Es ist ein Februarabend, an dem er ankommt. Auf den Straßen toben Narren. „Die Fastnacht war in vollem Gange“, erinnert sich Antonio Timpano in seinem Erinnerungsbuch, das der Stadt Markdorf gewidmet ist. Darin beschreibt der hier lebende Autor mit italienischen Wurzeln, wie Fernando, so heißt die Hauptfigur, im Alter von 15 Jahren die „Stadt seiner Träume“ erreicht. Im Buch heißt die nicht Markdorf, sondern „Marling“.

Erwartungen leiten sich von Erzählungen des Vaters ab

In seiner Kindheit und Jugend war sie ein Sehnsuchtsort für ihn, an den sich Erwartungen und Hoffnungen knüpften, die sich aus den Erzählungen seines dort arbeitenden Vaters speisten. Bis der 15-jährige Fernando alias Antonio Timpano schließlich selbst nach Marling/Markdorf fährt, um dort in derselben Fabrik zu arbeiten wie sein Vater. 

Antonio Timpano hat im MGH auch schon sein früheres Buch vorgestellt

„Geschrieben habe ich mein Buch auf Italienisch“, erklärt Timpano bei seiner Lesung in der gut gefüllten Caféteria des Mehrgenerationenhauses (MGH). Eingeladen worden war er vom MGH-Förderverein, nicht zum ersten Mal. Timpano hatte hier bereits aus einem früheren Buch „Im Schatten der Einsamkeit“ vorgetragen.

Heimatgefühle entwickeln und verändern sich im Laufe des Lebens

Irmgard Teske, Beirätin des Fördervereins und Professorin für Psychologie und Soziale Arbeit an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, erklärte, dass in Zeiten, da Menschen aus ihren Herkunftsländern flüchten und auch in Deutschland Schutz zu suchen, der Begriff Heimat in aller Munde sei. Timpanos Buch zeige, wie sich jene Gefühle und inneren Bilder, die man mit dem Wort Heimat verbindet, im Laufe eines Lebens entwickeln und verändern. Umso interessanter sei dies, weil hier die von einem Migranten erlebten Umbrüche ins Blickfeld geraten.

Irgendwann nimmt Fernando am Narrenumzug teil

Es dauert lange, bis Fernando/Antonio Timpano irgendwann selbst hinter die Maske des Pulcinella schlüpft, um am Narrenumzug teilzunehmen. Noch länger währt es, bis er sich endgültig aussöhnt mit seiner Wahlheimat Marling oder Markdorf.

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„Es war ihm, als setze er seinen Fuß in eine andere Welt, mit Dingen und Menschen, die er bis dahin nie gesehen hatte“, liest Christiane Walter vor. Die pensionierte Gymnasiallehrerin hat Timpanos Buch als Lektorin betreut. Beim Nachmittag im Mehrgenerationenhaus löst sie Timpano irgendwann ab, den das Vorlesen längerer Passagen in Deutsch ermüdet.

Warum es Fernando „nie gelungen war, im Herzen seiner Stadt anzukommen“, beantworten die vorgetragenen Ausschnitte nicht. Aber sie vermitteln Erinnertes: den Duft des Frühlings, den Geruch von Esskastanien in Fernandos Heimatstadt, auch die Begegnung mit der ersten Liebe.