Eine neue Ära steht Möggenweiler bevor, denn eine neue Erschließung wird in Angriff genommen. Nach derzeitigen Kostenberechnungen werden rund 3,6 Millionen Euro investiert. Laut Stadtverwaltung gibt es keinerlei Zuschüsse. Auf die Anlieger kommen – ebenfalls nach derzeitigen Kostenberechnungen – Beiträge von insgesamt 900 000 Euro zu.

Der Nebensaal der Markdorfer Stadthalle ist anlässlich eines Informationsabends zur Erschließung Möggenweilers komplett gefüllt.
Der Nebensaal der Markdorfer Stadthalle ist anlässlich eines Informationsabends zur Erschließung Möggenweilers komplett gefüllt. | Bild: Toni Ganter

Diese Zahlen wurden am Mittwoch während eines Bürgerinformationsabends im voll besetzten Nebensaal der Stadthalle genannt.

"Bürgerinnen und Bürger nehmen hier ein demokratisches Recht in Anspruch", sagt Bürgermeister Georg Riedmann über den Bürgerentscheid am Sonntag, 16. Dezember.
"Bürgerinnen und Bürger nehmen hier ein demokratisches Recht in Anspruch", sagt Bürgermeister Georg Riedmann über den Bürgerentscheid am Sonntag, 16. Dezember. | Bild: Beatrice Strauch

Bürgermeister Riedmann erklärte: "Ich bin sehr froh und glücklich, dass wir den Startschuss zur Erschließung geben können. 2019 geht's los. Es wird Belastungen geben, fertige Straßen und Kanalisationen fallen nicht vom Himmel."

Der Mühlbach wird aufgeweitet, die Verdolung vergrößert. Zudem gibt's Pfähle und ein Stahlgitter mit Einlauf gegen Hochwasser.
Der Mühlbach wird aufgeweitet, die Verdolung vergrößert. Zudem gibt's Pfähle und ein Stahlgitter mit Einlauf gegen Hochwasser. | Bild: Toni Ganter

Planer Franz-Xaver Schwörer vom gleichnamigen Ingenieurbüro legte mittels einer digitalen Präsentation die technischen und baulichen Aspekte der bevorstehenden Neuerschließungen dar: Maßnahmen gegen Hochwasser, Straßenausbau, Kanalsystem, Wasserversorgung, Bauabschnitte.

Ein Beispiel für Hochwasser-Schutz im Mühlbach. Durch diesen Aufbau wird verhindert, dass angeschwemmtes Material den Ablauf verstopfen kann.
Ein Beispiel für Hochwasser-Schutz im Mühlbach. Durch diesen Aufbau wird verhindert, dass angeschwemmtes Material den Ablauf verstopfen kann. | Bild: Repro: Toni Ganter
  • Hochwasser am Mühlbach: Laut Hochwassergefahrenkarte des Landes führt der Mühlbach nach Berechnungen bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis (HQ 100) 832 Liter pro Sekunde, die es zu bändigen gilt. Nach Westen in Richtung Friedhof sind es bei HQ 100 schon 1828 Liter/je Sekunde. Deshalb sollen Verbesserungen
    am Mühlbach verwirklicht werden: Einlaufrechen mit Pfahlreihe, damit Abflüssen nicht verstopfen; der Bachquerschnitt wird aufgeweitet und die Verdolung vergrößert.
Im Bereich der Hochwaldstraße werden bauliche Maßnahmen erledigt, um gegen Sturzregen gewappnet zu sein.
Im Bereich der Hochwaldstraße werden bauliche Maßnahmen erledigt, um gegen Sturzregen gewappnet zu sein. | Bild: Toni Ganter
  • Hochwaldstraße: Um künftig gegen Sturzregen gewappnet zu sein, wird die Neigungungsrichtung der künftigen Straße geändert; sogenannte Wabenrinnen werden schräg eingebaut, die die Wassermengen besser aufnehmen und abführen können; zudem werden im Bereich Hochwaldstraße/Paradiesweg Schächte eingebaut.
Die westliche Möggenweiler Straße. Dieser Bereich zählt zum ersten Bauabschnitt, der 2019 bis 2020 erledigt werden soll.
Die westliche Möggenweiler Straße. Dieser Bereich zählt zum ersten Bauabschnitt, der 2019 bis 2020 erledigt werden soll. | Bild: Toni Ganter
  • Straßenbau: Durch die Tiefbauarbeiten für die neuen Leitungen wird ist ein vollständiger Straßenneubau notwendig. Straßenentwässerungen werden verbaut. Es soll einen Gehweg entlang der Möggenweiler Straße zwischen Kapelle St. Wolfgang und Ortsmitte geben. In der Hochwaldstraße und im Paradiesweg ist kein Platz für Gehwege vorhanden.
Dieses Beispiel zeigt, wie die Straße im Paradiesweg gebaut werden soll.
Dieses Beispiel zeigt, wie die Straße im Paradiesweg gebaut werden soll. | Bild: Repro: Toni Ganter
  • Wasserversorgung: Die alten Leitungen werden durch leistungsfähige mit größerem Durchmesser ersetzt, damit künftig auch die notwendige Löschwasserversorgung gewährleistet ist.
Im Bereich Buchenweg soll entlang eines Teilstücks der neuen Straße ein Gehweg gebaut werden.
Im Bereich Buchenweg soll entlang eines Teilstücks der neuen Straße ein Gehweg gebaut werden. | Bild: Toni Ganter

Kritik an geplantem Gehweg

Mehrfach zweifelten Einwohner Möggenweilers die Sinnhaftigkeit eines Gehweges an, der auf einem Teilstück entlang der neuen Straße hergestellt werden soll. Die Straße wird 5 Meter, der Gehweg soll 1,5 Meter Breite messen. Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel erklärte, dass dieser geplante Gehweg sollte schon aus Gründen der Verkehrssicherheit hergestellt werden. Planer Franz-Xaver Schwörer ergänzte, dass die Flächen für die Straße und den Gehweg auf öffentlichem Grund sind, sprich die Flächen im Eigentum der Stadt stehen. Als weitere Kritik aufkam, sagte Schlegel, dass der Kostenanteil für die Anlieger für diesen Gehwegabschnitt vergleichsweise gering sei. Eine Einwohnerin forderte "massive Tempobegrenzung, dann braucht's keine Gehwege". Der Stadtbauamtsleiter sagte zu, das Thema Gehwege zur Beratung in den Gemeinderat mitzunehmen.

Auftragsvergabe im Dezember

Laut Auskunft des stellvertretenden Stadtkämmerers Jörg Wiggenhauser steht die Ausschreibung unmittelbar bevor. "In der Dezembersitzung wird der Gemeinderat über die Vergabe entscheiden."

Variante Beitragsablösung

Beim Thema Beiträge für die Straßenbauarbeiten machte Jörg Wiggenhauser auf die Variante "Beitragsablösung" aufmerksam: "In den vergangenen Jahren haben rund 300 Anlieger in zehn Straßenzügen diese Variante gewählt." Und das funktioniert vereinfacht dargestellt so: Die jeweiligen Anlieger bekommen ein Ablösungsangebot zugestellt, das vertragliche Wirkung hat. In diesem Ablösungsangebot steht ein Fixbetrag. Wird dieser akzeptiert und bezahlt – bei höheren Beträgen sind auch Ratenzahlungen möglich –, ist der Fall erledigt. "Spätere Kostensteigerungen gehen dann voll zulasten der Stadt", erklärte Wiggenhauser.

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