Geschäft einzukaufen. Mit der Begrenzung der Parkzeit auf maximal zwei Stunden sollte die Fluktuation erhöht werden. Ist dies gelungen? Der SÜDKURIER hat sich bei Einzelhändlern umgehört.

Hans Strom führt in der Hauptstraße das Schreibwarengeschäft "Skribo" und bestätigt zunächst, dass er nun wechselnde Fahrzeuge vor seiner Tür sieht. "Zuvor standen hier immer dieselben Autos, ich könnte die Kennzeichen aus dem Gedächtnis nennen", sagt der Meckenbeurener. Mehr Kunden habe er deswegen trotzdem nicht zu verzeichnen. Bloß einige, die hektisch in sein Geschäft kamen, um am Tag der Einführung der Blauen Zone noch eine Parkscheibe zu kaufen.

"Die ersten drei Tage sind die verrückten Tage, wenn alle ihre Listen haben", Hans Strom, Hugo's Papierladen
"Die ersten drei Tage sind die verrückten Tage, wenn alle ihre Listen haben", Hans Strom, Hugo's Papierladen

Anders schaut es bei Nico Schneider aus. Der Betreiber des Modegeschäfts "Wolfram S" erfreut sich eines größeren Zuspruchs seit dem Wegfall der Dauerstellplätze. "Inwiefern das mit der Blauen Zone zusammenhängt, kann ich nicht beurteilen", sagt der Jungunternehmer. Als "sein Glück" bezeichnet er es, dass seine Mitarbeiterinnen fußläufig ins Geschäft kommen können. "Ich hatte kürzlich noch eine Mitarbeiterin aus Friedrichshafen, für sie wäre es nun schwierig geworden."

Schonfrist wird wohl ausgenutzt

Katrin Raither vom gleichnamigen Intersport-Geschäft in der Mangoldstraße ist sich dagegen sicher: "Die Kunden werden dadurch nicht zum Verweilen eingeladen." Bisweilen merke sie aber noch keine Auswirkungen. Dies habe einen Grund. "Die Leute wissen um die Schonfrist bei den Kontrollen und nutzen diese aus", sagt Raither. Sie verweist auf die obere Etage des Parkhauses in der Poststraße, wo sich niemand an die Parkzeitbegrenzung hielte. Die Stichprobe des SÜDKURIER gibt ihr recht: Von 18 Fahrzeugen haben 17 Stück keine Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe liegen.

Das Oberdeck des Post-Parkhauses war vor der neuen Parkregelung meist restlos besetzt. Seitdem die Parkdauer begrenzt wurde, bleiben regelmäßig Plätze leer.
Das Oberdeck des Post-Parkhauses war vor der neuen Parkregelung meist restlos besetzt. Seitdem die Parkdauer begrenzt wurde, bleiben regelmäßig Plätze leer. | Bild: Heuser, Christoph

Von sogar abnehmenden Kundenzahlen berichtet Moni Mayer, Inhaberin des Modegeschäftes "M 3": "Die Leute waren verunsichert, aber langsam pendelt es sich ein." Allerdings ist auch ihr die Höchstdauer von zwei Stunden ein Dorn im Auge. "Ich hoffe auf eine Anpassung dahingehend, dass Angestellte von der Regelung ausgenommen werden", nennt Mayer einen mehrmals angeführten Kritikpunkt.

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Genauso sieht es Annemarie Zwirner von "Blumen Zwirner". Sie bezweifelt, dass die Blaue Zone irgendetwas bringe. "Zumindest spüre ich keine Auswirkungen", sagt Zwirner. Richtig sei es zwar, dass parkende Fahrzeuge häufiger wechseln, jedoch ließe sich das nicht an Kundenzahlen festmachen. "Nun stehen die Autos eben in der Kreuzgasse und in der Jahnstraße", so die Floristin, der die dortigen Anwohner leidtun: "Dort sind mittlerweile sogar die Bürgersteige zugeparkt." Außerdem betrachtet sie den Standort des Schildes als zu dicht am Kreisverkehr: "Wer diesen in Richtung Hauptstraße verlässt, nimmt das Schild nicht wahr."

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Selbst Leidtragende ist Martina Kugler, die im "Heimatliebe unverpackt" arbeitet. "Ich muss weit außerhalb parken und je nachdem, wo ich einen Parkplatz bekomme, zum Geschäft hetzen", sagt Kugler, die allerdings nicht nur Negatives sieht: "Ich glaube schon, dass mittlerweile mehr Kunden zu uns kommen, auch weil sie direkt vor der Tür kurz anhalten können."

Die Meinungen gehen also auseinander. Mehr Kundschaft, weniger Kundschaft oder gleichbleibende Zahlen – es ist alles vertreten. Hans Strom möchte sich mit seiner Beurteilung nicht komplett festlegen: "Gerade ist ohnehin Ferienzeit, deswegen müssen wir vielleicht noch etwas abwarten, um endgültig darüber zu urteilen."