In einem Restaurant mal eben auf Toilette gehen, ohne etwas zu bestellen? Das ist in Markdorf seit ziemlich genau zwei Jahren möglich. Und das sogar völlig ohne schlechtes Gewissen. Möglich machen das die sogenannten "Netten Toiletten", von denen es in der Stadt insgesamt zwölf gibt. Früher hatte es lediglich zwei öffentlich zugängliche WCs gegeben.

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Konzept ist etabliert

"Das Angebot hat sich etabliert und ist zur Selbstverständlichkeit geworden", sagt Lucie Fieber, Geschäftsführerin von Markdorf Marketing. Auch Bürgermeister Georg Riedmann freut sich über das Angebot. "Ich bin sehr glücklich, dass wir insgesamt zwölf Toiletten in der Stadt anbieten können. Die Betriebe waren damals sehr schnell bereit, bei der 'Netten Toilette' mitzumachen", so der Verwaltungschef. Er ergänzt: "Markdorf kann sich durch solche Angebote und die darin zum Ausdruck kommende Gastfreundlichkeit von anderen Einkaufsstädten abheben."

Die Markdorfer Bürger schätzen das Konzept ebenfalls. "Ich finde das Angebot, ohne den Zwang, etwas konsumieren zu müssen, super. Gerade für Mütter mit Kindern ist es gut, wenn sie schnell reagieren müssen", lobt Kristina Geiger. Einen Tipp hat sie aber auch noch parat: "Die Aufkleber beziehungsweise Hinweise sollten teilweise noch besser sichtbar gemacht werden."

Kristina Geiger
Kristina Geiger | Bild: Singler, Julian

Hilde Vanden Wyngaert glaubt, dass die öffentlichen stillen Örtchen vor allem von Auswärtigen dankend angenommen werden. "Wenn man sich in einer Stadt nicht auskennt, ist es gut zu wissen, wo WCs sind", sagt sie.

Hilde Vanden Wyngaert
Hilde Vanden Wyngaert | Bild: Singler, Julian

Für Rita Joos dagegen kommt der Gang auf eine "Nette Toilette" eher nicht in Frage. "Ich nutze öffentliche WCs aus hygienischen Gründen nicht gerne. Das es das Angebot gibt, ist aber gut", meint die Rentnerin.

Nicht nur öffentliche WCs zu nutzen

"Bei uns nutzen viele mit Rollatoren oder Rollstühlen die 'Nette Toilette', da wir behindertengerechte WCs haben", sagt Brigida Coppola-Bäder, Betreiberin des Cafés in der Ulrichstraße. Sie fügt an: "Vor allem, wenn in der Stadt viel los ist, ist zu sehen, wie gut das Angebot angenommen wird." Im Café di Coppola gibt es auch einen Wickeltisch.

Brigida Coppola-Bäder ist die Betreiberin des Cafés in der Ulrichstraße. Neben einer barrierefreien "Netten Toilette" gibt es bei ihr auch die Möglichkeit, einen Wickeltisch zu nutzen.
Brigida Coppola-Bäder ist die Betreiberin des Cafés in der Ulrichstraße. Neben einer barrierefreien "Netten Toilette" gibt es bei ihr auch die Möglichkeit, einen Wickeltisch zu nutzen. | Bild: Singler, Julian

Ebenfalls positive Ressonanz erhält Richard Öxle vom Schwanenstüble am Marktplatz. Das Angebot des kostenlosen Toilettenganges werde gerne genutzt. "Es sollte aber darauf geachtet werden, dass das Ganze nicht ausufert", findet Öxle.

Negative Erfahrungen mit dem Konzept hat Brigida Coppola-Bäder bislang keine gemacht. Dass es diese aber hin und wieder gibt, sagt Lucie Fieber vom Stadtmarketing: "Leider passiert es schon, dass öffentliche Toiletten mutwillig verunreinigt werden." Das WC am Bahnhof sei allerdings eine selbstreinigende Toilette, sodass die groben Verschmutzungen nach jedem Benutzen beseitigt würden.

Stadt gibt Finanzspritze

Die Stadt unterstützt die "Nette Toilette" finanziell. "Die Lizenzgebühren, unter anderem auch für den Druck der Aufkleber und Plakate, waren einmalig.

Ein Aufkleber der "Netten Toilette"
Ein Aufkleber der "Netten Toilette" | Bild: Singler, Julian

Um in den Betrieben die Zusatzkosten abzudecken, die durch die Nutzung durch Nichtkunden entstehen, zahlen wir pro Betrieb und Monat einen Anerkennungsbetrag von 50 Euro für Wasser- und Hygienemittelverbrauch sowie für die Reinigung der Toiletten", erklärt Bürgermeister Riedmann. Für die Stadt sei es ihm zufolge eine "Win-Win-Situation". Riedmann: "Die Gäste lernen verschiedene Gastronomie- und Bäckereibetriebe kennen, kehren dort vielleicht ein, und haben eine positive Einstellung zur Stadt. Diese Kosten sind deutlich niedriger als Kosten, die uns für die Pflege und Instandhaltung unserer öffentlichen Toilettenanlagen entstehen."